London Fashion Week : London Fashion Week macht Weiblichkeit zum Thema – und zwar jeden Alters

Am 21. September 2026 fiel der finale Vorhang der London Fashion Week und zurück bleibt der Eindruck, dass London sich als Modestadt zurückgekämpft hat. Gleich auf mehreren Laufstegen wurde Weiblichkeit zum Thema gemacht und auf verschiedenste Weise gefeiert. 

Anfang der 2000er Jahre musste London als Fashion-Metropole harte Rückschläge einstecken. Alexander McQueen und Stella McCartney stellten plötzlich in Paris ihre neuesten Kollektionen vor. Die sonst so kreative und experimentierfreudige Hauptstadt verlor immer mehr Einfluss, doch den scheint sie sich jetzt zurückzuerobern. Nicht nur, dass namhafte Labels wie Alexander McQueen und Mulberry 2026 plötzlich wieder auf dem offiziellen Programm auftauchen: Britische Designer:innen machen ihre Kundinnen selbst zum Thema der Modewoche. Weiblichkeit wird hier in allen Facetten auf dem Runway präsentiert. Klingt alltäglich? Ist es aber ganz und gar nicht!

Warum die London Fashion Week den Nerv der Zeit trifft 

Die Mode ist ein weiblich dominiertes Feld. Schließlich kaufen Frauen verschiedenste Kleidungsarten, und gehören somit zu einem größeren und diversifizierteren Absatzmarkt, als bei den Herren der Fall ist. So vielseitig das Angebot für Frauen ist, so einseitig kann der öffentliche Diskurs über sie in der Mode sein. Lange Zeit liefen ausschließlich junge Frauen und Teenager:innen mit zerbrechlich dünnen Körpern über den Runway. Der Anspruch war, dass Models hinter dem Design verschwinden. Erst der gesellschaftliche Druck, ein verändertes Schönheitsideal und Aktivismus haben mehr Diversität auf die Laufstege gebracht. 

Die London Fashion Week 2026 geht sogar noch einen Schritt weiter und zeigt nicht nur verschiedenste Frauenkörper, sondern präsentiert sie göttinnengleich. Sei es durch ihre Fähigkeit, Leben zu schenken, oder durch die Macht und die Schönheit der Lebensmitte. Gerade in einer Zeit, in der rechtspopulistische Parteien auf dem Vormarsch sind, die Frauenrechte radikal beschneiden wollen, ist es ein starkes Signal, die Heiligkeit der Frau in einem Modespektakel zu zelebrieren. 

Di Petsa präsentiert mit der «Holy Milk»-Show Mütter als Göttinnen

Im ganzen Stress des Anspruchs «Frauen müssen Kind und Job unter einen Hut bekommen» kommt die Anerkennung für das Muttersein oft zu kurz. Care-Arbeit wird als Selbstverständlichkeit nebenher erledigt. Ist es aber nicht! Dachte sich wahrscheinlich auch Dimitra Petsa und widmete eine ganze Kollektion den Göttinnen, die Leben erschaffen – inklusive Muttermilch. Die in Athen aufgewachsene Designerin versteht sich als Schnittstelle zwischen Mythos, Performancekunst und Ritual. Mode wird bei ihr theatral, mit Geschichte auf dem Runway inszeniert. 

In diesem Jahr scheint sich Dimitra von der griechischen Mythologie – genauer genommen von Artemis, der Beschützerin der Frauen und Mütter, Eileithyia, der Göttin der Geburt und des Wochenbetts, und anderen Göttinnen der Fruchtbarkeit – inspirieren zu lassen. Durchscheinende Silhouetten offenbaren den nackten Busen der Models. Zwei weitere Models schreiten mit Babys auf der Hüfte über den Laufsteg, ein anderes hält in der Performance inne, um ein Baby im Publikum, das auf dem Schoß eines Mannes sitzt, zu streicheln. Den Höhepunkt findet die Modenschau jedoch mit dem Brunnen der Fruchtbarkeit. Das ehemalige Little-Mix-Mitglied Leigh-Anne Pinnock, das gerade zum dritten Mal schwanger ist, schreitet in einem weißen Zweiteiler in Toga-Ästhetik über den Laufsteg. Umringt von anderen Models strömen aus zwei Attrappen an ihrem BH milchig-weiße Wasserfontänen, die Muttermilch symbolisieren sollen. Das Bild ist eindrucksstark. Mütter werden hier als komplexe Wesen, stark, intelligent, schön, aber auch sinnlich zugleich dargestellt. 

Die Schönheit der Lebensmitte

Bei der London Fashion Week bekommen aber nicht nur Mütter die Anerkennung, die ihnen zusteht, auch die Lebensmitte steht während der Modewoche immer wieder im Fokus. Nicht als Inszenierung einer Modenschau, sondern durch die Wahl der Models. Labels wie Roksanda, Banshee of Savile Row und Labrum London machen beim Alter von 30 nicht Halt, und zeigen, mit ihren Ü45-Models, dass Mode alle Frauen betrifft und kein Ablaufdatum kennt. 

Models bei Roksanda, Banshee of Savile Row und Labrum London. 
Models bei Roksanda, Banshee of Savile Row und Labrum London.

Obwohl Frauen in und jenseits der Lebensmitte wohl den größten Absatzmarkt der Modeindustrie ausmachen – schon allein durch ihre finanzielle Lage – sind sie noch immer unterrepräsentiert in Mode-Kampagnen. Dabei sind Models wie Erin O’Connor, Bogna Sworovska und Cheryl Freeman gute Beispiele dafür, dass Stil, Ausstrahlung und Selbstsicherheit mit dem Alter wachsen können. Und genau das sehen auch die Modedesigner:innen der London Fashion Week. Ob graue Haare, blonde Haare, Kurven oder Falten: Diversität, Selbstbewusstsein und Ausstrahlung zeichnen die Schönheit von Weiblichkeit aus. In Zukunft wollen wir gerne mehr davon sehen. 

Quelle: Mode

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