Die Berlinerin Nicole Oudes hat ein kleines Gerät entwickelt, das Leben rettet, bis der Krankenwagen kommt.
Nicole Oudes steht nicht gern im Mittelpunkt. Kurz vor ihrem Auftritt in der Vox-Show «Die Höhle der Löwen» im März sei sie vor Aufregung fast umgekippt, erzählt die 38-Jährige. «Ich gehe da nicht raus», habe sie zu ihrer Backstage-Betreuerin gesagt. Zu groß war die Angst, zu «verkacken», zu wichtig ihre Präsentation vor den Investorinnen und Investoren: ein Gerät, das sich am Schlüsselbund tragen lässt, und mit dessen Hilfe man Leben retten kann.
«Nicht helfen geht nicht!»
Mehr als 40 000 Frauen und Männer sterben jedes Jahr an einem Herzinfarkt, 65 000 an plötzlichem Herzstillstand, 10 000 könnten überleben, wenn jemand Erste Hilfe leisten würde, so lange, bis der Krankenwagen kommt.
«Zeit ist der entscheidende Faktor», sagt die gebürtige Potsdamerin Nicole Oudes.
Sie hat das schmerzhaft während eines Türkei-Urlaubs vor elf Jahren erfahren. Da war ein junger Mann in einem Touristen-Jeep zusammengesackt. Um das Auto hatte sich eine Traube von Menschen gebildet, doch niemand wusste, was zu tun ist. Oudes kämpfte sich zum Wagen vor, konnte den Patienten aber nicht herausziehen, ihm nur im Sitzen Druckmassagen geben. Nach einer Stunde kam endlich der Krankenwagen, doch der Mann war tot.
Sie war damals schon Rettungssanitäterin und bildete sich gerade zur Ausbilderin für Erste Hilfe weiter. Mit 21 war sie zur Bundeswehr gegangen, kurz vor Ende ihrer vierjährigen Dienstzeit entdeckte sie den Rettungsdienst für sich. Wenn etwas passiere, sagt sie, möchte sie da sein und helfen. Bei dem jungen Mann war es ihr nicht gelungen. Umso mehr wollte sie nun alles daransetzen, auch Nicht-Profis das nötige Wissen an die Hand zu geben.
2015 gründete sie ihr Unternehmen namens «Nicht helfen geht nicht!» und gibt Kurse für Familien. Sie lässt die Teilnehmenden nach kurzen Basis-Kursen gleich an Puppen arbeiten, schult auch die Behandlung von Kindern – sie ist selbst Mutter eines siebenjährigen Sohnes. Schnell wurde sie sogar von größeren Unternehmen und Kitas gebucht.
Dieses Gerät kann Leben retten
«Wenn du neben mir stehst, trau ich mir das zu. Aber ich kann dich im Ernstfall ja nicht anrufen», hat sie oft von Teilnehmenden gehört. Das hat sie beschäftigt. Man bräuchte, dachte sie sich, sei ein kleines Gerät, das die wichtigsten Schritte anleitet: Atem prüfen, 112 anrufen – «vielen Menschen fällt in der Panik die Nummer der Rettung nicht mehr ein» –, dann 30 Mal Herzdruckmassage mit 100 bis 120 Kompressionen pro Minute, was dem Rhythmus vom Bee-Gees-Song «Stayin’ Alive» entspricht, gefolgt von zwei Atemspenden, immer im Wechsel. Viel falsch machen kann man nicht. Hauptsache, man bleibt nicht aus lauter Hilflosigkeit untätig.
Nicole Oudes begann zu tüfteln, holte sich Hilfe in Sachen Software, Firmware und Platinen und erstellte auf einem 3D-Drucker die ersten Prototypen ihres «Heartbeat Revivel»: ein handliches, etwa autoschlüsselgroßes Gerät mit einfacher Bedienung. Über einen Schiebeschalter wird das batteriebetriebene Kästchen aktiviert; die Stimme, die man hört, ist bewusst nicht KI-generiert, sondern die der Schauspielerin Gisa Zach. Für die Herzdruckmassage ertönt ein Metronom, das zwischen Kinder- und Erwachsenen-Modus wechseln kann.
Am liebsten würde Nicole Oudes alle Büros, Kitas und Schulen mit mindestens einem der etwa 20 Euro teuren Geräte ausstatten. Dank des Geldes, das sie in der Vox-Show einsammeln konnte, wird «Heartbeat Revivel» inzwischen serienmäßig produziert. Überzeugt hat Nicole Oudes die «Löwen» auch mit ihrem Slogan: Nichts machen geht nicht.
Quelle: .



