In «Push» wird geschrien, gepresst und entbunden. Am 22. Mai 2026 geht die erfrischende ZDF-Serie über Schwangerschaft und Geburt in die zweite Staffel. Die Macherin Luisa Hardenberg gibt Einblicke hinter die Geschichte.
Ein echter und ungeschönter Blick auf Geburt und Schwangerschaft ist selten. Die fiktionale ZDFneo-Serie «Push» begleitet drei Hebammen bei ihrem Klinikalltag und das ganz ohne Tabus und mit realistischen Szenarien. Die erste Staffel bekam viel Zuspruch und wurde mehrfach für Preise nominiert. Am 22. Mai startet nun die zweite Staffel mit zehn Folgen in der ZDF-Mediathek, ab dem 27.5. auch im Fernsehen. Die Creatorin und Head-Autorin Luisa Hardenberg, 40, hat mit BRIGITTE über den Einsatz echter Plazentas und die Idee hinter der Dramaserie gesprochen.
Krankenhausserien sind ein beliebtes Genre, auch im Vorabendprogramm. Was wollten sie mit «Push» anders machen?
Meine beiden Eltern sind Gynäkologen, ich bin mit Geschichten rund um Geburt aufgewachsen, das war normal. Meine Mutter hat vor meiner Schwester und mir immer betont: «Was der weibliche Körper da macht, ist ein Wunder». Ich bin mit einem Bewusstsein und einer Faszination dafür großgeworden und möchte immer von allen Leuten die Geburtsgeschichten hören – es sagt etwas über uns aus, wie wir ins Leben gekommen sind. Gleichzeitig haben alle meine Schwestern und Freundinnen unterschiedlichste Erfahrungen mit Kinderkriegen und Nicht-Kinderkriegen-können. Alle Geschichten sind individuell, aber sie ähnelten sich in einer Aussage: «Ich wusste nicht, dass das so ist. Warum hat mir das so keiner vorher erzählt?»
Ist das also die zentrale Botschaft, die Sie mit «Push» vermitteln wollen?
Ja. Lasst uns sichtbarer machen, was Frauen und auch Hebammen da erleben und was sie in dieser Zeit brauchen. Warum wird da ein Vorhang drüber gelegt? Ich will aber auch einen goodcry Moment schaffen und dabei etwas Politisches sagen. Deshalb beleuchtet die zweite Staffel auch die schwierigen beruflichen Bedingungen und das Schichtsystem.

© Nailya Bikmurzina
Schwangerschaft und Geburt wird in Serien und Filmen oft ähnlich dargestellt: Die Frau bekommt Wehen, fährt ins Krankenhaus, gebärt auf dem Rücken liegend. In «Push» ist das anders: Da gebärt die eine im Krankenhausflur, die andere in der Wanne, die nächste hockend. Ein Wagnis?
In der Serien- und Filmwelt werden Schwangerschaft und Geburt sehr eindimensional gezeigt. Als hätte jede Frau ein ähnliches Erlebnis: positiv besetzt und einfach glücklich. Das ist nicht immer die Realität. Ich finde wichtig, es ehrlicher und vielschichtig zu erzählen – die romantische Brille absetzen. Gleichzeitig überprüfe ich mich immer wieder, erzählerisch eine Balance zwischen Drama und positiven Emotionen zu finden, denn für viele ist es wirklich das große Glück und etwas Schönes.
An wen ist die Serie gerichtet?
In erster Linie an Frauen. Ich wünsche mir, dass sie sich gesehen fühlen, mit all ihren eigenen Anteilen an diesem Thema. Niemand soll sich schlecht fühlen, falls die Geburt zum Beispiel eine negative Erfahrung war. Die Serie ist aus überdurchschnittlich weiblicher Perspektive erzählt, wir haben ein überdurchschnittlich weibliches Ensemble und bewusst darauf geachtet, ein überdurchschnittlich weibliches Team zu bilden. Nicht, weil ich Männer ausschließen will, aber weil es diese Art zu arbeiten einfach noch relativ wenig gibt. Ich würde mir aber wünschen, dass viele Männer gucken!
Die Serie wirkt medizinisch sehr akkurat. Wie sah Ihre Recherche vorab aus?
Ich habe vor Staffel 1 mit vielen verschiedenen Hebammen Interviews geführt, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was wiederkehrende Themen sind. Zusätzlich habe ich viel gelesen und mit Frauen gesprochen, die Berührungspunkte hatten, um die Emotionen zu erfassen. Ich bin dankbar, dass alle so offen mit mir gesprochen haben.
Sie hatten auch eine Fachberaterin an ihrer Seite.
Christiane Hammerl ist Beleghebamme in Berlin und ein großes Geschenk. Bei beiden Staffeln habe ich schon im frühen Entwicklungsprozess eng mit ihr zusammengearbeitet und kann mich jederzeit rückversichern. Sie liest alle Drehbücher und betreut den Dreh, das heißt auch die Regisseurinnen und Schauspielerinnen können mit ihr sprechen. Sie macht einen Unterschied für unsere Serie, weil sich alle sicher fühlen und es wahrhaftiger wird.

© ZDF/Andrea Hansen
In der ersten Staffel kam auch eine echte Plazenta zum Einsatz.
In der zweiten Staffel auch. Der Anspruch ist, möglichst viele Dinge möglichst echt zu zeigen. Christiane bringt uns die Plazenta immer aus der Klinik mit. Dort gibt es eine Tonne, die voll mit Plazentas ist. Gekühlt hält die Plazenta auch lange, zum Dreh wird sie dann aufgetaut. Wir zeigen auch echte Babys und Schnittmaterial eines echten Kaiserschnitts, den wir in einem Krankenhaus in Berlin-Zehlendorf dokumentarisch mitdrehen durften. Darauf bin ich sehr stolz. Ich glaube, es lohnt sich, damit man diese Bilder von einer Geburt normaler findet. Es ist Teil vom Leben.
Wie waren die Reaktionen der Zuschauer:innen?
Wir haben sehr viel Feedback von Hebammen bekommen, die sich bedankt haben, weil sie sich gesehen fühlten. Da ist mir das Herz aufgegangen, denn für sie und allgemein für Frauen mache ich das ja eigentlich. Es kam viel emotionales und persönliches Feedback, das habe ich selten bei einem Projekt so erlebt.
Gab es auch negative Rückmeldungen?
Es gab den kritischen Punkt, dass wir das Thema Gewalt unter der Geburt nicht behandelt haben. Ich weiß das, ich habe viel darüber gelesen und es beschäftigt mich. Da kam die Frage auf, ob wir Hebammen zu heldinnenhaft erzählen – und das ist ein valider Punkt. Ich wollte aber Hebammen als Positivbeispiel und als Heldinnen erzählen. Trotzdem hat es mir zu denken gegeben und in der zweiten Staffel streife ich das Thema.
Gab es Themen, die ihnen für die zweite Staffel besonders wichtig waren?
Ich wollte gerne das Schichtsystem beleuchten und zeigen, wie verschieden die Arbeit und die Betreuung sein kann. Auch das Thema Trisomie 21 stand für mich früh fest. Dabei hat mich die Hebamme Amelie Suermann unterstützt, sie ist auf die Diagnose spezialisiert und hat selbst eine Tochter mit Trisomie 21.
Ist das Thema Geburt und Schwangerschaft für Sie jetzt auserzählt?
Nein, da gibt es noch viel zu erzählen.
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