Statt Selbstoptimierung: Warum ich 2026 ein "Soft Life" leben möchte

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Girl Boss Era, Hustle Culture – äh, nein. Warum das sogenannte “Soft Life” der einzige TikTok-Trend ist, mit dem ich etwas anfangen kann, und wie ich mein persönliches “weiches Leben” kreieren möchte.

Neuer Tag, neuer Trend auf Social Media. Mit den meisten kann ich wenig anfangen, zielen sie doch vor allem auf Selbstoptimierung ab. Ein Buzzword, das mir aber durchaus zusagt, ist das “Soft Life”. Der Hashtag #softlife soll als Gegenentwurf zur Hustle Culture dienen, also der Kultur, in der Arbeit und Erfolgsdruck über allem stehen. In Zeiten, in denen toxische Produktivität und Härte vielerorts dominieren und Leistung immer noch das große Ziel ist, will das weiche Leben genau das Gegenteil: Es geht um Leichtigkeit, Freude und darum, das eigene Sein so zu gestalten, dass es den eigenen Werten und Wünschen entspricht.

Klingt gut, finde ich. Ich mag meinen Job sehr gern und bin dankbar, eine Aufgabe zu haben, die mir Spaß macht und mir viel kreative Freiheit ermöglicht – aber in meiner “Girl Boss Era” sehe ich mich sicher nicht. Eher in meiner “Ich mache meine Arbeit, so gut ich kann, aber nach Feierabend fokussiere mich ich auf andere Dinge”-Ära. Die perfekte Voraussetzung für ein “Soft Life”!

Wohlbefinden, Balance und Entschleunigung: Das steckt hinter dem “Soft Life”-Trend

“Bei einem ‘Soft Life’ geht es darum, die Herangehensweise an das Leben zu vereinfachen”, erklärt die Psychotherapeutin Attiya Awadallah gegenüber “The Everygirl”. “Dabei priorisieren wir das emotionale, mentale und körperliche Wohlbefinden und kreieren ein Gefühl der Balance und der Erfüllung.” Anstatt ständig nach Leistung und externer Validierung zu streben, ermutige das “Soft Life” uns, bewusst zu entschleunigen und ein friedliches und ausgeruhtes Leben mit tiefen Verbindungen zu anderen zu kultivieren.

Dazu muss man wissen, dass der Hashtag #softlife ursprünglich von Schwarzen, weiblichen Content-Creatorinnen auf TikTok groß gemacht wurde. Als weiße Personen können wir natürlich keineswegs nachvollziehen, welchem Druck, welchen Erwartungen und welchen Vorurteilen People of Colour ausgesetzt sind – vor allem Schwarze Frauen. Aber mit den Grundgedanken der Leichtigkeit, Einfachheit und Freude können sich offenbar auch andere Menschen identifizieren, und so hat das “Soft Life” via Social Media inzwischen Millionen Menschen erreicht.

Mein persönliches Soft Life: JOMO statt FOMO

Zu denen gehöre ich auch und habe mir für das Jahr 2025 vorgenommen, so richtig soft zu werden. Härte gibt es schon genug auf der Welt, davon brauchen wir nicht noch mehr. Stattdessen möchte ich echte Selfcare etablieren – damit meine ich nicht, mir jeden Abend in der Badewanne eine Tafel Schokolade reinzuziehen, weil “mir das guttut” (auch wenn das in Einzelfällen vielleicht mal sein darf). Nein, wahre Selbstfürsorge bedeutet, dass ich lerne, Grenzen zu setzen, dass ich mich nicht unter Druck setze, sondern mir selbst und meinen Fehlern liebevoll begegne.

FOMO etwa, also “Fear of Missing Out”, die Angst, etwas zu verpassen, hat in einem “Soft Life” absolut gar nichts verloren. Was mir wichtig ist, möchte ich tun, und für den Rest lasse ich JOMO walten, “Joy of Missing Out”, also die Freude, etwas zu verpassen. Anstatt ständig Ja zu Verpflichtungen und Unternehmungen zu sagen, die ich eigentlich nicht möchte, will ich – zumindest da, wo es möglich ist, – öfter Nein sagen. Und damit mehr Ja zu den Dingen, die mir wirklich guttun und auf die ich Lust habe. Das sind ausgewählte Treffen mit Herzensmenschen und ansonsten ausreichend Zeit für mich und meine introvertierten Hobbys wie Lesen und Yoga im Wohnzimmer.

Das Ziel eines “Soft Life” ist es, Drama und Stress zu minimieren. Natürlich gehört Stress zum Leben – wer versucht, jegliche Stressoren aus seinem Alltag zu verbannen, hat am Ende vermutlich nicht mehr viel Leben übrig. Trotzdem kann dieser TikTok-Trend uns alle ermutigen, eine Art Bestandsaufnahme in unserem Leben zu machen. Zu schauen, was sich gut und richtig anfühlt, was im Einklang mit unseren Werten ist – und was vielleicht nicht mehr. Die Dinge, die in unserer Hand liegen, können wir so anpassen, dass wir uns weniger gestresst fühlen.

Altes loslassen, um Platz für das Richtige zu schaffen

“Ein ‘Soft Life’ bedeutet nicht, dass wir aus Prinzip weniger tun”, erklärt Attiya Awadallah dazu. “Es geht darum, das zu tun, was uns etwas bedeutet.” Damit wir genug Raum für die Dinge haben, die uns etwas bedeuten, müssen andere eben manchmal gehen. Ein Prozess, der nicht immer einfach und angenehm ist, sich aber langfristig lohnt. Denn um ein “Soft Life” leben zu können, das Freude und Leichtigkeit priorisiert, müssen wir die richtigen Voraussetzungen schaffen – auch wenn das im ersten Moment durchaus mal anstrengend und schwer statt freudig und leicht sein kann.

Anstelle von toxischen Selbstoptimierungsvorsätzen wie Abnehmen oder dem völligen Verzicht auf Süßes oder Pizza (niemals!) versuche ich es dieses Jahr lieber mit einem anderen Ansatz. Mal schauen, wie soft mein Leben werden kann.

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