Treffen ohne Ziel und Plan: Warum wir uns öfter zum Nichtstun verabreden sollten

Uncategorized

Unstrukturierte Treffen mit Freund:innen – also das gemeinsame “Nichtstun” ohne festen Zeitplan – bietet zahlreiche Vorteile für unsere psychische und physische Gesundheit. Welche genau, erfährst du hier. 

Wenn ich in meinen Kalender für 2026 schaue, muss ich jetzt schon Termin-Tetris spielen. Hier eine Verabredung zum Essen, da ein Theaterbesuch, dabei sind wir doch noch nicht einmal im neuen Jahr angekommen. Für spontane Treffen mit Freund:innen wie früher “in the good old days” bleibt heute selten Zeit, dabei können unstrukturierte Hangouts genauso wertvoll sein – und sogar Vorteile bieten. 

Termine, Termine, Termine 

Wir leben in einer Kultur, die von Produktivitätsdruck geprägt ist, in der wir oft das Gefühl haben, dass jede Minute sinnvoll genutzt werden muss. Bloßes “Abhängen” wird dann als Zeitverschwendung wahrgenommen; der Fokus liegt auf Leistung – sogar im Privatleben.

Deswegen werden auch Treffen mit Freund:innen vermehrt wie Geschäftstermine behandelt. Sie sind an feste Aktivitäten geknüpft, finden meist außerhalb der eigenen vier Wände statt und haben klare Start- und Endzeiten. Durch die vollständige Planung eines Treffens bleibt jedoch kaum Raum für Spontaneität, die eventuell nötig wäre, um Größeres entstehen zu lassen.

Deswegen ist unstrukturierte Zeit mit unseren Lieblingsmenschen so gut für uns

1. Stressabbau und Entspannung

Da es keinen festen Zeitplan oder eine spezifische Agenda gibt, entfällt der Leistungsdruck. Wir müssen weder Aufgaben erledigen, noch Erwartungen erfüllen. Das ermöglicht es, einfach nur im Moment zu sein, sich zu entspannen und offen zu sein, für das, was kommt. 

2. Förderung von Authentizität

In ungezwungenen Situationen verspüren wir weniger Druck, eine bestimmte Rolle einzunehmen oder gar zu spielen. Diese Authentizität – also sozusagen das Zeigen unseres wahren Ichs – stärkt das Selbstwertgefühl und reduziert nachweislich Angstzustände und Stress. Wir fühlen uns mit den Menschen, mit denen wir Nichtstun, so wohl, dass wir einfach sein können, ohne den Druck, performen zu müssen, Gespräche am Laufen halten zu müssen und so weiter. 

3. Vertiefung von Beziehungen

Ohne ein festes Programm entsteht Raum für Überraschungen, spontane Lacher, und tiefgründige Gespräche, die in organisierten Aktivitäten weniger Platz finden würden. Oft sind es nämlich diese banalen, alltäglichen Momente, in denen wir uns besonders sicher fühlen und verletzlich zeigen können, was die Bindung zu anderen stärkt.

4. Selbstfürsorge muss nicht gleich Me-Time bedeuten 

Wenn wir uns erschöpft fühlen, neigen wir dazu, uns zu isolieren oder zurückzuziehen. Die Popkultur und Social Media suggerieren nämlich oft, dass “echte Erholung”, also die klassische Me-Time, nur allein stattfinden kann – etwa im Bett oder in der Badewanne. Dabei wird übersehen, dass gerade das entspannte Zusammensein mit Lieblingsmenschen unsere Batterien effektiver aufladen kann.

5. Bekämpfung von Einsamkeit und gesundheitliche Vorteile

Unstrukturierte Interaktionen sind ein Gegenmittel zur “Einsamkeitsepidemie”. Während oberflächliche soziale Kontakte, die wir mit Mühe in unseren Terminkalender quetschen, oft wenig bewirken oder sogar zusätzlichen Stress bedeuten, tragen qualitativ hochwertige Beziehungen maßgeblich zum Glück bei. Sie können das Risiko für verschiedene Krankheiten senken und sogar die Lebenserwartung verlängern.

Gefestigte Beziehungen 

Früher waren lose, ungeplante Interaktionen, wie der kurze Plausch über den Gartenzaun oder das Treffen am Kaffeeautomaten im Büro, fest im Alltag verankert. Heute ist die Gesellschaft individualistischer, Gemeinschaften treten in den Hintergrund und Beziehungen nehmen oft einen fast transaktionalen Charakter an. 

Dabei ist es so wichtig, dass wir Raum schaffen für Hangouts mit unseren Liebsten. Denn diese Treffen signalisieren auch, dass die bloße Anwesenheit der anderen Person wertvoll genug ist, ohne dass sie durch eine Aktivität aufgewertet werden muss. Wir neigen dazu, unsere Zeit wie ein Sparkonto zu behandeln, auf dem jede Minute gewinnbringend angelegt werden muss. Dabei liegt der wirkliche Gewinn vielleicht im Nutzlosen. 

Source: View original article