Früher "Fusion", heute Minidisco: Wie mir mein erster Urlaub im Familienhotel zeigte, was ich wirklich brauche

Früher Backpacking und Dschungel-Raves, heute «All inclusive» mit Minidisco: Der erste Urlaub unserer Autorin in einem Familienhotel bot ihr überraschende Einsichten – über ihre Familie, aber auch sich selbst

Zugegeben, es fällt mir nicht immer leicht, mich gänzlich meiner neuen Rolle als Ehefrau und Mutter zu verschreiben. Manchmal fühlt es sich ganz schön eng an, immer auf zwei andere geliebte Menschen Rücksicht nehmen zu müssen. Keine Planungsfreiheit mehr zu haben. Plötzlich permanent begrenzt zu sein, in den Orten, die man aufsuchen möchte, der Zeit, die einem zur Verfügung steht, den Dingen, die man (spontan) machen will. Vieles geht – mit guter Orga und Unterstützung aus dem Freundes- und Familienkreis, klar. Aber vier Tage auf dem «Fusion»-Festival, eines der größten Techno-Festivals Deutschlands, zu feiern, gestaltet sich definitiv schwieriger, weil: 

a) dir dein:e Partner:in vermutlich den Vogel zeigen wird («Wie alt bist du –22?!»), wenn sie/er extra Urlaub nehmen muss, um auf euer Kind aufzupassen, während du Sekt auf Eis auf dem Trancefloor schlürfst 

b) du schnell als Ego-Mom abgestempelt wirst, wenn du dein Kind so lange «allein» lässt, «nur» um feiern zu gehen 

c) der anschließende Kater in deinem Alter doppelt so lange dauert und du hinterher drei Extratage Urlaub zur Erholung hinten dranhängen müsstest

FOMO? Fehlanzeige! 

Dass die «Fusion» Ende Juni wieder stattfand, bekam ich nur deshalb mit, weil Instagram mit Videos von Feiernden geflutet wurde – während ich gerade auf einem quietschgrünen Miniaturstuhl saß und darauf wartete, dass der DJ in der «Disco» endlich den Banger «Aramsamsam» raushaute. Ich befand mich in meinem ersten Urlaub in einem Familienhotel und fühlte mich wohler, als ich es mir jemals erträumt hätte. 

Früher hätte ich FOMO gehabt und wäre in Selbstmitleid versunken. Aber diesmal war alles anders. Ich war in einem ungekannten Paradies. Plüschmaskottchen, Miniclub, Kinderbuffet, Spaßbad, Trampoline, Bastelstunde … Noch vor einigen Jahren hätten mich keine zehn Pferde hierher gekriegt. Wobei – schon meine Eltern waren in ebendiesem Hotel bereits Ende der Achtziger Jahre, als ich ungefähr so alt war wie mein Sohn heute, also fast drei. 

Kaum volljährig, zog es mich dann aber überwiegend in exotische Gefilde. Backpacking durch Asien, Afrika, Südamerika, solche Sachen. Mein Motto: Cool Adults Only statt All Inclusive

Der Plüschbiber übernimmt die Betreuung

Aber all das wäre heute mit meinem kleinen Entdecker einfach nur anstrengend und (noch) nicht lohnenswert, weshalb ich diesen Sommer dem weisen Rat meiner Eltern folgte und mit ihnen zusammen ein Apartment im «Spaßland» buchte. Und, Leute, was gibt es Schöneres, als wenn dein Kind beim Frühstück langsam hibbelig wird, du aber gerne noch deinen dritten Cappuccino schlürfen möchtest – und dann plötzlich ein zwei Meter großer Biber die Szenerie entert, einen auf «Rattenfänger von Hameln» macht und mit den lieben Kleinen für ein halbes Stündchen in den Miniclub abdampft? Grandios! 

Der Kulturschock, den ich befürchtet hatte, blieb also aus. Mein Sohn fühlte sich jederzeit bestens entweder von mir, Oma und Opa oder den Animateur:innen unterhalten. Und ich? Schaffte es sogar, ein paar Seiten in meinem Buch und der Zeitung zu lesen, während mein Kind im Spielzimmer tobte. Abends gab es neben zahlreichen kindgerechten Speisen das todsichere Notfallprogramm: Pommes und Apfelschorle satt. Tagsüber liefen wir durch den Wald, besuchten Eiscafés, den Kurpark, Spielplätze. Die schwülen 38 Grad bekämpften wir mit einem erfrischenden Kneipp-Fußbad im Gebirgsfluss, während zeitgleich – wie ich auf Instagram las – die «Fusion» zeitweise wegen Hitze und Unwetterwarnung geräumt werden musste. 

«No Limit» in der Minidisco

Verpasst habe ich also nichts. Im Gegenteil: Spätestens, als der DJ in der Minidisco um 19:41 Uhr plötzlich ein «Brett» für die Erwachsenen raushaute («No Limit» von «2 Unlimited»), wurde mir klar, dass ich genau da war, wo ich hingehörte: auf die Tanzfläche, Hand in Hand mit meinem Sohn. In einer kinderfreundlichen Umgebung, die mir genau das ermöglicht, was ich so dringend gebraucht hatte: Ruhe. Erholung. Und Quality Time mit meinem Kind. 

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