Heated-Rivalry"-Verlegerin: Die Frau, die weiß, was alle lesen wollen

Jeannette Bauroth bringt Bücher raus, die andere Verlage ablehnten. Und landete mit «Heated Rivalry» einen Mega-Hit.

Die Welt verzehrt sich nach der Eishockey-Serie «Heated Rivalry», und in Jeannette Bauroths Verlag Second Chances im thüringischen Steinbach-Hallenberg kommt ihr fünfköpfiges Team kaum hinterher, die Nachfrage nach der Buchvorlage zu bedienen. «Bei uns war in letzter Zeit häufig Bring-deine-Eltern-mit-zur-Arbeit-Tag», erzählt die Verlegerin und lacht. Auch ihre Mutter und ihr Vater halfen, exklusive Fan-Pakete mit einer Sonderausgabe von Rachel Reids Roman zu packen, die Muttis und Omas ihrer Kolleginnen waren ebenfalls am Start.

Ikonisches Paar: Shane und Ilya in der Kult-Serie.
Ikonisches Paar: Shane und Ilya in der Kult-Serie.

Gelesen hätten die älteren Helferinnen und Helfer das Buch nicht, sagt Bauroth. «Wenn die Frage kommt, um was es da geht, sage ich: um Freundschaft.» Was stimmt. Worum es auch geht: um Sex. Viel Sex. «Spice on Ice»: Das hat die Kult-Serie von «HBO Max» berühmt gemacht – und die literarischen Figuren Shane und Ilya sowie ihre Darsteller zu internationalen Superstars. Bei der Winter-Olympiade in Italien waren die Schauspieler Hudson Williams und Connor Storrie sogar Fackelträger – weil die Helden in Buch und Serie eben Eishockeyspieler sind, aus rivalisierenden Teams, der eine Kanadier, der andere Russe. Sie verlieben sich unsterblich ineinander, dürfen ihre Gefühle aber nicht zeigen, um ihre Karrieren nicht zu gefährden.

Frauen auf der ganzen Welt stehen auf diese Lovestory und fiebern mit zwei Männern, die so sehr leiden, dass man ihnen von Anfang an ein Happy End wünscht. Der Bürgermeister von New York, Zohran Mamdani, hatte Anfang des Jahrs während des Schneesturms in seiner Stadt zwecks Gefahrenabwendung gar den heißen Tipp: zu Hause bleiben und «Heated Rivalry» lesen!

Die Spürnase im Verlagswesen

Dass sich JeannetteBauroth die deutschen Taschenbuchrechte sichern konnte, hat sie ihrem Konzept zu verdanken: Der Second Chances Verlag gibt Büchern eine Chance, die in der Branche als Ladenhüter gelten. So war «Heated Rivalry» in Deutschland nur als E-Book zu haben, bevor Bauroth die erste Druckausgabe klargemacht hat. 2024 auf der Frankfurter Buchmesse, lange vor dem Hype um die Serie. Ihr Gespür für Stoffe, an die sonst keiner glaubt, hat Jeannette Bauroth ihren «ganz persönlichen Harry Potter» beschert, wie sie ihren Mega-Erfolg beschreibt.

Shane und Ilya auf dem Buch-Cover von "Heated Rivalry" (Second Chances Verlag).
Shane und Ilya auf dem Buch-Cover von «Heated Rivalry» (Second Chances Verlag).

Gegründet hat die studierte Literaturübersetzerin ihren Verlag, weil sie sich nicht damit abfinden wollte, dass gute Buch-Serien nicht fortgesetzt wurden. Wie der erste Roman in ihrem Programm, der dritte Band einer Drachen-Fantasy-Trilogie: «Ihr wollt Iskari 3, ihr kriegt Iskari 3», kündigte sie auf Social Media an. Und war überwältigt von der Reaktion der Fans: «Menschen haben geweint. Geschrieben, dass sie vor Freude schreiend durch die Wohnung springen – da wusste ich, das ist ein tragfähiges Verlagskonzept.»

Auch «Heated Rivalry» ist lediglich ein Band der siebenteiligen «Game Changer»-Reihe, in der die Kanadierin Rachel Reid nicht nur von Shane und Ilya erzählt, sondern auch von anderen queeren Paaren in der Eishockey-Szene. Doch mit dem Welterfolg sind die weiteren Bände für Bauroth in unerreichbare Ferne gerückt. Sie nimmt es sportlich und freut sich über ihren neuen Coup: Gerade hat sie sich eine Reihe gesichert, bei der sie selbst mitübersetzt hat, und die aktuell vergriffen ist: «Der Teufel trägt Prada»! Band 1 und 2 gibt es demnächst als Neuausgabe mit Farbschnitt in ihrem Verlag.

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