Eine neue Sprache lernen : "Eine neue Sprache lernen? Das habe ich dabei über mich selbst erfahren"

Eine neue Sprache zu lernen, stand jahrelang auf der Bucket List unserer Autorin. So wie Marathon laufen, endlich regelmäßig meditieren oder die Steuererklärung mal vor der letzten Frist erledigen. Immer kam etwas dazwischen, dann hat sie es einfach gemacht und dabei etwas Wichtiges über sich selbst gelernt. 

Deutsch ist meine Muttersprache, Englisch habe ich studiert, das funktioniert dementsprechend zuverlässig. Aber ich tat mich schwer, bei der Auswahl der dritten Sprache. Eine zu lernen, die man später nie anwendet, erschien mir ungefähr so sinnvoll wie einen Skikurs zu besuchen, wenn man auf Gran Canaria wohnt. Spanisch wäre eigentlich die logische Wahl gewesen. Immerhin sprechen es hunderte Millionen Menschen weltweit. Das Problem: Ich kann kein gerolltes R aussprechen. Und als Perfektionistin wollte ich zumindest die theoretische Chance haben, die Sprache irgendwann auch halbwegs authentisch sprechen zu können.

Der erste Versuch scheiterte kläglich

Ich blieb an Kroatisch hängen. Mein Großvater stammt aus dem schönen Land an der Adria, und lange dachte ich, das müsste doch eigentlich «meine» zweite Muttersprache sein. Allerdings gehörte es damals noch nicht unbedingt zum Standard, Kinder bilingual zu erziehen. Mein Opa sprach Kroatisch, meine Mutter kennt bis heute nur ein paar Brocken – und that’s it! Vor einigen Jahren startete ich deshalb meinen ersten ernsthaften Versuch: mit einem Kroatisch-Volkshochschulkurs. 

Das Ergebnis? Ernüchternd. Jeden Dienstagabend mit 30 anderen Menschen die Schulbank drücken, panisch die Hausaufgaben vor Kursbeginn fertigstellen und die latente Angst, plötzlich aufgerufen zu werden – all das weckte weniger meinen Ehrgeiz als vielmehr längst verdrängte Schultraumata. Meine Motivation verschwand schneller, als sie gekommen war. Das Thema Fremdsprache legte ich deshalb erst einmal wieder ad acta – bis ich meinen Freund kennenlernte. Seine Muttersprache: Französisch.

Ausgerechnet Französisch!

Die Sprache, die es nie auf meine persönliche Favoritenliste geschafft hatte. Gleichzeitig hatte ich plötzlich keine Ausrede mehr. Denn wenn ich mich irgendwann mit seiner Familie unterhalten wollte, musste ich mich wohl oder übel mit französischer Grammatik, Nasallauten und unzähligen Verbformen anfreunden. Mein erster Versuch führte – wie vermutlich bei vielen anderen Menschen – über eine Sprach-Lern-App. Mein zweiter über einen zweiwöchigen Bildungsurlaub. Ich startete wirklich bei null, also auf A1-Niveau. Und obwohl ich rational wusste, dass zwei Wochen niemals ausreichen würden, um eine Sprache zu lernen, hatte ich insgeheim trotzdem gehofft, danach wenigstens ein bisschen plaudern zu können. Spoiler: konnte ich nicht.

Nach zwei intensiven Wochen war ich gerade einmal bei A1.2 angekommen. Zur Einordnung: Erst nach A1.4 erreicht man überhaupt das Niveau A2. Anders gesagt: Ich hatte gerade erst begonnen und konnte sowas sagen, wie «Je voudrais un café» (Ich hätte gern einen Kaffee). Für mich als ausgesprochen ungeduldigen Menschen war das frustrierend. Ich erinnere mich noch genau an den Gedanken, der mir immer wieder durch den Kopf schoss: «Ich werde das nie schaffen.» Und ehrlich gesagt: Es gibt gute Gründe, warum viele Menschen an diesem Punkt aufgeben. Studien zeigen, dass neue Gewohnheiten und Hobbys häufig genau dann abgebrochen werden, wenn die anfängliche Euphorie verschwindet und Disziplin gefragt ist. An diesem Punkt befand ich mich. Ich investierte Zeit, Energie und Geld – und hatte trotzdem noch kein einziges echtes Erfolgserlebnis.

Weniger Druck, mehr Freude an der Reise

Vokabeln lernen war anstrengend. Grammatik lernen war anstrengend. Mich überhaupt einmal pro Woche aufzuraffen, war anstrengend. Immer saß mein schlechtes Gewissen neben mir, wenn ich meinen eigenen «Unterricht» skippte, das mir leise ins Ohr flüsterte: «Du könntest jetzt auch Vokabeln pauken, statt sinnlos auf dem Handy rumzudaddeln.» Das lief ein bisschen weiter. Mein eigentlicher Wendepunkt kam deshalb nicht durch einen plötzlichen Lernerfolg, sondern durch eine Veränderung meiner Erwartungen. Ich hörte auf, von mir zu verlangen, möglichst schnell fließend Französisch zu sprechen. Stattdessen stellte ich mir eine simple Frage: Werde ich in drei Jahren besser Französisch sprechen, wenn ich heute weitermache, als wenn ich jetzt aufgebe? Die Antwort war offensichtlich.

Also machte ich weiter. Nie kontinuierlich, aber irgendwie blieb ich trotzdem am Ball. Mal lernte ich zwei Stunden Vokabeln am Stück. Mal machte ich drei Wochen gar nichts. Dann bestand mein gesamtes Sprachtraining aus fünf Minuten App vor dem Einschlafen. Oder aber ich ging nur zum Unterricht und schaute einfach eine Serie auf Französisch. Und dann kam es plötzlich: mein erstes echtes Erfolgserlebnis.

Ich war mit meinem Freund bei seiner Familie. Und ich schaffte es doch tatsächlich, auf eine Frage seiner Mutter zu antworten. Auf Französisch! Das Eis war gebrochen und ich versuchte es wieder. Mir fehlten zwar noch viele Wörter, Zeitformen und Co., aber zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass all die Stunden mit Karteikarten, Apps, Grammatikbüchern und Selbstzweifeln tatsächlich zu etwas geführt hatten. Auch heute spreche ich noch lange nicht fließend, aber ich werde langsam besser. Manchmal sind es nur kleine Fortschritte, die ich selbst kaum wahrnehme, aber von außen bekomme ich gespiegelt, dass sich Dranbleiben lohnt! 

Was ich durchs Sprachenlernen gelernt habe

  • Die ersten Monate sind die härtesten. Fortschritte sind anfangs kaum sichtbar – trotzdem passieren sie.
  • Perfektionismus ist der größte Motivationskiller. Wer erwartet, schnell fließend zu sprechen, wird fast zwangsläufig enttäuscht.
  • Konsistenz schlägt Intensität. Fünf Minuten regelmäßig sind langfristig wertvoller als ein perfekter Lernplan, den man nach drei Wochen aufgibt.
  • Pausen bedeuten nicht automatisch Scheitern. Wer zwischendurch aussetzt, muss nicht wieder bei null anfangen.
  • Eine Sprache lernt man nicht ausschließlich über Grammatik und Vokabeln, sondern durch echte Begegnungen. Der erste kleine Dialog fühlt sich oft größer an als jedes bestandene Sprachlevel.
  • «Embrace the Journey» (Finde Freude an der Reise). Hört sich etwas esoterisch an, aber es ist etwas dran. Stell dir vor, du würdest dein Ziel immer bereits nach zwei Wochen erreichen, wäre doch irgendwie auch langweilig, oder?

 

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