Der neuste Schrei sind Kollagen-Tuchmasken, die nach mehreren Stunden Tragezeit durchsichtig werden und die Haut extrem prall und strahlend aussehen lassen. Beauty-Redakteurin Melanie hat recherchiert und getestet.
Als ich gleich vier Beauty-It-Girls mit dieser Maske gesehen habe, wusste ich: Jetzt wird der Trend ernst. Selena Gomez, Hailey Bieber, Kendall Jenner und Dua Lipa posten sich mit einer pinkfarbenen Gel-Maske, die es jetzt von anderen Herstellern auch bei DM, Budni, Rossmann + Co. gibt. Ein Beauty-Trend aus Korea, den ich natürlich auch sofort testen musste. Doch zuerst klären wir, was das «Original» 15 Euro kosten lässt und hinter dem magischen «transparent-Effekt» steckt.
Kollagen-Masken im BRIGITTE-Check: Ehrliches Feedback von Beauty-Redakteurin
Der Promi-Favorit und auch das erste Produkt, das den Hype gestartet hat, ist die «PDRN Pink Collagen Gel Mask» der K-Beauty-Brand medicube, für rund 15 Euro. Das Besondere an der Maske, die Elastizität, Feuchtigkeit und Glow boosten soll, ist der Inhaltsstoff «PDRN«. Das ist kurz für » Polydeoxyribonucleotide», die Bezeichnung für DNA-Fragmente, die meist aus Lachs(-sperma) gewonnen werden. Dieser Inhaltsstoff sorgte zuletzt für Schlagzeilen, weil Kim Kardashian ihr Gesicht mit PDRN-Injektionen unterspritzen ließ, um die Kollagenstimulation anzukurbeln.
Lachssperma in Hautpflege – ist das wirklich sinnvoll?
Tatsächlich zeigen erste präklinische Studien einen vielversprechenden Effekt auf Wundheilung, Hautregeneration, Hydration und Elastizität bei PDRN-Unterspritzungen – die Studienlage ist aber noch begrenzt und weniger stark, um sie mit etablierten Anti-Aging-Verfahren wie Retinoiden, Laser oder Microneedling gleichzusetzen. Topisch, also äußerlich aufgetragen, ist das jedoch noch einmal eine ganz andere Sache: Die PDRN-Fragmente, die in der Tuchmaske enthalten sind, können deutlich größer sein als die Moleküle, die zuverlässig durch die Hautbarriere gelangen.
Das bedeutet konkret: PDRN wird generell als wirksam für die Kollagenstimulation eingestuft, muss aber erst mal da ankommen, wo es «gebraucht» wird. Dafür sind Injektionen vielversprechender, als der äußerliche Auftrag. Ob dieser teure Wirkstoff in einer Gesichtsmaske also sinnvoll ist, bezweifle ich. Besonders in Hinsicht darauf, dass Hautpflege kein Sprint, sondern ein Marathon ist. Das bedeutet, dass, wenn ihr regelmäßig Retinoide (Vitamin A) oder wirksames Vitamin C in eure Hautpflegeroutine einbaut und euch täglich vor der Sonne schützt, diese Maßnahmen wissenschaftlich gesehen deutlich sinnvoller sind, als einmal pro Woche eine Maske wie diese zu nutzen.
Das Kollagen-Problem – und wie Peptide wirklich helfen können
Ich weiß nicht, ob ihr es bereits wusstet, aber Kollagen in der Hautpflege ist ein schwieriges Thema. Kurz erklärt: Kollagen-Moleküle sind viel zu groß, um unsere Haut wirksam zu penetrieren. Deshalb verwenden viele Kosmetikhersteller «niedermolekulares Kollagen», also in kleinere Bruchstücke gespaltenes Kollagen, das theoretisch tiefer in die Haut eindringen kann. «Niedermolekular» ist jedoch kein geschützter Begriff und kann alles bedeuten. Dermatologisch entscheidend ist aber die tatsächliche Molekülgröße (zusätzlich zur Konzentration und der Stabilität und Bioaktivität des Wirkstoffs).
«Hydrolyzed Collagen» ist in der Kollagen-Maske enthalten, jedoch wird keine Aussage über die Molekülgröße getroffen, die laut der berühmten Faustregel unter 500 Dalton liegen müsste, um eine relevante Penetration durch die intakte Hornschicht der Haut zu verursachen. Zudem gehe ich aufgrund der Reihenfolge der INCIs auf Position 26 davon aus, dass die Konzentration des Kollagens bei unter einem Prozent liegt – der Duftstoff in der Maske ist höher dosiert. Dieser Inhaltsstoff bewirkt keinen Kollagen-Zuwachs in der Haut, sondern sorgt für Befeuchtung, da Kollagenfragmente Wasser binden können, wodurch die Haut glatter und praller wirkt.
