Zurück zur "Size Zero"?: Die Modewelt und ihre Rückkehr zum gefährlichen Schönheitsideal

Die Fashion Weeks setzen Trends. Doch welches Körperideal liefern sie gleich mit? Ein Blick auf die aktuellen Zahlen macht schnell deutlich, dass der Platz für Größenvielfalt in Zeiten von «Heroin Chic», Ozempic und Co. immer geringer wird.

Die Modeindustrie soll diverser werden. Diese Forderung hören wir in der Branche seit Jahren rauf und runter. Und ja, tatsächlich waren wir zwischenzeitlich auf einem guten Weg. Doch mit der aktuellen «Skinny Epidemic», der erschreckenden Rückkehr des «Heroin Chic» und dem regelrechten Ozempic-Boom in Hollywood gerät dieser Fortschritt zunehmend ins Wanken. Journalistin Felicity Hayward macht es sich seit Jahren zur Aufgabe, die Laufstege der Fashion Weeks in New York, Paris, London und Mailand in Bezug auf Körpervielfalt genau zu analysieren. Und das Ergebnis? Ziemlich ernüchternd, um es elegant auszudrücken.

Die vier großen Modemetropolen mit ihren Fashion Weeks geben nicht nur die modische Richtung für die kommende Saison vor. Sie prägen auch kulturelle Entwicklungen und Schönheitsideale. Was hier gezeigt wird, wird Trend. Und das bezieht sich auf mehr als nur die Kleidung. Doch vor dieser Verantwortung scheinen sich vor allem die großen Mäusehäuser scheinbar aktuell wieder zunehmend zu entziehen.

So divers waren die Laufstege diese Saison wirklich

Über alle vier Städte hinweg bleibt Größenvielfalt auf den Laufstegen die Ausnahme. Laut Hayward wurden bei den Frühjahr/Sommer-Shows 2027 nur 115 von rund 11.550 Looks auf Curve- oder Plus-Size-Models präsentiert. Das entspricht etwa einem Prozent. Oder anders gesagt: Nur jeder hundertste Look wurde an einem Körper gezeigt, der von der klassischen Modelnorm abweicht. Wir sahen zwar mehr Curvy-Models in Paris und New York, aber einen deutlichen Rückgang in London. Und auch hier müssen wir unterscheiden: Die Repräsentation hängt nach wie vor noch stark von einigen einzelnen Labels ab, wie zum Beispiel Ester Manas, Christian Siriano oder Di Petsa.

Ferragamo Spring / Summer 2027.
Ferragamo Spring / Summer 2027.
© Justin Shin

Nicht zum ersten Mal sind es vor allem die kleineren, unabhängigen Designer, die Wert darauf legen, ihre Kollektionen divers und inklusiv zu präsentieren. Wenn man bedenkt, dass gerade ihnen oft Budget und Personal fehlen, fragt man sich jedes Jahr aufs Neue: Was genau hindert die großen Modehäuser daran?

Die Mailänder Doppelmoral

Schaut man sich die italienische Metropole Mailand genauer an, bekommt das Thema Diversität einen besonders bitteren Beigeschmack. Dort haben sich die Auftritte von Curvy-Models vor allem durch die «Vogue World»-Modenschau verdoppelt. Im ersten Moment ein Grund zur Freude. Wäre da nicht ein Widerspruch, der einmal mehr die Frage aufwirft: Gehört Diversität zur wirklichen Marken-DNA oder ist es eben doch nur ein Marketingmove für gute PR? 

Die aufwändige Produktion, bei der sieben Plus-Size-Models ihren großen Auftritt feierten, wurde vom Pharmaunternehmen Eli Lilly finanziert, einem der weltweit führenden Pharmaunternehmen im Bereich der Spritzen und Tabletten zur Gewichtsabnahme. So trifft ein Unternehmen, das mit dem Wunsch, abzunehmen, Geld verdient, auf eine Branche, in der Essstörungen und Körperwahrnehmungsstörungen quasi alltäglich sind. Dass ausgerechnet hier Körpervielfalt gefeiert wird, wirft Fragen auf.

Gefährlich und unwirtschaftlich?

Und auch rein wirtschaftlich wirkt der geringe Stellenwert von Diversität in Bezug auf Körperformen wenig nachvollziehbar. Immerhin besteht ein Großteil der tatsächlichen Käufer:innen aus Kundschaft aus weit mehr als den schmalen Körpern, die auf den Laufstegen dominieren. Es scheint also, als würden die Modehäuser nach wie vor lieber für ihre Traumkund:innen entwerfen als für die Menschen, die ihre Kleidung tatsächlich tragen. Und genau hier liegt das Problem.

 

Quelle: Mode

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