Getrennt schlafen, besser lieben? : "Eine Nacht allein kann deshalb unglaublich regenerierend sein"

Getrennte Schlafzimmer gelten noch immer als Tabu. Wer nicht jede Nacht neben dem Partner oder der Partnerin einschläft, muss wohl Beziehungsprobleme haben – so zumindest die verbreitete Vorstellung. Die Autorin Cynthia Zak sieht das anders. Im Gespräch erklärt sie, weshalb besonders Frauen vom Alleinschlafen profitieren könnten und warum getrennte Betten die Intimität sogar stärken können. 

BRIGITTE: Frau Zak, warum beschäftigt Sie das Thema getrennt schlafen?

Cynthia Zak:
Weil ich selbst erlebt habe, wie sehr sich mein Leben verändert hat, als ich angefangen habe, allein zu schlafen. Ich habe besser geschlafen, intensiver geträumt und bin viel klarer und erholter aufgewacht. Aber es war nicht nur körperlich – auch emotional und mental war etwas anders. Das hat mich neugierig gemacht. Ich begann zu recherchieren, was im Schlaf eigentlich passiert und wie sehr wir von der Anwesenheit anderer beeinflusst werden. Schlaf ist ein extrem verletzlicher Zustand. Bewegungen, Geräusche, Gerüche oder auch die emotionale Energie eines anderen Menschen wirken auf uns ein – oft stärker, als wir denken.

Was sind die größten Vorteile des Alleinschlafens?

Für mich sind es eigentlich nur Vorteile – und viele davon sind wissenschaftlich belegt. Die verschiedenen Schlafphasen verlaufen stabiler, wenn keine Bewegungen, Geräusche oder nächtlichen Unterbrechungen durch eine andere Person dazukommen. Der Schlaf wird tiefer und erholsamer. Viele Menschen merken außerdem, dass sie erholter, kreativer und emotional stabiler sind. Für mich ist die Nacht ein Raum für Intuition und innere Ruhe. 

Dennoch verbinden viele Menschen getrennte Betten sofort mit Distanz oder Problemen in der Beziehung.

In unserer Kultur gilt gemeinsames Schlafen fast als Pflichtprogramm einer guten Beziehung. Wenn man getrennt schlafen möchte, denken viele sofort: Die Beziehung läuft nicht mehr. Dabei kann genau das Gegenteil passieren. Nähe undVerlangen können sogar größer werden, wenn man sich bewusst füreinander entscheidet – statt automatisch jede Nacht nebeneinanderzuliegen. In Kanada entscheiden sich laut Angaben von Dr. Colleen Carney vom Sleep and Depression Laboratory  40 Prozent aller Paare für getrennte Schlafstätten und berichten, dass ihr emotionale und körperliche Intimität nicht darunter leidet.

Und trotzdem haben viele Paare Angst, dass genau das passiert.

Das höre ich ständig. Deshalb sage ich immer: Fangt klein an. Niemand muss sofort getrennte Schlafzimmer haben. Vielleicht beginnt man einfach mit einer Nacht pro Woche. Wichtig ist, dass daraus kein Rückzug wird, sondern etwas Bewusstes. Man kann gemeinsame Abendrituale beibehalten, zusammen Zeit verbringen, lesen, sprechen und erst danach getrennt schlafen. Am nächsten Morgen spricht man vielleicht darüber, wie die Nacht war, was man geträumt hat oder wie man sich fühlt. Das kann Beziehungen sogar vertiefen.

Und was ist mit Sex?

Bei den alten Römern fungierte das Ehebett als Raum für sexuelle Begegnungen, aber nicht zum Schlafen. Genau das empfehlen Schlafexperten heutigen Paaren zum Ausprobieren. 

Sie sagen auch, dass Frauen oft stärker vom Alleinschlafen profitieren als Männer. Warum?

Viele Frauen erzählen mir, dass sie sich regelrecht nach einer Nacht allein sehnen. Oft merken sie erst dann, wie erschöpft sie eigentlich sind. Frauen passen sich historisch und gesellschaftlich häufig an die Bedürfnisse anderer an – auch beim Schlafen. Sie übernehmen emotional und organisatorisch oft mehr Verantwortung im Alltag. Eine Nacht allein kann deshalb unglaublich regenerierend sein. Männer reagieren oft skeptischer auf meine Thesen. Manche sagen scherzhaft, ich würde ihren Partnerinnen «gefährliche Ideen» in den Kopf setzen. Aber ich glaube, dahinter steckt häufig Angst, die Partnerin zu verlieren. 

