Die alleinerziehende Mutter Jasmin Böhm bricht mit ihrem kleinen Sohn immer wieder zu neuen Low-Budget-Abenteuern auf dem Fahrrad auf – eine Geschichte, die ebenso fasziniert wie inspiriert. Denn: Was packt man ein, wenn man mit einem Kind monatelang unterwegs ist und das gesamte Leben in zwei Rucksäcke passen muss?
Jasmin Böhm ist 30, als sie mit ihrem kleinen Sohn das erste Mal losradelt. Nicht in den Urlaub, sondern weil sie in ihrem bisherigen Leben einfach nicht mehr weitermachen konnte, wie sie im BRIGITTE-Interview erzählt: Aus ihrer Beziehung voller Gewalt geflohen, ließ sich selbst mit drei Jobs kaum ihr Lebensunterhalt bestreiten, die Betreuung ihres Kindes muss sie fast vollständig in die Hände ihrer 80-jährigen Oma geben. Irgendwann ist sie emotional und finanziell so am Ende, dass sie wegmuss. Ihr Ziel: Endlich wieder glücklich werden und vor allem mehr Zeit mit ihrem Sohn verbringen. Mit minimalem Budget – und Gepäck – ziehen die zwei los.
Aus ihrer verrückten Idee wird bald ein neues Lebenskonzept: Jasmin bricht mit Emil zu immer neuen, größeren Fahrrad-Reisen auf, teilt ihre Erfahrungen auf Instagram und schreibt irgendwann sogar Bestseller über ihre Abenteuer. Gerade ist «Vom Abenteuer des Ankommens» (20 €, Kailash) erschienen, das von ihrem bisher längsten Trip erzählt. «Wir sind im April 2024 mit der Regionalbahn in Hanau gestartet und über ein Jahr lang per Fahrrad, Bus, Bahn und Segelboot über Wüsten, Berge und Ozeane gereist», so Jasmin.
Kritiker:innen werfen Jasmin vor, sie sei egoistisch, raube dem Kind feste Routinen, ein Kinderzimmer und verlässliche Freundschaften. «Aber ich sehe das völlig anders», sagt sie BRIGITTE. «Die Freundschaften, die Emil unterwegs schließt, sind um ein Vielfaches intensiver als das, was im durchgetakteten Alltag passiert. Auf Reisen verbringen Kinder oft tagelang 24 Stunden miteinander, da wächst in kurzer Zeit eine tiefe Verbundenheit. Emil hat gelernt, dass Herzen sich auch ohne Worte verstehen. Zudem regt Langeweile unterwegs die Fantasie an. Zu Hause wird Kindern oft ein permanentes Bespaßungsprogramm vorgesetzt. Emil braucht kein konsumorientiertes Kinderzimmer oder iPad am Abendbrottisch, um glücklich zu sein.»
Mittlerweile sind die beiden, da Emil in die Schule geht, in Innsbruck sesshaft geworden. Aber sie wollen weiterhin die Welt mit dem Fahrrad bereisen – wie gut, dass die Sommerferien in Österreich neun Wochen lang dauern. Genug quality time für Mutter und Sohn.
Quelle: .



