Donald Trump wurde bei den Midterms abgestraft, die Demokraten feiern einen Erdrutschsieg. Was bedeutet das für uns? Drei Fragen an Expertin Sally Lisa Starken, die aktuell in den Südstaaten der USA unterwegs ist.
Was bedeutet Trumps Niederlage für die Menschen in Deutschland?
Diese Wahl zeigt: Eine autoritäre Entwicklung lässt sich an der Wahlurne bremsen. Das ist ein wichtiges Signal für alle, die in Deutschland bereits aufgegeben haben.
Aber die Lehre ist unbequem. Gegen die AfD zu sein, reicht genauso wenig, wie gegen Trump zu sein. Es braucht Antworten auf die Fragen, die Menschen nachts wach halten: Miete, Gesundheit, Zukunft. Und es braucht sie früh – nicht erst, wenn Rechtsextreme regieren. Dann lässt sich das Rad nur noch schwer zurückdrehen.
Was sind deine Hoffnungen und Befürchtungen für die USA?
Meine Hoffnung ist, dass diese Wahl mehr war als ein Denkzettel. Ab dem 3. Januar kann Donald Trump nicht mehr allein durchregieren. Die Demokraten können dann Untersuchungsausschüsse einsetzen und Gesetze stoppen.
Meine Befürchtung: Bis dahin haben die Republikaner noch ihre Mehrheiten, und Trump behält sein Veto. Er hat bereits angekündigt, es zu nutzen. Und ob die Demokraten ihren Sieg nutzen können, hängt davon ab, ob sie liefern. Gewonnen haben sie, weil sie die hohen Preise und die Krankenversicherung thematisiert haben. Gegen Trump zu sein, reicht nicht. Wenn sich im Alltag der Menschen nichts ändert, wird die Enttäuschung in zwei Jahren umso größer sein.
Was hat dich auf deiner Reise schockiert, was gibt dir Zuversicht?
Schockiert hat mich ein Satz in einer Bar in Alabama: «Wir wissen, dass Trump der Teufel ist. Aber wir würden auch einen Schimpansen wählen, wenn er sich gegen Abtreibungen ausspricht.» Das war mein Eye Opener. Diese Menschen sind nicht ahnungslos. Sie wissen, wen sie wählen, und sie tun es mit Kalkül. Das kenne ich auch von vielen AfD-Wähler:innen.
Erfreut hat mich ein Sonntag in Jacksonville. Eine Schwarze Gemeinde hat uns empfangen, als gehörten wir dazu, und ist nach dem Gottesdienst gemeinsam wählen gegangen. Demokratie lebt davon, dass wir einander mitnehmen. Hoffnung machen mir auch die Jungen. 71 Prozent der 18- bis 29-Jährigen haben demokratisch gewählt. In Austin haben mir junge Menschen gesagt: «Ich will eine Zukunft. Ich will keinen König.»
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