Getrennte Schlafzimmer laufen auch unter dem Begriff «Sleep Divorce». Was halten Sie davon?

Mit dem Begriff kann ich wenig anfangen, weil das Wort «Divorce» (Scheidung) sofort etwas Negatives mitschwingen lässt. Dabei geht es nicht um Trennung, sondern um bewussten Schlaf und persönliche Freiheit. Für mich ist getrennt zu schlafen kein Zeichen von Distanz, sondern eher eine Einladung zur Neugier: Was verändert sich, wenn ich Raum für mich selbst habe? Oft entsteht dadurch nicht weniger Nähe, sondern eine neue Qualität von Verbundenheit – weil beide Menschen besser für sich sorgen können.

Manche Menschen sind überzeugt, dass sie sogar besser neben ihrem Partner oder der Partnerin schlafen. 

Das kann natürlich sein. Aber vieles davon ist auch Gewohnheit und kulturell geprägt. Wir lernen von klein auf, dass gemeinsames Schlafen romantisch und normal ist. Wenn jemand wirklich gut mit dem Partner schläft, ist das wunderbar. Ich möchte niemandem etwas ausreden. Aber ich lade trotzdem dazu ein, es einfach einmal auszuprobieren. Beobachtet danach, wie ihr euch fühlt – körperlich, emotional, mental. Viele sind überrascht, wie positiv die Wirkung ist.

Warum messen wir dem gemeinsamen Bett gesellschaftlich überhaupt so viel Bedeutung bei?

Das ist stark kulturell geprägt. In anderen Kulturen oder religiösen Traditionen gibt es ganz andere Modelle. Viele dieser Vorstellungen sind so tief in uns verankert, dass wir sie kaum noch hinterfragen. Besonders Frauen wurden historisch darauf konditioniert, sich an den Rhythmus des Mannes anzupassen – auch beim Schlafen. Dabei haben Frauen hormonell und biologisch oft ganz andere Bedürfnisse und Rhythmen. Der Schlaf ist ein extrem sensibler Zustand. Deshalb sollten wir uns erlauben zu fragen: Was brauche ich eigentlich?

Sehr viele Paare können sich schlicht kein zweites Schlafzimmer leisten. Was raten Sie?

Es muss nicht perfekt sein. Manchmal reicht schon eine Nacht auf dem Sofa oder auf einer Matratze im Wohnzimmer. Und wenn selbst das nicht möglich ist, kann man trotzdem bewusst mehr persönlichen Raum schaffen – etwa durch ein Kissen zwischen den Körpern, um sich gegenseitig Raum zu geben. Auch eine zweite Matratze im Schlafzimmer oder ein Futon zum Ausrollen können eine gute Möglichkeit.

Cynthia Zak Cover
Cynthia Zak bietet Frauen jeden Alters und Beziehungsstatus praktische und leicht anwendbare Rituale, um beim Schlafen wieder echte Ruhe und Entspannung zu finden. Sie zeigt, wie man die Nachtruhe aktiv gestaltet und sich Raum für sich selbst zurückerobert. Erscheint am 17. Juni 2026 bei Goldmann für 14 Euro.
© PR

Was, wenn der Partner verletzt reagiert?

Dann steckt meistens Angst dahinter – Angst vor Verlust oder Zurückweisung. Deshalb sollte man offen darüber sprechen und den anderen mit einbeziehen. Ich finde wichtig, zu sagen: «Ich gehe nicht weg von dir, sondern ich tue etwas für mich.» Das macht einfach einen großen Unterschied. 

Glauben Sie, dass jüngere Generationen offener für andere Modelle sind?

Eine Studie der «National Sleep Foundation» in den USA zeigt, dass 63 Prozent der Millennial-Paare und 62 Prozent der Gen-Z-Paare aufgrund unvereinbarer Schlafgewohnheiten in getrennten Betten schlafen. Jüngere Menschen hinterfragen traditionelle Beziehungsmodelle deutlich stärker und haben weniger Hemmungen, neue Wege zu gehen. Genau darum geht es letztlich: bewusst herauszufinden, was einem wirklich guttut, anstatt ungefragt Regeln und Erwartungen zu übernehmen, die möglicherweise gar nicht zu den eigenen Bedürfnissen passen.

Quelle: .

📰 Quelle: .

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert