Das große Missverständnis: Was dein Partner beim Sex wirklich sucht

Männer wollen Befriedigung, Frauen Verbundenheit? Falsch, sagt die Sexualtherapeutin Petra Zebroff. Eigentlich wollen wir in einer Partnerschaft alle so ziemlich dasselbe beim Sex.

Einmal im Quartal oder jeden Sonntagmorgen? Wenn unser Partner regelmäßig Sex will, obwohl die Anfangsleidenschaft längst verflogen ist, schleicht sich im Laufe der Jahre gar nicht so selten das Gefühl ein: Hier geht’s gar nicht um mich, hier geht‘s um ihn. Er braucht das, und das hat nichts mit mir zu tun. Vielleicht wenden wir uns sogar ab, weil wir uns irgendwie benutzt fühlen. 

Doch womöglich sitzen wir einem großen Missverständnis auf. Die kanadische Sexualtherapeutin Dr. Petra Zebroff sagt: 

«Wir erzählen schon lange die falsche Geschichte über Männer und Sex.»

Männer wollen kommen, Frauen Nähe? 

Lange wurde uns beigebracht: Frauen suchen beim Sex vor allem Nähe und Intimität und die Männer Befriedigung. Dieser Erzählung nach können Männer Sex und Gefühle auf eine Weise voneinander trennen, zu der Frauen angeblich nicht in der Lage sind. Gleichzeitig wurde vielen Männern vermittelt, dass das Bedürfnis nach emotionaler Nähe beim Sex «unmännlich» sei. 

Wissenschaftliche Studien hätten aber bereits mehrfach gezeigt, dass emotionale Verbundenheit eine wichtige Rolle für die sexuelle Zufriedenheit von Männern in Partnerschaften spiele, schreibt Zebroff bei «Psychology Today». Nun hat sie selbst Hunderte heterosexuelle Männer und Frauen befragt, warum sie Sex mit dem:der Partner:in der Masturbation vorziehen. 

Der Wunsch nach Verbundenheit steht auch bei Männern an erster Stelle

Der Wunsch nach emotionaler Nähe war der am häufigsten genannte Grund für Sex mit dem:der Partner:in – bei den Männern war dieser Anteil sogar etwas höher als bei den Frauen. Allen war das Gefühl von Nähe, Zuneigung, emotionaler Sicherheit, Zärtlichkeit und dem Gefühl, von einem geliebten Menschen auserwählt und begehrt zu werden, wichtig. Erst an zweiter Stelle wurden Lust und Befriedigung genannt.

Hinzu kam: Die Frauen unterschätzten, welche emotionale Bedeutung der Sex für Männer in Beziehungen hat. Und die Männer glaubten, ihre Aufgabe bestehe darin, ihre Partnerin zu befriedigen, statt Verbundenheit anzubieten. 

Ein Missverständnis mit Folgen

Wenn wir davon ausgehen, dass unser Partner nur befriedigt werden will, initiieren wir möglicherweise keinen Sex, weil wir glauben, dass er uns nicht wirklich begehrt. Wenn es zum Sex kommt, machen wir womöglich lustlos mit – weil wir annehmen, dass wir bloß als Sexualobjekt gesehen werden. Doch das Gefühl, sexuell nur geduldet zu werden, kann auch für Männer sehr schmerzhaft sein.

Viele Paare missverstehen einander, weil sie sich an überkommenen Geschlechtervorstellungen orientieren statt die wahren Bedürfnisse des:der Partner:in kennenzulernen. Zwar spielt das Geschlecht für unsere Sexualität eine Rolle, doch die Gründe, warum wir Sex haben, sind sich meistens sehr ähnlich.

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