Beziehung: Diese fünf Dinge sind langfristig wichtiger, als dass ihr "zusammenpasst"

Zusammenzupassen kann eine gute Grundlage für eine Beziehung darstellen. Damit sie aber langfristig gelingt, müssen laut den britischen Psychologen Matt Wotton und Graham Wonston andere Kriterien erfüllt sein. 

Die wohl schönste Liebesgeschichte, die das deutsche Reality-TV bislang hervorgebracht hat, können wir in der zweiten Staffel von «Love is Blind Germany» verfolgen: Gunnar und Josy scheinen auf den ersten Blick kaum zusammenzupassen. Sie haben unterschiedliche Hobbys, verschiedene Vorstellungen von ihrem Leben im Hinblick auf Kinder und Familie, und optisch ist er zunächst nicht ihr Typ. Je mehr wir aber von den beiden sehen, je mehr Zeit sie miteinander verbringen, umso harmonischer wirken sie als Paar. Irgendetwas scheint zwischen ihnen zu stimmen, scheint richtig zu laufen. Das legt nahe, dass Gemeinsamkeiten und ein guter Fit womöglich nicht die einzigen oder gar entscheidenden Voraussetzungen sind, um eine Partnerschaft zu führen. Was aber könnte wichtiger sein?

Laut Psychologen: Warum das «Perfect Match» ein Mythos ist

«Der langfristige Erfolg einer Beziehung hängt vom Verhalten ab, nicht vom anfänglichen Zusammenpassen», schreiben die britischen Psychologen Matt Wotton und Graham Wonston in einem Beitrag für «Psychology Today». Ihnen zufolge können Voraussetzungen wie gemeinsame Werte, gegenseitige Anziehung und ähnliche Ziele eine gute Grundlage für eine Partnerschaft bilden, immerhin schließen sie zumindest ein paar chronische Reibungspunkte aus. Doch zu glauben, dass nach der richtigen Partnerwahl der Rest ein Selbstläufer ist, sei ein Irrtum – und zwar einer, an dem unsere Beziehungen scheitern können. 

«Die Idee, dass Kompatibilität genügen sollte, führt uns auf die falsche Fährte», schreiben die Experten. Entweder geben wir zu schnell auf, weil wir denken, es müsste leichter sein. Oder wir hoffen auf eine höhere Macht, weil es ja klappen muss, wenn wir für einander bestimmt sind. Beides, so die Psychologen, blendet die Realität aus: dass Beziehungen gepflegt werden müssen. Dabei wiederum komme es laut den Briten unter anderem und vor allem auf folgende Bereiche an. 

5 Dinge, die für die Beziehung wichtiger sind als Gemeinsamkeiten

Umgangsform («Tone»)

Wie sprechen wir miteinander, wenn wir müde sind? Oder gestresst? Krank? Schlecht gelaunt? Laut Matt Wotton und Graham Wonston spielt der kommunikative Ton in einer Beziehung eine große Rolle. Die Person, mit der wir unser Leben teilen, ist schließlich kein Stressball, an dem wir unseren Dampf ablassen, sondern ein Mensch, der genauso verdient wie alle anderen, dass wir ihn respektvoll und anständig behandeln, – oder sogar noch mehr.

Zuverlässigkeit («Reliability»)

Stehen wir zu unserem Wort, auch wenn es uns im entscheidenden Moment doch nicht so gut passt? Halten wir uns an Absprachen, obwohl es unbequem ist? Verlässlichkeit ist laut den Psychologen ein weiteres Kriterium, das über das Gelingen einer Partnerschaft entscheidet. Es bestimmt, ob wir die andere Person als einen Menschen wahrnehmen, der für uns da ist – oder es eben nicht ist.

Umsichtigkeit («Thoughtfulness»)

Hören wir aktiv zu, obwohl uns andere Dinge durch den Kopf gehen? Betrachten wir die Interessen und Anliegen des anderen als gleichwertig zu unseren? Aufmerksamkeit, Rücksichtnahme und Umsicht sind den Experten zufolge für eine langfristig stabile Beziehung unerlässlich. 

Empathie («Taking your partner’s perspective»)

Versuchen wir, die Dinge gelegentlich aus den Augen der anderen Person zu betrachten? Lassen wir uns auf ihren Standpunkt ein und bemühen wir uns, ihn zu verstehen? In einer engen Beziehung bildet Empathie eine Voraussetzung, um dauerhaft miteinander zu kommunizieren, anstatt gegeneinander. Sie gehört zu dem Fundament, auf dem Verständnis und Toleranz entstehen können.

Wiedergutmachung («Repair»)

Können wir zugeben, wenn wir einen Fehler begangen haben? Sind wir in der Lage, Verantwortung zu übernehmen und um Entschuldigung zu bitten? Da kein Mensch perfekt ist, kommt es in jeder Beziehung früher oder später zu Verletzungen und Streit. Entscheidend ist dann, so die Psychologen, dass wir uns um Wiedergutmachung bemühen. 

Die Belastungsprobe für eine Beziehung bringt die Zeit

Ob Partnerschaft, Freundschaft oder sonstige intime Verbindungen, wenn es gut läuft, halten unsere Beziehungen jahrelang. Eine Basis der Gemeinsamkeit, schreiben Matt Wotton und Graham Wonston, kann helfen, doch sobald uns das Leben auf die Probe stellt, entscheiden nicht unsere geteilten Werte, wie dies auf unsere jeweilige Beziehung wirkt, sondern wie wir einander behandeln. 

Ob Gunnar und Josy die Herausforderungen des Alltags langfristig gemeinsam bewältigen werden, können wir besagter Staffel «Love is Blind» nicht entnehmen. Vielleicht stehen ihre Chancen aber gut: Immerhin scheinen sie sich nicht nur darauf zu verlassen, dass sie füreinander bestimmt sind.

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