Eine kaputte Waschmaschine, eine Autoreparatur, eine unerwartete Nachzahlung. Kennst du das mulmige Gefühl, wenn plötzlich eine Rechnung im Briefkasten landet, die du so gar nicht eingeplant hattest?
Damit bist du nicht allein: Vier von fünf Deutschen haben für genau diesen Moment nicht vorgesorgt und das quer durch alle Einkommensschichten, wie eine aktuelle Studie von Consors Finanz zeigt. Was hilft, wenn das Geld gerade nicht da ist, und wie du dich künftig finanziell absicherst, erklärt Finanzexpertin Astrid Drechsel-Grau.
BRIGITTE: Eine unerwartete 2.000-Euro-Rechnung im Briefkasten: Warum sind viele von uns finanziell darauf nicht vorbereitet?
Astrid Drechsel-Grau: Viele Menschen wissen, dass finanzielle Rücklagen wichtig sind, und trotzdem werden sie im Alltag oft auf später verschoben. Zwischen Beruf, Familie und den täglichen Anforderungen bleibt wenig Zeit und Energie, sich mit finanzieller Vorsorge zu beschäftigen. Hinzu kommen fehlende Strukturen und Wissenslücken. Den meisten ist zwar bewusst, dass ein Notgroschen sinnvoll wäre, aber nicht, wie sie konkret anfangen sollen. Was viele überrascht: Der fehlende Notgroschen ist auch bei einem Haushaltsnettoeinkommen von über 5.000 Euro ein Thema. Nur etwa die Hälfte hat vorgesorgt. Der Notgroschen ist somit keine Frage des Geldes, sondern der Routine.
Betrifft dieses Problem Männer und Frauen gleichermaßen?
Beim Notgroschen selbst sind die Unterschiede vergleichsweise gering: 43 Prozent der Männer haben vorgesorgt, bei den Frauen sind es 39 Prozent. Deutlich größer ist jedoch der Unterschied in der empfundenen Belastung. Laut Studie fühlt sich jede vierte Frau durch ihre finanzielle Situation belastet, bei Männern sind es 18,6 Prozent.
Das passt zu dem, was wir im Alltag beobachten: Die Finanz- und Konsumwelt ist heute komplexer als je zuvor: «Buy now, pay later», Ratenzahlungen und Abos laufen oft parallel im Hintergrund mit. Daraus entsteht eine mentale Dauerbelastung, die ich gern als «Mental Money Load» bezeichne.
Im Alter wird die Last häufig still getragen. Während noch 43,5 Prozent der 18- bis 29-jährigen Frauen offen mit Krediten und finanziellen Problemen umgehen, ist es bei den 50- bis 59-Jährigen nur noch jede Fünfte (21,7 Prozent).
So bleibst du handlungsfähig, wenn die Rechnung kommt
Die 2.000-Euro-Rechnung liegt auf dem Tisch, das Geld gerade nicht. Was empfehlen Sie konkret?
Wichtig ist zunächst, Ruhe zu bewahren und die Situation realistisch einzuschätzen. Viele nutzen in so einer Situation automatisch den Dispokredit. Für eine sehr kurzfristige Überbrückung kann das funktionieren, problematisch wird es jedoch, wenn daraus eine dauerhafte Lösung wird. Dann entstehen oft hohe Zinskosten, die die finanzielle Belastung zusätzlich erhöhen.

© Consors Finanz
Ein Ratenkredit bei der Bank kann häufig die planbarere Lösung sein – mit transparenter Rate und festem Enddatum. Entscheidend ist jedoch immer, die eigene finanzielle Situation ehrlich zu betrachten und die monatliche Belastung realistisch einzuschätzen. Eine persönliche Beratung kann dabei unterstützen, die passende Lösung zu finden und finanzielle Entscheidungen mit einem guten Gefühl zu treffen.
Der erste Schritt, den du noch heute gehen kannst
Wie sieht ein Langzeitplan aus, um besser vorbereitet zu sein?
Ein Notgroschen aufzubauen ist ein wichtiges Ziel, das nicht nur mit Verzicht erreicht werden kann. Ich empfehle drei konkrete Schritte: Überblick verschaffen, budgetieren und dranbleiben. Was vielen hilft, ist ein festes «Money-Date» mit sich selbst.
- Einmal im Monat reichen oft schon 20 bis 30 Minuten, um Kontostand, Einnahmen, Fixkosten und laufende Verträge zu prüfen. Dieser regelmäßige Überblick schafft Klarheit und nimmt dem Thema viel von seinem Schrecken.
- Als zweiten Schritt lohnt sich zu prüfen, ob noch Abos oder Verträge laufen, die längst in Vergessenheit geraten sind. Wird dieser kurze Check zur Gewohnheit, entsteht mit der Zeit wieder ein Gefühl für den eigenen finanziellen «Takt».
- Und schließlich empfehle ich, direkt nach dem Gehaltseingang einen festen Betrag auf ein separates Konto zu überweisen. Nicht die Höhe entscheidet am Anfang, sondern die Routine. So wächst der Notgroschen Schritt für Schritt.
Wer dranbleibt, baut nicht nur einen finanziellen Puffer auf, sondern gewinnt auch Sicherheit und Vertrauen in die eigenen finanziellen Entscheidungen zurück. Das ist beim Thema Geld nicht anders als beim Sport oder gesunder Ernährung: Kleine Gewohnheiten entfalten mit der Zeit die größte Wirkung.
Welchen Schritt sollte jede Frau noch heute gehen?
Brechen Sie das Schweigen über Finanzthemen. Unsere Studie zeigt, dass 28,2 Prozent der Frauen es schwer finden, offen über finanzielle Probleme zu sprechen – ein Viertel schämt sich dafür. Scham verschlimmert die Situation. Wichtig ist, sich aktiv mit dem Thema zu beschäftigen. Wer Fragen stellt, Erfahrungen teilt und offen über Geld spricht, gewinnt Sicherheit und trifft bessere Entscheidungen.
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