Soft Saving: Wie uns dieser Social-Trend zum "sanften Sparen" motiviert

«Geld zurücklegen? Wie soll das gehen? Mir bleibt bei all den Kosten sowieso kaum etwas übrig».So geht es gerade vielen. Aktuelle Umfragen zeigen, dass die hohen Lebenshaltungs- und Energiekosten in Folge des Iran-Kriegs den Sparimpuls der Deutschen überlagern. Ein neuer Social-Trend motiviert jetzt zum «sanften Sparen», ohne dass wir uns dabei überfordern.

Geld zurücklegen wird für viele von uns immer schwieriger. Die Sparquote liegt aktuell bei rund zehn Prozent des verfügbaren Einkommens. Das heißt: Von 100 Euro verfügbarem Einkommen können etwa 10 Euro gespart werden. Vor zwei Jahren lag die Quote noch bei über 11 Prozent, wie eine Prognose der DZ Bank zeigt. Dazu kommt die hohe Inflation, die den meisten beim Tanken und Einkaufen zu schaffen macht. Auch wer sein Geld unverzinst auf dem Girokonto parkt, erlebt einen spürbaren Kaufkraftverlust – still und leise, aber real. Gleichzeitig wird Sparen nicht weniger wichtig. In den sozialen Netzwerken stößt man immer häufiger auf jung Frauen, die unter dem Begriff Soft Saving, also sanftes Sparen, von ihren Erfolgen berichten. Doch was steckt dahinter und kann es uns wirklich helfen?

Warum Sparen im Alltag nicht wehtun muss

Die Logik dahinter: Ohne Druck und Entbehrung werden kleine Beträge zur Seite gelegt, Motto: Sparen muss nicht wehtun. Es geht nicht darum, auf alles zu verzichten, sondern darum, bewusster mit dem eigenen Geld umzugehen. Finanzexpertin Cornelia Frey von der Boerse Stuttgart Group erklärt, was dahintersteckt:

«Soft Saving stellt das bewusste, aber entspannte Sparen in den Vordergrund, ohne strikte Regeln oder große Einschränkungen. Im Gegensatz zum klassischen Sparen, wo meist auf feste Sparziele mit detaillierter Kontrolle gesetzt wird, geht es beim Soft Saving mehr um kleine alltagstaugliche Anpassungen», macht die Expertin deutlich. Ziel sei, finanzielle Selbstfürsorge langfristig und vor allem stressfrei in den Alltag zu integrieren.

Cornelia Frey ist Finanzexpertin und Moderatorin bei Börse Stuttgart TV
Cornelia Frey ist Finanzexpertin und Moderatorin bei Börse Stuttgart TV
© Cornelia Frey Boerse Stuttgart Group

So realistisch ist Soft Saving mit wenig Geld

«Auch bei niedrigem Einkommen kann Soft Saving gelingen, indem man beispielsweise regelmäßig das Kleingeld aus dem Portemonnaie in ein Sparglas gibt oder beim Einkaufen gezielt Sonderangebote nutzt und die Ersparnis beiseitelegt. Es kommt darauf an, kleine und erreichbare Sparbeträge auszuwählen, die den Alltag nicht belasten», erklärt Frey.  «Kleine Veränderungen, wie günstiger kochen oder bewusster Einkaufen, lassen sich oft leicht im Alltag umsetzen», so die Expertin. Es gehe darum, schrittweise Spargewohnheiten zu entwickeln, die sich gut an das eigene Leben anpassen lassen.

Soft Saving im Alltag – 3 Ideen zum Sofort-Starten:

  • Aufrunden: Bezahlst du 4,60 Euro? Leg 40 Cent direkt beiseite. Viele Banking-Apps machen das automatisch
  • 5-Euro-Woche: Jeden Montag 5 Euro auf ein separates Konto überweisen – kaum spürbar, aber wirkungsvoll
  • Zuerst an dich denken: Direkt nach Gehaltseingang 15–20 Euro auf ein Sparkonto überweisen. Was weg ist, ist weg und damit wird nicht mehr einberechnet

Kennst du schon den Spar-Trend Loud Budgeting?

Typische Fehler beim Soft Saving

«Viele setzen sich zu Beginn unrealistische Ziele, etwa jeden Monat 50 Euro zu sparen, obwohl das aktuell nicht möglich ist – das führt oft zu Frust», so Frey. Ein anderer Fehler sei beim ersten Shopping-Glücksmoment impulsiv das Sparen wieder aufzugeben, statt kleine Ausrutscher einzuplanen. «Wer nicht regelmäßig prüft, wie viel schon gespart wurde, verliert außerdem leicht die Motivation». Hier hilft also: regelmäßiges Tracken der eigenen Sparbeträge. Dabei unterstützen Spar-Apps oder auch die eigene Banking-App kann Tracking-Funktionen mithilfe von Spar-Töpfen digital anzeigen.

Diese Trends erleichtern den Einstieg ins Sparen

«Instagram-Posts über kleine, machbare Spar-Challenges, wie «5-€-Woche», machen Mut und zeigen, dass Sparen auch Spaß machen kann. Viele Frauen berichten in Blogs und Foren offen darüber, wie sie mit kleinen Schritten begonnen haben, z. B. durch das Sparen am Kaffeebecher unterwegs», erklärt die Expertin. Dadurch entstehe eine unterstützende Community, die ermutigt, anzufangen und dran zu bleiben. Und aus anfänglich kleinen Schritten könne so Größeres entstehen.

Das Schöne an Soft Saving: Es braucht keinen perfekten Moment und kein großes Budget, um anzufangen. Ob zwei Euro die Woche oder der Griff zum Sparglas statt zur Kreditkarte – jeder kleine Schritt zählt. Und wer einmal den ersten macht, wird schnell merken: Sparen kann sich sogar gut anfühlen.

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