Späte Mutterschaft: Was du mit 30 wissen solltest, um mit 40 schwanger werden zu können

Bevor es zu spät ist: Dr. Anne Fleck erklärt, welche Untersuchungen wichtig sind, wenn man vermeiden möchte, dass sich der Kinderwunsch möglicherweise nicht erfüllt.

Anne Fleck macht sich Sorgen. Die Internistin behandelt in ihrer Praxis für Prävention und funktionelle Medizin immer häufiger junge Frauen Ende 20, die über unregelmäßige Blutungen, Hitzewallungen oder Stimmungsschwankungen klagen. «Sie haben hormonelle Auffälligkeiten und befinden sich in einer Art Perimenopause, ohne es zu wissen», sagt die Ärztin und Bestseller-Autorin («ENERGY!», dtv).

Vorzeitige Wechseljahre (Prämature Ovarialinsuffizienz, POI) nennen die Expert:innen das Phänomen. Es bedeutet: Die Eizellreserve nimmt früher ab als gewöhnlich. Und davon hängt unter anderem ab, wie leicht man schwanger wird. 

Wie finde ich heraus, ob ich betroffen bin?

«Frauen, die mit 30 einen unregelmäßigen Zyklus haben – also außerhalb von 25 bis 35 Tagen – sollten die Ursache ärztlich abklären lassen», rät Dr. Katrin Schaudig, Gynäkologin und Präsidentin der Deutschen Menopause Gesellschaft e. V. im BRIGITTE-Podcast «Meno an mich«. 

Um vorzeitige Wechseljahre zu erkennen, werde der Spiegel des Folikelstimulierenden Hormons (FSH) bestimmt: Liege er innerhalb von vier bis sechs Wochen zweimal über einem Wert von 30 mIU/ml, könne man sich als nächstes die Eizellen anschauen. Mithilfe des Anti-Müller-Hormons (AMH) lasse sich abschätzen, wie groß die noch vorhandene ovarielle Reserve ist – je höher der Wert, desto besser – zumindest, wenn man nicht die Pille nehme, das verfälsche das Ergebnis. 

Diese Checks sind wichtig

Anne Fleck rät ihren Patientinnen: «Am besten mit Anfang 30 schauen, ob die Nährstoffversorgung optimal ist und noch genug Eizellen vorhanden sind, damit es nicht mit 40 plötzlich schwierig wird mit dem Kinderwunsch.» 

Wenn die Eizellreserve sehr früh sehr niedrig sei, gebe es dann zum Beispiel die Möglichkeit, Eizellen einfrieren zu lassen oder möglichst schnell zu versuchen, schwanger zu werden. «Rechtzeitig Bescheid zu wissen, senkt den Frust, wenn es mit 40 nicht klappt. Und wenn man auf früh auf ausgewogene Ernährung und gute Nährstoffversorgung achtet, wird eine gesunde Schwangerschaft aus meiner Erfahrung stark erleichtert.» Die Expertin empfiehlt zum Beispiel  

  • hochwertige, frisch gepressten Algenölen (omega-safe Patent),
  • B-Vitamine, Folsäure,
  • Eisen,
  • Vitamin C,
  • Vitamin D,
  • Zink
  • und Selen.

Wer kommt früher in die Wechseljahre?

Weltweit sind laut internationaler Leitlinie etwa 3,5 Prozent der Frauen von POI betroffen. Ihre Eierstöcke stellen den Betrieb bereits vor dem 40. Lebensjahr ein. Als normal gilt ein Alter zwischen 45 und 55. Eine aktuelle kanadische Bevölkerungsstudie an mehr als 3,6 Millionen Frauen unter 40 zeigte, dass die Zahlen seit 2011 ansteigen. «Und das hängt auch mit dem ‚modernen‘ Lebensstil zusammen: mit den zunehmenden Umweltschadstoffen, aber auch dem Zeitdruck und dem anhaltendem Stress, den viele Menschen heute empfinden. Das trägt massiv dazu bei, dass die hormonellen Prozesse nicht mehr rund laufen», sagt Anne Fleck. 

Oft sind Frauen nach Chemotherapien und Bestrahlungen betroffen, aber auch mit Endometriose. Bei etwa 70 Prozent allerdings werden keine klaren Ursachen gefunden. Was man weiß: Es gibt Hinweise, dass Umweltchemikalien wie Phthalate oder Bisphenole, die hormonell wirken, die Eierstockreserve vermindern können. Klarer ist die Lage beim Thema Rauchen. Nikotin erhöht den oxidativen Stress und kann Folikel schädigen, zeigen Studien. Raucherinnen kommen etwa ein bis zwei Jahre früher in die Wechseljahre.

Eine aktuelle Meta-Analyse aus China fand Zusammenhänge zwischen starkem Stress, Schlafmangel und POI, allerdings sind die Belege noch unsicher. Ein höherer Gemüseanteil an der Ernährung und regelmäßige Bewegung scheinen mit einem geringeren POI-Risiko verbunden zu sein. Auch hier fehlen aber noch eindeutige Beweise.

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