Positiv bei der Maske ist, dass Peptide enthalten sind. Die haben gegenüber Kollagen den Vorteil, dass sie erstens kleiner sind und auch gezielter designt, um bestimmte Ziele zu targetieren. Signalpeptide können zum Beispiel der Haut «Reparatursignale» geben, um die Kollagenproduktion zu stimulieren. Auch hier gibt es keine gesicherte Studienlage, hier sind jedoch mehrere Peptid-Arten enthalten. Zum Beispiel Argireline, das berühmte «Botox»-Peptid, das Mimikfalten glätten soll, aber auch Matrixyl, das für mehr Kollagen sorgen soll. Die kurzen Ketten aus Aminosäuren stehen bei den INCIS jedoch auch ganz zum Schluss, weshalb ich von keiner hohen Konzentration ausgehe.
Hydrogel-Masken finde ich trotzdem super – besonders aus der Drogerie
Bisher hört sich mein ehrliches Feedback nicht sehr positiv an, ich weiß, aber ich persönlich finde es einfach nicht gut, wenn aus einem guten Grundprodukt (einer Hydrogel-Maske) durch marketinggetriebene, teure Wirkstoffe wie Lachssperma oder Kollagen etwas beworben wird (Kollagenstimulation), das nicht eintreten wird. Gerade deshalb finde ich es super, dass es jetzt in der Drogerie günstigere Alternativen gibt, die auf diese Hype-Wirkstoffe verzichten und sich auf das Wahre fokussieren: Feuchtigkeit und Okklusion!
Denn auch die pinkfarbene Maske ist überhaupt nicht schlecht, sie macht nur etwas anderes, als beworben: Das enthaltene Glycerin und weitere Feuchtigkeitsspender (Betaine, Methylpropanediol, Butylene Glycol) binden Wasser auf der Haut, während Inhaltsstoffe wie Allantoin und Panthenol die Haut beruhigen. Dadurch, dass diese Wirkstoffe durch die einschließende Maske der Haut so reichhaltig und lange zugeführt werden, verursachen sie in Verbindung mit dem enthaltenen Wasser eine Hornschicht-Quellung. Das bedeutet konkret, dass sich mehr Wasser in der obersten Hautschicht befindet, wodurch feine Linien geglättet werden. Hydrierte, leicht gequollene Haut reflektiert das Licht gleichmäßiger, was den hochgelobten «Glow» ausmacht.
Es wird empfohlen, die Masken über Nacht oder für drei bis vier Stunden auf der Haut zu lassen. Das ist eine tolle Idee für trockene Haut, die nicht von Akne, perioraler Dermatitis oder Rosazea betroffen ist! Denn durch die physische Schicht der Maske auf der Haut wird der transepidermale Wasserverlust (TEWL) unterbunden, was die Hornschicht in einen voll hydratisierten Zustand bringen kann. Das lässt sie so prall und glänzend aussehen. Ich persönlich liebe diesen Effekt und benutze meine Gesichtsmasken bis zu fünf Mal, um sie nach meiner Hautpflegeroutine einfach kurz auf mein Gesicht zu legen, damit die Feuchtigkeit nicht entweichen kann.

Der «magische» transparent Effekt
Hersteller versprechen, dass die Farbveränderung der Maske anzeigt, dass die Wirkstoffe optimal von der Haut aufgenommen wurden. Dem würde ich widersprechen. Denn das Durchsichtigwerden ist vor allem ein physikalischer Effekt: Die Hydrogel-Maske verliert Wasser (+ Wirkstoffe) an ihre Umgebung, wodurch sie transparent wird. Die Transparenz zeigt demnach, dass die Maske dehydriert ist – also entladen –, aber das beweist nicht, dass die Inhaltsstoffe auch wirklich wirksam aufgenommen wurden.
Selbsttest + Fazit: Würde ich mir eine Kollagen-Maske kaufen?
Ich finde Masken als sporadische Ergänzung zur täglichen Hautpflegeroutine gut, aber nicht essenziell. Ich würde immer eher in gute Produkte für morgens und abends investieren, als in ein Einmalprodukt. Wie gesagt: Erfolgreiche Hautpflege ist kein Sprint, sondern ein Marathon!
Nach einem Flug, einem Tag in der Sonne oder einfach, wenn die Haut spannt, finde ich eine Hydrogel-Maske angenehm und sinnvoll, um die Feuchtigkeit richtig in der Haut einzuschließen. Wenn ein wichtiger Termin ansteht, kann man den «Glass Skin Effekt», der durch die Quellung der Hornschicht verursacht wird, aber auch durch enthaltene Filmbildner (Polysaccharide, Gums, Acrylate und Kollagen-/HA-Filmbildner), die sich wie eine glättende Schicht auf die Haut legen, gut nutzen. Ich finde es nur wichtig zu wissen, dass es sich um einen temporären Effekt handelt, der keine (große) Auswirkung auf das hauteigene Kollagen hat. Das «groß» füge ich noch an, weil eine intakte Hautbarriere bewiesen langsamer altert und eine solche Maske natürlich auch einen Teil dazu beitragen kann.
Gebt also kein Vermögen aus, nutzt die Masken auch gerne öfter nach eurer Hydrations-Routine und genießt den Okklusions-Effekt, der die Haut so schön prall macht. Wer aber seine Kollagenproduktion ankurbeln möchte, greift besser zu anderen Treatments und Wirkstoffen.
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