Wir müssen über Scheidentrockenheit reden, findet Alexandra Brinckmann. Die Münchnerin geht mit gutem Beispiel voran und erzählt von ihren Erfahrungen mit vaginaler Atrophie – und darüber, warum Frauen diese Beschwerden nicht still ertragen müssen.
BRIGITTE: Frau Brinckmann, wann haben Sie gemerkt, dass mit Ihrem Körper etwas nicht stimmt?
Alexandra Brinckmann: Im Zuge meiner Wechseljahre bemerkte ich erste Veränderungen im Intimbereich: Meine Haut wurde trockener, empfindlicher und von dauerhaftem Juckreiz begleitet.
Unangenehm!
Am deutlichsten habe ich das beim PAP-Abstrich im Rahmen der Krebsvorsorge gespürt. Eine Untersuchung, die eigentlich Routine sein sollte, wurde für mich zu einer schmerzhaften Tortur, die Schmerzen waren so stark und ungewohnt, dass sie mich völlig erschüttert haben. Nach ein paar Tagen rief mich meine Frauenärztin an und sagte mir, dass der Abstrich kein Ergebnis gebracht habe und wiederholt werden müsse. Erst da bekamen meine Symptome endlich einen Namen: vaginale Atrophie. Nach dem Telefonat habe ich erst einmal viele Stunden im Internet recherchiert, was dieses Krankheitsbild genau ist, welche Symptome es aufweist und was man dagegen tun kann.
Auch beim Sex hatte ich das gemerkt. Ich war 23 Jahre mit einem Mann zusammen, danach eine Weile ohne Partner. Als ich dann wieder Sex hatte, war dieser sehr schmerzhaft, und ich konnte den Zustand nicht einordnen. Besonders bemerkenswert finde ich im Rückblick: In meiner Familie wurde über dieses Thema nie gesprochen, und auch meine Freundinnen haben sich nie dazu geäußert.
Wie ging es nach der Diagnose weiter?
Die vaginale Atrophie macht die Schleimhaut dünner, trockener und anfälliger, was eine klare Beurteilung der Zellen erschwert und wiederholte Abstriche notwendig macht. Damit die Untersuchung bei mir überhaupt durchgeführt werden konnte, musste meine Vaginalschleimhaut vorher mit hormonhaltigen Vaginalzäpfchen vorbehandelt werden. Erst dadurch war eine zuverlässige Auswertung des PAP-Abstrichs möglich. Eine solche Vorbehandlung verbessert die Zuverlässigkeit von Zellabstrichen deutlich, das bestätigen mir auch Frauenärztinnen und Frauenärzte in meinem Umfeld.
Aber das war keine dauerhafte Lösung für Sie?

Ich habe Hormone noch nie gut vertragen, schon die Pille hat mir damals psychisch sehr zugesetzt. Hinzu kommt, dass meine Mutter an Unterleibskrebs erkrankt war, wodurch ich für dieses Thema besonders sensibilisiert bin. Im Austausch mit anderen Frauen habe ich gemerkt, wie unterschiedlich diese Entscheidung ausfällt: Manche entscheiden sich für bioidentische Hormone, andere bewusst dagegen. Am Ende ist man mit dieser Entscheidung ziemlich auf sich allein gestellt. Da Scheidentrockenheit eines der Hauptsymptome der vaginalen Atrophie ist und ich hormonhaltige Arzneimittel auf Dauer nicht vertrage, blieb für mich danach ein ungelöstes Problem: die anhaltende Trockenheit im äußeren Intimbereich und der starke Juckreiz.
Was hat Sie schließlich dazu gebracht, eine eigene Intimcreme zu entwickeln?
Ich arbeite viel mit Ärztinnen und Ärzten zusammen und bin dadurch sehr auf wissenschaftliche Studien fokussiert. Meine Frauenärztin hatte mir eine Intimcreme empfohlen, die extrem fettig war und einen schmierigen Fettfilm in der Unterhose hinterließ. Außerdem ist mir aufgefallen, dass dort in riesiger Schriftgröße «Vagina» stand, was ich sehr unattraktiv fand, ich hatte das Gefühl, meine Intimcreme im Bad verstecken zu müssen. Ich hatte nur gedacht: Das haben sicher keine Frauen für uns Frauen liebevoll entwickelt …
Damit begann meine Suche nach einer hormonfreien, wissenschaftlich geprüften Intimpflege für die äußerliche Anwendung. Dabei stieß ich auf Forschungsergebnisse zu Fenchelextrakt, dessen Phytoöstrogene gute Effekte bei der Behandlung von Scheidentrockenheit zeigten. Da es jedoch kein Präparat mit 5 Prozent Fenchelextrakt auf dem Markt gab, entstand die Idee, eine wissenschaftlich fundierte und natürliche Intimcreme entwickeln zu lassen.
