Welchen Einfluss wir auf anderer Menschen Emotionen nehmen, spielt eine große Rolle für unsere Beziehungen und unseren Alltag. Laut Forschung sind sechs Strategien besonders geeignet, um die Stimmung unserer Mitmenschen zu heben.
Eine enge Freundin von mir schafft es so gut wie immer, dass ich mich besser fühle. Elon Musk würde vielleicht sagen, sie sitzt tief in der Empathie-Falle, aber ich schätze ihre herausragende Fähigkeit, auf andere Menschen einzugehen und unser Leben angenehmer zu machen. Gerechter Weise bin ich nicht die einzige: Sie ist beliebt, kann sich darauf verlassen, dass neben mir eine ganze Reihe weiterer Personen für sie eintreten und da sind, wenn sie jemanden braucht. Anderen Menschen ein positives Gefühl zu vermitteln, hat Vorteile in unserer Welt, die vorwiegend von sozialen Dynamiken geprägt ist. Davon abgesehen wird sich meine Freundin sicherlich – hoffentlich! – selbst auf irgendeiner Ebene gut fühlen, wenn sie erlebt, dass es anderen durch sie besser geht.
Anderen Menschen gut zu tun, kann man lernen
Meine Freundin mag mittlerweile intuitiv als wohltuender Mensch durch ihr Leben gehen – und dabei glücklicherweise meines berühren –, doch wer möchte, kann lernen, anderer Leute Gefühle positiv zu beeinflussen. Unter dem Schlagwort «Controlled Interpersonal Affect Regulation Strategies» («kontrollierte zwischenmenschliche Affektregulationsstrategien») befassen sich Psychologinnen seit einigen Jahrzehnten damit, wie wir gezielt auf die Stimmung und Emotionen unserer Mitmenschen einwirken können.
2009 haben britische Forschende in der Zeitschrift «Emotion» eine Studie veröffentlicht, im Rahmen derer sie die gängigsten und effektivsten Vorgehensweisen erfassten. Sie unterscheiden dabei in solche Strategien, die die betreffende Person von ihren Gefühlen ablenken und ihre Stimmung verändern, und solchen, die ihre Aufmerksamkeit auf ihre Emotionen dirigieren und dabei helfen, sie zu regulieren.
Ablenkende Strategien
Wertschätzung
Wir können anderer Menschen Stimmung positiv beeinflussen, indem wir sie spüren lassen, dass wir sie schätzen und respektieren, dass sie uns wichtig sind und am Herzen liegen. Das gelingt, indem wir ihnen Aufmerksamkeit schenken, zuhören und Anteilnahme zeigen.
Beschäftigung
Mit einer Person etwas zu unternehmen, kann sie einem unangenehmen Gefühl entkommen und andere Emotionen erleben lassen. Wir könnten sie zum Beispiel zu einem Spielplatzbesuch motivieren oder einem Spaziergang in Wald oder Park oder sie zu einer Party einladen.
Aufheitern
Die körperliche Reaktion des Lachens signalisiert unserer Seele, dass wir Freude empfinden und uns glücklich fühlen. Daher kann Humor ein mächtiges Mittel sein, um die Emotionen unseres Gegenübers positiv zu beeinflussen. Ob wir uns über uns selbst lustig machen, eine witzige Anekdote erzählen oder zufällig eine geeignete Pointe parat haben, es mit Aufheitern zu probieren, kann sich in vielen Situationen lohnen.
Regulierende Strategien
Problemfokussiert
Ermutigen wir die betreffende Person, mit uns über ihre Gefühle zu sprechen, wenden wir eine problemfokussierte Regulationsstrategie an. Indem sie ihre Empfindungen in Worte fasst, gewinnt sie dazu Distanz, kann sie einordnen und sortieren. Wir können dabei unterstützen, indem wir Fragen stellen, wiederholen, was sie uns erzählt hat, und nach Möglichkeit Urteile und Bewertungen entkräften, die in ihrer Wahrnehmung existieren.
Lösungsfokussiert
Bei einem lösungsfokussierten Ansatz richten wir die Aufmerksamkeit auf die Ressourcen, die unser Gegenüber zur Verfügung hat, um seine Situation zu verbessern. So können wir der Person zum Beispiel vor Augen führen, welche vergleichbaren oder schwierigeren Herausforderungen sie in der Vergangenheit bereits bewältigt hat, dass sie über Stärken verfügt, an die sie aktuell vielleicht nicht glaubt.
Perspektiverweiternd
Manchmal können wir positiv auf die Stimmung eines anderen Menschen einwirken, indem wir ihr andere Sichtweisen auf ihre Situation aufzeigen. Wir können ihm unsere objektivere Wahrnehmung schildern, darstellen, welche Möglichkeiten wir für ihn sehen. Dabei gilt zu beachten, dass wir seine Sicht damit nicht abwerten oder in Frage stellen, sondern lediglich eine Alternative anbieten.
Wie wir die Strategien anwenden (können)
Im Alltag werden wir in der Regel mehrere Strategien zugleich anwenden, eine wie auch immer geartete Vermischung bleibt kaum aus. Zum Beispiel können wir kaum ein problem- oder lösungsorientiertes Gespräch über die Gefühle eines Menschen mit ihm führen, ohne ihm dabei zu zeigen, dass wir ihn schätzen und Anteil an seinem Leben nehmen. Gehen wir mit jemandem eine halbe Stunde spazieren, erscheint es fast unrealistisch, dass wir nicht einmal zusammen lachen. Wir müssen uns nie für einen Weg entscheiden, sondern können damit spielen und kombinieren.
Wer einen Menschen wie meine Freundin im Leben hat, weiß, was solche Personen für uns bedeuten, wie sehr sie unsere Welt bereichern. Wer das wiederum weiß, wird alles Erdenkliche probieren, ein ebensolcher Mensch zu werden, eine Person, die positiv auf andere einwirkt. Die Strategien zu kennen, kann auf diesem Weg helfen. Doch in die vermeintliche Empathie-Falle tappen müssen wir dafür wahrscheinlich auch.
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