Wie findet ein Muster, das für das Militär gemacht ist, Einzug in die Gesellschaft? Ein kleiner Blick in die Geschichte und warum bestimmte Trends nicht so cool sind wie gedacht.
Camouflage ist als Modetrend zurück! In jeglicher Form erscheint das Muster nun wieder auf jedem nur vorstellbaren Kleidungsstück und Accessoire. Nicht zum ersten Mal, denn Camouflage war nie ganz weg und hat immer wieder Trendphasen. Doch es wird Zeit, das Muster genauer zu betrachten und zu fragen: Ist dieser Trend wirklich so cool, wie du denkst?
Dafür schauen wir einmal auf die Herkunft von Camouflage und recht schnell wird klar, dass es sich um ein militärisches Tarnmuster handelt. Seit dem Ersten Weltkrieg nutzen die meisten Armeen das Muster und es ist bis heute fester Bestandteil vieler Ausrüstungen. Laut einer Anekdote der Schriftstellerin Gertrude Stein, behauptete Pablo Picasso einst, er habe das Camouflage-Muster zusammen mit anderen Kubisten entwickelt. Inwieweit das wirklich stimmt, ist fraglich, doch dass Camouflage vom Kubismus inspiriert ist, ist kaum von der Hand zu weisen. Auch bei der Bundeswehr werden verschiedene Arten von Tarnmustern für unterschiedliche Gelände und Regionen verwendet. Sowohl der Mensch, als auch die Waffe sollen mit der Umgebung verschwimmen, um vor dem Gegner unerkannt zu bleiben. Ein Muster also, das im Krieg eine große Rolle spielt.
Camouflage-Prints: vom Militär in die Gesellschaft
Der Weg in die Gesellschaft führte über die Rebellion. Eine erste Zweckentfremdung fand in den 1960er Jahren während des Vietnamkriegs statt. Vor allem junge Menschen und Kriegsgegner kauften militärische Kleidung aus Army-Surplus-Läden, die Camouflage in Überfluss hatten, und verwendeten sie als Ausdruck von Protest. Ein Kriegssymbol, das gegen den Krieg getragen wird? Eine Uniform strahlt plötzlich nicht mehr die gleiche Macht aus, wenn viele Menschen sie tragen. Das Symbol verliert an Bedeutung und kriegt neue Bedeutungen zugeschrieben. Die überschüssige Militärkleidung war aber nicht nur rebellisch, sondern auch praktisch und konnte auch als ein Akt gegen Materialismus gelten.
Camouflage ist bei weitem nicht das einzige Mode-Statement, das militärischen Hintergrund hat. Da sind Bomberjacken, die ursprünglich vom US-amerikanischen Militär als Fliegerjacken genutzt wurden. Trenchcoats, die britische Offiziere im Ersten Weltkrieg trugen – die Schulterklappen zeigten den Rang des Offiziers. Springerstiefel, die ursprünglich für die sichere Landung von Fallschirmjägern konzipiert wurden und über die Jahre zuerst zum Symbol der Punks und später der rechtsextremen Szene wurden.
Und dann sind da noch die Pali-Tücher, die wir als Jugendliche trugen, weil es «Trend» war. Dabei wussten wir nicht, was hinter diesen Tüchern steckt. Zu Beginn war das sogenannte «Kufiya» einfach nur ein Schutz gegen Sonne und Windstürme. Doch in den 1930er Jahren machte Mohammed Amin el-Husseini, Bewunderer von Hitler, es zu einem Erkennungszeichen für Araber, um sie von Juden abgrenzen zu können. Später wurde es als ein politisches Zeichen, für einen palästinensischen Staat, genutzt, was häufig auch antisemitisch interpretiert wurde.
Ist es Trend oder Rebellion?
Inwiefern ist es nun in Ordnung, politische und militärische Mode im Alltag zu tragen? Gerade in Zeiten, in denen politische Unruhen und Kriege wieder zunehmen, sollte man sich die Frage stellen, ob die Camouflage-Jacke wirklich das modische Element der Wahl ist. Geht man davon aus, dass der Military-Look und damit auch Camouflage wieder zurückkommen, gerade weil die politische Lage so ist, wie sie ist, dann kann dies natürlich als Rebellion betrachtet werden.
In Anbetracht des Pali-Tuch-Trends – und der Erinnerung an die damalige Unwissenheit – bleibt dann jedoch noch die Frage bestehen: Wie viele Menschen wissen wirklich, welche Geschichte hinter einem aktuellen Trend liegt? Ist ihnen bewusst, dass Camouflage gerade von Soldaten getragen wird, die im Krieg kämpfen? Wahrscheinlich ist nicht jedes Kleidungsstück mit militärischem Hintergrund gleich zu bewerten. Jedoch sollte zumindest eine kleine Auseinandersetzung mit der Bedeutung im Kontext der aktuellen Geschehnisse stattfinden.
Quelle: Mode



