Kristin Hannah hat mehr als 20 Romane geschrieben, doch meistens fällt ihr Name im Zusammenhang mit «Die Nachtigall». Welcher Kristin-Hannah-Titel unsere Autorin bislang am stärksten beeindruckt hat, verrät sie hier.
Jetzt reicht es mir. Gerade habe ich einen Post bei Instagram gesehen, in dem Lieblingsbücher aufgelistet waren, die in Kürze verfilmt werden. Welcher Kristin-Hannah-Roman war natürlich wieder dabei neben «Yesteryear», «Der Gott des Waldes» und Co.? «Die Nachtigall».
Welcher Titel von der Autorin fiel dafür wie so oft raus und fand keine Erwähnung, obwohl ebenfalls eine Verfilmung ansteht, für die bereits Produzentinnen und Drehbuchautorin bekannt sind? «The Great Alone» oder, wie der atb-Verlag entschieden hat, die deutsche Fassung zu nennen, «Liebe und Verderben». Höchste Zeit, dass endlich eine La-Ola-Welle für meinen Lieblingsroman von Kristin Hannah in Gang kommt. Sonst schaut am Ende noch jemand versehentlich den Film, ohne zuvor das Buch gelesen zu haben – weil die Person gar nicht wusste, dass es das gibt.
Emotionale Familiengeschichte in kraftvollem Setting
In «Liebe und Verderben» erzählt uns Kristin Hannah die Geschichte der Familie Allbright, bestehend aus Vater Ernt, Mutter Cora und Tochter Leni, die zu Beginn der Handlung, 1974, gerade 13 Jahre alt ist. Ernt und Cora verbindet eine tiefe, leidenschaftliche Liebe, doch sein Einsatz in Vietnam hat in Ernt etwas zerbrochen. Nachts halten ihn Alpträume vom Schlafen ab, tagsüber müssen Leni und Cora jederzeit mit einem seiner Wutanfälle rechnen. Nachdem die Familie Ernt zuliebe bereits mehrfach den Wohnsitz gewechselt hat – Ernt kann seit Vietnam keinen Arbeitsplatz mehr als ein paar Monate halten –, ziehen sie schließlich nach Alaska, wo ein gefallener Kamerad von Ernt ihm ein Stück Land und eine Hütte überlassen hat.
Ausgerechnet dort, in dieser harschen, ausladenden, wilden, vergessenen Ecke unserer Erde, finden die Allbrights zum ersten Mal seit Langem ein richtiges Zuhause und alles scheint sich zum Guten zu wenden. Eine Gemeinschaft, die zusammenhält und füreinander einsteht. Eine Natur, an der man sich nicht satt sehen kann. Leni findet ihre erste große Liebe in Matthew, einem Nachbarn. Als allerdings der alaskische Sommer endet und relativ nahtlos in den geradezu lebensfeindlichen, düsteren Winter übergeht, schlagen Ernts Geister wieder zu, und das mit einer Kraft, auf die niemand vorbereitet war.
Unverwechselbar, unvergesslich, unnachahmlich
Mich hat «Liebe und Verderben» von den ersten Seiten an gepackt und noch eine ganze Weile nach der letzten Seite nicht losgelassen. Vor allem Lenis Situation hat mich sofort ergriffen: Diese Hilflosigkeit und das Ausgeliefertsein einer 13-Jährigen, die in einer kaputten Familie feststeckt, die aber dennoch geliebt wird und an das Gute in der Welt glaubt. Kristin Hannah wird ihren Figuren wie üblich gerecht, lässt uns Ernt verstehen ebenso wie Cora, die ihren Mann trotz allem nicht loslassen kann. Alaska als Setting wirkt wie Hefe für die Fantasie: Es lässt die Geschichte in der Vorstellungskraft aufgehen und die volle Gestalt, den kompletten Raum einnehmen, der zur Verfügung steht. «Liebe und Verderben» ist eines dieser Bücher, in die es leicht fällt zu versinken, die uns die Zeit und unsere Umgebung vergessen lassen. Was ich allerdings nicht verschweigen möchte: Es ist wahnsinnig traurig, hart und schwer.
Dass «Die Nachtigall» von Kristin Hannah gleichermaßen bekannt wie beliebt ist, möchte ich überhaupt nicht beanstanden – auch diesen Roman habe ich gelesen und fand ihn erschütternd, nachhallend, stark und unbedingt lesenswert. Die Geschichte über zwei französische Schwestern, die jeweils auf ihre Art den Zweiten Weltkrieg zu überleben versuchen, ist nicht nur eine weitere Auseinandersetzung mit einer der schrecklichsten Episoden unserer Geschichte, sondern stellt einen ganz eigenen Ansatz dar, der Perspektiven und Aspekte aufgreift, die mir sonst tendenziell unterrepräsentiert erscheinen. Dennoch: Nachdem ich mittlerweile sieben Bücher von Kristin Hannah gelesen habe, ist und bleibt für mich bis heute der Titel, der mir bei ihrem Namen als Erstes in den Sinn kommt, das englische Original zu «Liebe und Verderben»: «The Great Alone».
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