Allein verreisen?: Was ich aus mehr als 30 Solo-Trips gelernt habe

Allein zu verreisen, ist für manche Menschen undenkbar, für andere ein Abenteuer – und für unsere Autorin selbstverständlich. Welche Erfahrungen sie aus ihren zahlreichen Solo-Trips mitgenommen hat.

Bis heute erinnere ich mich an die Sorgen, die mich begleiteten, als ich damals die Fähre betrat. Ich, eine Anfang Zwanzigjährige, blonde Frau, allein unter Dutzenden Samoanerinnen und Samoanern. Was mache ich mit meinem Gepäck, wenn ich auf Toilette muss? Was, wenn mir jemand meine Wertsachen stiehlt, wenn ich kurz nicht aufpasse? Was für falsche Vorstellungen ich hatte von diesem fremden Land. Einem Land, in dem die vielleicht warmherzigsten, gastfreundlichsten, friedfertigsten, ehrlichsten Menschen dieser Welt leben. Wobei ich das heute, rund 15 Jahre später, über viele Länder sagen würde, die ich seitdem bereist habe. Allein – und seit jener Fährfahrt stets ohne Sorgen.

3 Lektionen, die ich aus 30 Solo-Trips gelernt habe

Die Welt ist ein ungefährlicher Ort

Ob Samoa oder Mexiko, Ägypten oder Panama, bislang habe ich mich in jedem Land sicher gefühlt, das ich alleine bereist habe. Dabei mag eine Rolle spielen, dass mich Kriegs- und Krisengebiete als Urlaubsziele generell nicht reizen und dass ich meine Zeit lieber am Meer, in Museen oder an sonstigen entspannenden Orten verbringe als in Nachbarschaften, die für hohe Kriminalitätsraten oder Armut bekannt sind – mich zieht es zufälligerweise eher in Gegenden und Situationen, die nicht besonders gefährlich sind. Doch da es davon mehr als genug für (m)ein Leben gibt, steht mir gefühlt eine ganze Welt offen, die ich – wie alle anderen Menschen – sicher alleine bereisen kann. Es zu tun, erfordert wiederum weder besonderen Mut noch ein außerordentliches Selbstbewusstsein – habe ich nämlich auch nicht –, es bedarf lediglich einer Entscheidung und einer Buchung.  

Wo Menschen sind, bin ich nie auf mich allein gestellt

Wer sich dafür entscheidet, alleine zu verreisen, hat nach meiner Erfahrung eine sehr hohe Chance, eine gleichermaßen angenehme wie wertvolle Erkenntnis zu gewinnen: Die Mehrheit der Menschen auf dieser Welt ist wohlwollend, hilfsbereit, kontaktfreudig und aufgeschlossen. Ob Auskunft, Empfehlung, ein wachsames Auge auf meine Sachen, während ich ins Meer springe, oder einen Gesprächspartner, bislang hatte ich nie Schwierigkeiten, Personen zu finden, die für mich da sind, wenn ich etwas oder jemanden brauchte. Darüber hinaus ist es unheimlich leicht, Kontakte zu knüpfen und neue Menschen kennenzulernen, wenn man alleine unterwegs ist: Auf meiner letzten Reise bin ich schon auf dem Hinflug mit meiner Sitznachbarin ins Gespräch gekommen, die mich daraufhin einlud, mit ihrer Familie Weihnachten bei ihr zu feiern. 

Auch wenn es in den meisten Fällen bei flüchtigen Urlaubsbekanntschaften blieb, die sich während meiner Solo-Trips ergeben haben, schätze ich all diese Begegnungen sehr: Durch sie konnte ich Vorurteile loswerden. Ich konnte sehen, dass es völlig andere Lebensrealitäten und Sichtweisen gibt als meine und jene, die ich aus meiner Heimat kenne. Das eröffnet Freiheiten, weil es den Rahmen der Möglichkeiten erweitert, die ich mir für mich vorstellen kann. 

Ich bin freier und zu mehr imstande, als ich lange dachte

Reisen ist stets mit Anstrengung und Herausforderungen verbunden: Es gibt viel zu organisieren, zu planen und zu bedenken. Wir verlassen unsere vertraute Umgebung und müssen uns in einem fremden Umfeld zurechtfinden. Ich verstehe, dass viele Menschen all diese Unbequemlichkeiten lieber teilen, als sie alleine zu bewältigen. Es kann sich aber lohnen, es zumindest einmal doch zu tun: Man stellt fest, dass man es kann. Ich fühle mich durch meine vielen Solo-Reisen unabhängig und frei und traue mir zu, mit schwierigen Situationen klarzukommen. Zudem habe ich mittlerweile verstanden, dass nichts Schlimmes passiert, wenn irgendetwas nicht perfekt läuft oder ich etwas vergesse: Es gibt immer eine Lösung. Man braucht nicht immer alles, von dem man denkt, dass man es braucht. Ich mag kein außergewöhnlich mutiger und unerschütterlicher Mensch sein, doch durch meine Solo-Reiseerfahrungen habe ich sicherlich an Mut und Selbstvertrauen gewonnen. 

Ich hatte Glück – und eine einschneidende erste Erfahrung

Dass ich auf meinen Reisen bislang vor allem positive, aufbauende Erfahrungen sammeln konnte, hat sicherlich sehr viel mit Glück zu tun: Es kann immer etwas passieren. Immer, überall und jedem Menschen. Wir können verunglücken, Opfer eines Verbrechens werden, krank sein und uns selbst gehörig in die Grütze reiten. Allerdings sind das nicht die Risiken des Alleine-Reisens, sondern die des Lebens. Mist passiert und prägt uns meist besonders stark, aber wie viele schöne Erlebnisse könnten wir einem Unglück gegenüberstellen, wenn wir eine Liste machen wollten? 

Für mich hat sich damals, auf der Fähre in Samoa von ‚Upolu nach Savai’i, vermutlich eine Weiche gestellt: Nachdem ich sie mit Angst und Sorge betreten habe, hat mir die Überfahrt jedes Unbehagen genommen. Meine Mitpassagiere – Menschen, die anders aussehen als ich und von deren Sprache ich vielleicht ein paar Hundert Wörter kannte –, haben mich behandelt wie einen Gast, den sie selbst eingeladen haben: neugierig, zuvorkommend, herzlich. Während ich den türkis-blau-glitzernden Pazifik bestaunt und zigfach fotografiert habe, hat eine samoanische Familie auf meinen Rucksack aufgepasst, obwohl ihn wahrscheinlich ohnehin niemand angerührt hätte. Ich habe Tipps bekommen, wie ich auf Savai’i am besten von A nach B gelange, was ich mir unbedingt anschauen und welche Gerichte ich probieren kann. Auf meiner ersten großen Reise habe ich gelernt, dass Angst und Sorge unnötig, sogar völlig fehl am Platz sind, und das ist hängen geblieben. Dieses Gefühl, diese Erfahrung hat mich nie wieder verlassen, ist bis heute weitaus weniger verblasst als zahlreiche andere Erinnerungen. Wäre Samoa nicht so weit weg, wüsste ich, welches Ziel ich jedem Menschen für seine erste Reise allein empfehlen würde. Aber falls es irgendjemand jemals einrichten kann: Unbedingt die Fähre nach Savai’i nehmen.

Quelle: .

📰 Quelle: .

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert