Michaela, 38, wird schwanger von ihrem Partner, der im Oman lebt. Hier erzählt sie von ihrem interkulturellen Familienabenteuer.
Dass ich vor knapp drei Jahren schwanger wurde, war wirklich eine Überraschung. Denn ich war auch ohne Kinder glücklich. Dazu ist unsere Konstellation relativ ungewöhnlich: Mein Mann Sami stammt aus dem Oman und lebt dort. Wir hatten uns über meinen Job im Tourismus kennengelernt, besuchten uns regelmäßig. Jetzt sollte ein Kind dazukommen!
Mir war schnell klar, dass ich unseren Sohn bei mir großziehen würde. Doch statt in München zu bleiben, beschloss ich, zurück zu meinen Eltern zu ziehen, nach Tirol. Dort gab es alles, was man seinem Kind nur wünschen kann: viel Platz, Tiere, Streuobstwiesen.
Sami hätte sich zwar gefreut, wenn wir zu ihm gekommen wären. Trotzdem hat er nie versucht, mich umzustimmen. Im Oman steht Familie über allem. Deshalb war es für ihn keine Frage, dass ich bei meinen Eltern bleiben würde. Er wollte sein Leben mit eigener Firma aber auch nicht aufgeben. Mohamed ist wie ich ein freier Vogel, diese Entscheidung passte für uns als Paar gut.
Doch als ich vor der Geburt umzog, hatte ich keine Ahnung, ob alles gut gehen würde: Würde ich mich im Dorf wieder wohlfühlen? Wie würde es, Teil einer omanischen Familie zu sein? Es war ein Abenteuer. Aber ich habe von meinen Eltern gelernt, dass ich immer belohnt werde, wenn ich auf mein Bauchgefühl vertraue.
Zwei Länder, zwei Kulturen

Und genau so war es: Meine Eltern sind super, wir teilen uns Arbeit und Erziehung, und Max lernt nebenbei Dinge wie Sauerkrautmachen. Wegen der verschiedenen Kulturen waren meine Eltern nur anfangs skeptisch: Wie wird es mit zwei Ländern und Religionen? Als meine Mama dann mit im Oman war, hat sie Samis herzliche Familie kennengelernt. Die wiederum hat uns bereits in Tirol besucht.
Damit war die Sache vom Tisch, und nicht nur das: Wir erleben großes Interesse an unserer Art zu leben – und sind dankbar dafür. Wir verbringen jedes Jahr etwa drei Monate im Oman, damit Max zumindest teilweise bei seinem Papa und der Familie aufwachsen kann. Es ist ein zweites Zuhause für uns. Sami kommt oft zu uns und genießt es, in zwei Ländern daheim zu sein, auch wenn er Max oft vermisst.
Nur für den Kleinen ist es nicht immer leicht: Im Oman fehlen ihm Oma und Opa, in Tirol sein Papa. Ich hoffe, er wirft mir das später nicht vor – und sieht, was er hat: das große Glück, parallel in zwei wunderschönen Kulturen aufwachsen zu können.
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