Und dann auch noch mit einem Mann! Regina Frankenberg* stand auf Frauen. Dann verknallte sie sich Hals über Kopf in einen Jüngeren. Hier erzählt sie, wie diese sexuelle Erfahrung ihr Leben völlig verändert hat
Ich traf ihn vor einem Jahr, als ich am wenigsten damit rechnete: Nach einer schweren Corona-Infektion war ich auf Reha, er erholte sich dort von einer Krebserkrankung. Wir spürten beide die Anziehung. Ich vertraute ihm an, dass es in meinem Leben fast immer nur Frauen gegeben hatte. Er war auch ehrlich: acht Jahre jünger und verheiratet.
Das hier war reine Gier
Wir redeten stundenlang. Und landeten im Bett. Der Sex und alles drumherum war wie ein Rausch. Er wusste, was er wollte: Sah mich, beobachtete, was seine Berührungen mit mir machten – körperlich und emotional. Zum ersten Mal erlebte ich Lust wild und drängend. Mein letzter Sex mit einem Mann lag 50 Jahre zurück und hat wenig in mir ausgelöst. Mit Frauen ging es meist um Nähe und Kuscheln. Das hier war reine Gier.
In diesen zwei Wochen fiel alles Schwere von mir ab: die Erschöpfung nach Corona, die Gelenkschmerzen, die Konzentrationsprobleme. Und die Angst vor dem Älterwerden: Freunde sprachen nur noch über Krankheiten und Enkelkinder, bekamen Krebs, starben – ständig war da dieses Gefühl, dass die Zeit viele Türen zuschlägt. Und dann kam diese Affäre und es fühlte sich an, als hätte jemand ein Fenster aufgerissen und plötzlich stürmte das Leben herein. Auch für ihn war diese Form von Intensität neu. Dass das in unserem Alter eine Option ist, damit hätten wir beide nicht gerechnet.
Jede unserer Begegenungen fühlte sich an wie ein heimliches Feuerwerk
Nach der Reha begann eine Zeit zwischen Euphorie und Liebeskummer. Wir wohnten in unterschiedlichen Bundesländern, sahen uns monatelang nicht, schrieben uns aber täglich stundenlang über WhatsApp. Jede unserer Begegnungen fühlte sich an wie ein heimliches Feuerwerk. Nicht zu wissen, was wann passieren wird – genau das liebte ich.
Es gab kostbare Treffen: Einmal war er eine Woche in Berlin, dann wartete ich im Hotel seiner Heimatstadt, in der Hoffnung, dass er sich loseisen konnte. Ein anderes Mal überraschte ich ihn auf einem Musikfestival. Für ihn lief ich mit einem roten Herz-Ballon über den Weihnachtsmarkt seiner Stadt, weil ich Banksy so liebte und er mich vorhersehbar finden würde. Ich kaufte rote Dessous, und stand lachend vor dem Spiegel: Gar nicht so schlecht. Ich ging sogar zum Intimwaxing, und ließ mich auf seine Musik ein, mit der ich früher gar nichts anfangen konnte.
Vielleicht war es gerade deshalb so intensiv, weil ich das offene Ende ahnte. Er wollte seine Familie nicht verlassen. Und ich konnte es sogar verstehen. Wenn man 30 Jahre etwas aufgebaut hat, dazu die Krankheit und Verantwortung – das wirft man nicht hin wie ein Teenager, auch wenn sich alles nach Anfang anfühlt. Nach neun Monaten machte er Schluss, zuvor hatte ich es zweimal versucht. Es tat unfassbar weh. Aus elektrisierendem Wahnsinn wurde stechender Schmerz.
Heute schaue ich mit neuem Blick auf die Welt
Trotzdem verdanke ich unserer Begegnung eines der tollsten Jahre meines Lebens, schaue mit neuem Blick auf die Welt. Männer nehmen mich plötzlich wahr und ich genieße das, obwohl keiner so ist wie er. Heute weiß ich: Ich bin durch den brennenden Reifen gesprungen, er ist uns gefolgt. Ich würde es wieder tun. Am liebsten mit einem Mann, der Abenteuer kann und Nähe zulässt. Jemandem, der sagt: «Komm, wir steigen aufs Motorrad und mieten uns ein Haus am Meer!»
* Name geändert
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