Bausparen, Partnerwahl, Urlaub: Hätte ich öfter auf meinen Vater gehört, wäre ich jetzt vermutlich verbeamtete Eigenheimbesitzerin im Grünen. Lange wollte ich von seinen Finanztipps wenig wissen, weil sie nicht zu meinem Leben passten. Erst jetzt, mit 41 und eigener Familie dämmert mir: Mein Vater – aktuell auf Karibikkreuzfahrt – hatte meistens recht. Hier kommen seine besten Tipps.
1. Lass dich verbeamten!
Unkündbar, verlässliche Gehaltserhöhungen, am Ende eine fette Pension. Und kaputt machen muss man sich dafür – laut Papa – auch nicht. Er hat seinen sicheren Job im öffentlichen Dienst jedenfalls geliebt. Bereits als Kleinkind versuchte er mir einzutrichtern, dass ich entweder Zahnärztin, Beamtin oder Bankerin werden soll, weil man da zuverlässig gut verdient. Stattdessen machte ich mich als Autorin zeitweise selbstständig, reiste mit dem Laptop um die Welt – für ihn ein Graus. Nichts machte ihn glücklicher, als die Berufswahl meiner Schwester: Gymnasiallehrerin.
Was mich abschreckte: Sicherheit hat einen Preis, nämlich Freiheit. Das war nichts für mich, ich wollte lieber die Welt sehen und in meinem Traumjob arbeiten. Das habe ich auch nie bereut.
2. Such dir einen reichen Mann!
Dieser Spruch hat mich immer wahnsinnig wütend gemacht. Zumal es mich eher zu antikapitalistisch eingestellten Überlebenskünstlern oder abgebrannten Musikerin hinzog. Selten verdient mal ein Partner mehr als ich. Ich hielt es also wie Cher: «Dad, I AM a rich man.»
Nachteil: Heute hab ich den Salat und leider KEIN Ferienhaus in der Normandie. Tja.
3. Her mit den Prospekten!
Als Papa das «Bitte keine Werbung»-Schild an meinem Postkasten sah, war er fassungslos: «Aber dann kriegst du ja gar nicht die ganzen schönen Reklamehefte!» Bei meinen Eltern stapeln sich die Prospekte. Die Schnäppchen der Woche werden mit Textmarker angestrichen und auf Vorrat gekauft. Ist das limitierte Topangebot in der eigenen Filiale ausverkauft, fährt Papa auch mal in den nächsten Landkreis. Außerdem kauft er Sekt vor Silvester im Angebot auf Vorrat fürs ganze Jahr.
Learning: Saisonal und auf Vorrat kaufen spart Geld, aber nur bei Dingen, die du ohnehin verbrauchst und die nicht verderben. Und rechne die Spritkosten für den Landkreis-Ausflug mit.
4. Taxi? Dekadenz!
Wer ein Deutschlandticket hat, soll es gefälligst auch nutzen. Alles andere wäre Verschwendung. Deshalb fragt er mich nach einer Flugreise auch immer als erstes: «Und, wie bist du vom Flughafen nach Hause gekommen?» Wenn die Antwort «Mit dem Taxi» lautet, sagt er erstmal nichts mehr. In seiner Welt – gänzlich unverständlich. «Der Bus fährt doch fast bis vor deine Haustür!»
Was mich abschreckte: Ich will mir auch mal was «Unvernünftiges» gönnen dürfen.
5. Nutze Vitamin B!
Steuerberatung, Autowerkstatt, Kaminholz, KfZ-Versicherung: Nichts davon besorgt sich mein Vater auf «herkömmlichem Weg». Er kontaktiert Freund:innen und Bekannte, die ihm Sonderkonditionen geben, meist gleich für die ganze Familie. Verhandelt wird bei Cola-Korn in der Gartenhütte.
Nachteil: Chauvinistische Sprüche gab’s manchmal gratis zur günstigen Beratung dazu, schließlich war ich nur das «Töchterchen». Dann musste ich die Herren direkt wieder feuern.
6. Freunde dich mit Leuten an, die beim Pay-TV arbeiten!
Die Zeitung wird täglich gelesen, Ehrensache. Ein Abo hat Papa aber nie abgeschlossen. Stattdessen beteiligt er sich bei Nachbar:innen und holt sich die ausgelesene Zeitung nachmittags ab. Ersparnis: 50 Prozent. So ähnlich macht er es mit Streamings-Diensten und Bohrmaschinen. Außerdem kennt er Leute beim Pay-TV für die Bundesliga …
Nachteil: Nachdem ich ihm die Zugangsdaten für mein Spotify Premium gegeben hatte (weil er nicht einsah, selbst zu bezahlen), schmiss er mich ständig aus meinem Account, und statt Techno ertönte plötzlich Andrea Berg aus meinen Boxen. Hilfe!
7. Früh buchen!
Wochen- und monatelang werden Preise und Leistungen verglichen, Kataloge gewälzt. Gebucht wird stets mit Frühbucherrabatt. Und «All inclusive» – damit ihn im Ausland niemand über den Tisch ziehen kann oder er sich nicht mit dem landesüblichen Trinkgeld auseinandersetzen muss.
Nachteil: Papa ist auf wenige Länder begrenzt, die «All inclusive» zu guten Konditionen anbieten: Türkei, Kanaren, DomRep.
8. Lege dir einen Bausparvertrag zu!
Habe ich mit 20 gemacht und brav eingezahlt. Mit Anfang 30 habe ich ihn aufgelöst und bin um die Welt gereist. Eine Eigentumswohnung fand ich spießig. «Woher soll ich wissen, wo ich mal leben will?» Tja, hätte ich mal auf Papa gehört und zu günstigen Zinskonditionen schon in den frühen 2000ern eine Wohnung gekauft. Die hätte ich jetzt bestimmt schon abgezahlt … Wenn Papa heute hört, was ich in der City an Miete zahle, wird ihm ganz anders. Regelmäßig schickt er mir Anzeigen von Wohnungen im Umland – wo man noch «was für sein Geld bekommt». Zudem bietet er mir regelmäßig an, mit Kind und Kegel wieder in mein altes Kinderzimmer zu ziehen. «Ist doch groß genug!»
Learning: Wer früh sinnvoll in Immobilien investiert, kann sich im Alter zurücklehnen.
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