Verheiratet, aber an verschiedenen Orten zu Hause: Für Katrin, 52, und Eduard, 53, hat dieses Modell neue Möglichkeiten eröffnet.
Katrin: Als wir vor acht Jahren zusammenkamen, lebten wir 45 Minuten voneinander entfernt. Das war total okay, denn schließlich hatte jeder sein Leben aufgebaut: Ich wohne mit meinen Töchtern in einer Wohnung in München und möchte hier einfach nicht weg, Eduard braucht die Natur, Platz und muss laut sein können, weil er in seiner Freizeit gern hobbymäßig an Autos schraubt.
Eduard: 2020 musste ich aber wegen Eigenbedarf aus meinem gemieteten Haus ausziehen. Mir zog das sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weg. Das wollte ich nicht noch mal erleben, also suchte ich mir mit relativ schmalem Budget etwas Eigenes – und fand einen renovierungsbedürftigen Gasthof im Altmühltal nördlich von Ingolstadt. Das war eine einmalige Chance für mich! Nur die Entfernung war schwierig: Mit dem Auto liegen eine Stunde und 40 Minuten zwischen Katrin und mir, mit der Bahn noch eine Stunde mehr.

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Katrin: Ich fand den Gedanken an diese Distanz erst mal schrecklich. Ich wollte keine Fernbeziehung führen, in der wir uns maximal am Wochenende sehen! Doch was wäre die Alternative gewesen? Dass er in einer kleinen Stadtwohnung leben und sein Hobby aufgeben muss? Und auch ich wollte nicht aufs Land. Letztlich war es mit dieser Befürchtung wie mit so vielen: Sie hat sich in Luft aufgelöst. Denn da wir beide aus unseren ersten Ehen Kinder haben, sind die Strukturen klar: Eduard arbeitet montags und donnerstags in München und ist dadurch die halbe Woche bei mir und meinen Teenager-Kindern. Habe ich alle 14 Tage kinderfrei, fahre ich von Freitag bis Montagmorgen ganz entspannt mit dem Zug zu ihm. Außerdem telefonieren wir abends, bevor wir schlafen gehen und schreiben uns morgens eine Nachricht – und zwar immer.
Eduard: Diesen Rhythmus mussten wir aber erst finden. Am Anfang blieb ich zum Beispiel oft nur eine Nacht, was uns nicht gutgetan hat: Wir brauchen Zeit, um beieinander anzukommen, und konnten das Zusammensein nicht richtig genießen. Also haben wir nachjustiert. Im Leben muss man ja immer schauen: Welche Komponenten habe ich, was ist möglich, wie kombiniere ich das so, dass es für alle möglichst gut passt? Seitdem sind wir immer mindestens zwei Nächte zusammen. Heute haben wir das Beste aus zwei Welten: Das Leben in der Stadt mit Kultur und Freunden und das Leben bei mir – nicht nur für mein Hobby, auch für Katrins Leidenschaft, die Gartenarbeit. Das ist so normal, dass viele von Katrins Freundinnen und Bekannten gar nicht realisieren, dass ich eigentlich relativ weit weg wohne.
Katrin: Dass unser Modell so gut funktioniert, liegt sicher auch daran, dass wir beide Zeit und Raum für uns selbst und unsere Wünsche brauchen. Da wir keine gemeinsamen Kinder haben, können wir unser gemeinsames Leben leichter und freier gestalten. Wir müssen und wollen gar nicht in irgendeine Familien- oder Pärchenschublade passen. Dass wir 2023 geheiratet haben, erfüllt zwar doch ein Klischee, aber auch das ist uns herzlich egal. Wir wollten einfach das Bekenntnis zueinander und ein Fest mit allen feiern. Wie unsere Wohnsituation später mal sein wird? Ich weiß es nicht, und ich habe mittlerweile einfach aufgehört, mich damit verrückt zu machen. Wir müssen das nicht jetzt entscheiden. Dieser Gedanke ist sehr befreiend und für uns beide total in Ordnung.
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