Die einen brauchen mehr Wohnraum, die anderen haben zu viel: ein Match für Dorfumbau-Managerin Natalie Miller.
Wenn Natalie Miller, 28, durch die Ortsteile der westpfälzischen Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg geht, interessiert sie sich vor allem für verwahrloste Gebäude: Häuser, die leer stehen, Höfe, die nicht mehr bewirtschaftet sind, ungenutzte Nebengebäude. Wo der Putz bröckelt und die Dorfmitte ungemütlich aussieht, da ist ihr Arbeitsfeld: Sie ist Dorfumbau-Managerin und in der Gemeinde das Gesicht eines von der EU geförderten Modellprojekts, das dem Leerstand in ländlichen Regionen entgegenwirken will.
Denn dort läuft es oft so: Die jungen Leute ziehen für die Arbeit in die Städte, die älteren bleiben im Dorf, meist in zu großen Häusern. «Manchmal», sagt Natalie Miller, «kommen die Jungen später zurück, mit Kindern, Haustieren, Homeoffice-Vertrag, und finden keinen passenden Wohnraum.» Dann bauen sie am Ortsrand – was die Dörfer nicht schöner mache: die Mitte leer, der Rand zersiedelt.
Sie macht Dörfer wieder lebendig

© Anna Ziegler
Ihr Job ist es, Menschen, die Wohnraum suchen, und Menschen, die Wohnraum übrig haben, zusammenzubringen. Sie studiert Leerstandskataster, schreibt betagte Hausbesitzer:innen an, deren Gebäude und Grundstücke ungenutzt erscheinen, bietet ihnen Hilfe bei geförderter Sanierung, Vermietung, Verkauf. Dazu verteilt sie schon mal Flyer in der Region, die nach einem Date klingen: «Altes Haus sucht Wärme und Zuwendung». Zudem berät sie Rückkehrende und Neuzuziehende, die Ausschau nach Objekten halten. Und ist Ansprechpartnerin für Kapitalgebende – etwa, wenn es darum geht, in ein Ärztehaus oder Mehrgenerationenprojekt zu investieren. Inzwischen kommen Interessierte auch auf sie zu. Es hat sich herumgesprochen, dass es die Dorfumbau-Managerin gibt.
Eigentlich ist Natalie Miller gelernte Innenarchitektin, sagt von sich selbst, sie sei eher ein ruhiger, besonnener Typ: «Gleichzeitig mag ich es aber, Menschen zusammenzubringen.» Nach dem Studium in Kaiserslautern designte sie zunächst Shops für Mode-Labels. Sie weiß: «Ästhetische und gut geplante Innenräume senden eine Botschaft: Wir wollen, dass ihr verweilt, euch wohlfühlt!»
Ähnlich sei es mit den Außenräumen, sagt Miller, allerdings oft mit umgekehrten Vorzeichen. «Verwahrloste Orte signalisieren den Dagebliebenen: Wir sind egal, hier kümmert sich keiner.» Insofern habe das, was sie tue, auch eine politische Dimension. Zumal sie selbst aus der Region stammt.
Miller ist Pionierin, Vorbilder sind rar
Zwar gibt es bereits ehrenamtlicheLeerstandslotsinnen und -lotsen, im bayrischen Kreis Donau-Ries auch eine rührige Regionalmanagerin, die ihr wichtige Impulse liefere, sagt Miller. Dass sie nun seit April 2025 offiziell bei der Verbandsgemeinde angestellt ist, liegt aber vor allem am engagierten Bürgermeister Harald Westrich, der sich für die Schaffung der Stelle einsetzte. Zu 75 Prozent wird sie über den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums gefördert, den Rest trägt die Verbandsgemeinde.
Hilfreich für Millers Arbeit ist, dass in den zentralen Lagen der dazugehörenden Dörfer Sanierungsgebiete ausgewiesen wurden. Sie erzählt von einer jungen Familie, die dort ein altes Haus mit Hofteil fand, das sie dank Förderung kaufen und herrichten konnte. Und von einer erfolgreichen Bewerbung für ein vom Land gefördertes und begleitetes Projekt: Bald sollen auf einem Hof mit Bestandsgebäuden barrierefreie Wohnungen entstehen. «Immer dort, wo sich Menschen begegnen können, wird es lebendig», sagt Natalie Miller, und genau das treibt sie an. Sie findet, dass alle so wohnen können sollen, wie es zu ihrem Leben passt.
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