Karen Mulder: Topmodel Karen Mulder kehrt zurück ins Rampenlicht – und spricht Klartext

Karen Mulder feiert mit ihrem neuen «VOGUE»-Cover ein Comeback – und inspiriert mit einer Geschichte, die schon vor 20 Jahren hätte gehört werden sollen.

Karen Mulder meldet sich mit der Septemberausgabe der deutschen «VOGUE» zurück – und spricht erstmals seit mehr als 20 Jahren Klartext über ihre Karriere, die Schattenseiten der Modewelt und ihr plötzliches Verschwinden aus der Öffentlichkeit.

Karen Mulder: Traumkarriere in den 90ern – mit Schattenseiten

Karen Mulder lebte ein Leben, von dem viele träumen – zumindest nach außen. Die Niederländerin gehörte zu den absoluten Model-Ikonen der 90er-Jahre. Ihr Karriereweg liest sich wie ein Drehbuch: Innerhalb kürzester Zeit landete sie ein wichtiges Magazin-Cover nach dem anderen und wurde Kampagnengesicht der größten Marken der Branche – darunter Saint Laurent, Chanel und Co. Doch damit nicht genug: Gemeinsam mit Tyra Banks gehörte sie zu den ersten Models, die als Victoria’s-Secret-Engel über den Laufsteg schwebten. Doch Karen Mulder war nicht nur schön, sie dachte auch mit – und das schon damals. Nach eigenen Angaben war sie es, die den Kreativdirektoren von «Victoria’s Secret» die Idee von Flügeln für die Models auf dem Runway vorschlug. Mit Erfolg: Bis heute gehören die ikonischen Flügel zu den Markenzeichen der Unterwäschemarke.

Doch hinter der perfekten Fassade sah alles anders aus: Dass die Modebranche ein hartes Pflaster ist, dürfte heute niemanden mehr überraschen. Machtmissbrauch und Missstände werden regelmäßig öffentlich thematisiert, immer mehr Menschen nutzen ihre Reichweite, um auf problematische Strukturen aufmerksam zu machen. In den 90er-Jahren war dieser Mut jedoch eine absolute Seltenheit. Und der Fall Karen Mulder zeigt, welchen Preis ein Model damals dafür zahlen konnte, seine Stimme zu erheben.

Karen Mulder bei der "Victoria's Secret Fashion Show" 1998.
Karen Mulder bei der «Victoria’s Secret Fashion Show» 1998.

Karen Mulders sprach Tabuttehemen an 

Als die «Blonde mit Klasse» – so ihr damaliger Spitzname – in eine französische Talkshow eingeladen wurde, ahnten die Produzent:innen und Moderator:innen vermutlich nicht, dass diese Folge niemals ausgestrahlt werden und die Karriere des Models nachhaltig verändern würde. Karen Mulder sprach offen über Machtmissbrauch und Vergewaltigung, unter anderem über Vorwürfe gegen ihren damaligen Agenturchef Gérald Marie. Aussagen, die damals kaum Gehör fanden. Die Aufzeichnung endete mit einem Nervenzusammenbruch des Models. Die Folge wurde nie ausgestrahlt, die Produzenten der Sendung ließen die Aufzeichnung Berichten zufolge sogar vernichten.

Für Mulder sollte dieser mutige Schritt der Anfang vom Ende ihrer Karriere werden. Sie wiederholte die Anschuldigungen später gegenüber dem französischen Magazin «VSD» und machte eine Aussage bei der Polizei. Die Vorwürfe wurden von Marie zurückgewiesen, die polizeilichen Ermittlungen wurden wegen Verjährung eingestellt. «Ich wollte doch nur, dass all diese schlimmen Dinge aufhören, dass Männer nicht länger denken, sie könnten tun und lassen, was sie wollen“, erzählte Mulder später der deutschen «Vogue».

Auch Jahre später sind die Vorwürfe gegen Gérald Marie nicht vollständig aus der öffentlichen Debatte verschwunden. Laut der Nachrichtenagentur AFP erstatteten Carré Otis und sechs weitere Frauen im Juli dieses Jahres erneut Strafanzeige in Paris. Zudem beantragten die Frauen, sich im Verfahren als Zivilklägerinnen zu beteiligen. Marie weist die Vorwürfe zurück. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Ihr Mut ließ sie verschwinden

Doch anstatt dass die Öffentlichkeit über die Missstände in der Modebranche diskutierte, veränderte sich vor allem das Bild von Karen Mulder. Nur wenige Tage nach den Aufzeichnungen wurde sie in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, wo sie mehrere Monate blieb. Der Schock folgte nach ihrer Entlassung: Mulder erklärte, die Vorwürfe frei erfunden zu haben. Eine Aussage, von der sie sich später wieder distanzierte. Sie betonte, damals zu dieser Aussage gezwungen worden zu sein. «Ich wurde gezwungen zu sagen, ich hätte alles erfunden. […] Ich dachte, weil ich berühmt bin, würde man mir glauben», sagt sie heute. Nicht einmal ein Jahr später wurde Mulder bewusstlos nach einer Überdosis gefunden. Die Konsequenz: Die Modebranche wandte sich zunehmend von dem einstigen Topmodel ab. Es wurde still um Karen Mulder.

Bis jetzt! Mit ihrem Cover der deutschen «Vogue» feiert Karen Mulder ein Stück weit ihr Comeback. Auch mehrere Kreativdirektoren sollen signalisiert haben, wieder mit ihr arbeiten zu wollen. Eines der wohl mutigsten Models ihrer Generation bekommt damit wieder eine Plattform. Und dieses Mal scheint die Welt endlich bereit zu sein, ihr zuzuhören.

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