Wie haben Sie das gemacht?
Ich habe mich durch zahlreiche Studien und Fachliteratur gearbeitet, jede Rezeptur an mir selbst getestet und meine Freundinnen um ehrliches Feedback gebeten. Es hat lange gedauert, einen Fachmann für natürliche Intimcremes in Deutschland zu finden, so lange, bis sie meinen Ansprüchen entsprach und auch beim Baden hielt, damit der Scheidenjuckreiz nicht wiederkam. Das Layout der Verpackung habe ich ebenfalls selbst gestaltet, bis es mir wirklich gefallen hat. Ich habe viel Zeit und meine gesamten Ersparnisse in dieses Projekt investiert, nach etwa einem Jahr konnte ich die Creme produzieren lassen. Versprechen möchte ich damit nichts, aber wenn sie mir geholfen hat, dachte ich, kann sie vielleicht auch anderen Frauen helfen.
Was kann so eine Creme leisten, und was nicht?
Das ist mir wichtig, klarzustellen: Eine Intimcreme wirkt rein äußerlich. Sie kann die Symptome der Scheidentrockenheit lindern, aber nicht die vaginale Atrophie selbst behandeln, bei der sich die Zellstruktur der inneren Scheidenschleimhaut durch den Östrogenmangel verändert. Manche suggerieren, eine Intimcreme könne die Atrophie selbst heilen, das ist fachlich falsch, das bestätigen mir auch Frauenärztinnen und Frauenärzte in meinem Umfeld. Es gibt nicht das eine Allheilmittel gegen Scheidentrockenheit und vaginale Atrophie, es ist manchmal die Kombination: die Intimcreme für außen, bei Bedarf Vaginalpräparate wie Hormonzäpfchen, Vaginalhormoncremes oder Hormon-Vaginal-Tabletten für innen.
Ebenso liegt mir daran, dass Frauen wissen: Es gibt auch natürliche Lösungen für den äußeren Intimbereich, die gegen Scheidentrockenheit als Ergänzung zur klassischen Hormontherapie helfen. Und man muss es regelmäßig anwenden, nicht nur bei Bedarf, so wie ich auch meine Gesichtscreme morgens und abends benutze. Es gehört einfach zur Pflegeroutine. Das Problem ist ja, dass man erst mal gar nicht weiß, was man tun muss. Bei mir hat die Intimcreme dazu geführt, dass ich mich bei alltäglichen Dingen wie Fahrradfahren, Baden oder Schwimmen gehen viel wohler fühle, weil der Juckreiz wegbleibt, der sehr unangenehm sein kann.
Warum, glauben Sie, reden wir so wenig darüber?
Die Generation unserer Mütter hat nie gelernt, über intime körperliche Veränderungen zu sprechen, weil diese Themen als schambehaftet und tabu galten. Das müssen wir jetzt nachholen. Dazu kommt: Frauenärztinnen und Frauenärzte erhalten für eine ausführliche Wechseljahresberatung von der gesetzlichen Krankenkasse keine Vergütung, das steht schlicht nicht im Vergütungskatalog. Kein Wunder, dass dafür keine Zeit bleibt.
Aber der eigentliche Kern ist, glaube ich: Viele Frauen haben schlicht im Alter nicht mehr so viel Sex und erzählen das nicht mal ihren Freundinnen oder ihrer Frauenärztin. Man merkt gar nicht, dass man betroffen ist, wenn man es nicht mitbekommt. Ich habe früher auch gedacht, alle Frauen hätten beim Sex einen Orgasmus, nur ich nicht, und habe einen vorgespielt. Bis ich irgendwann mit drei Freundinnen in der Küche saß und merkte: Bei denen geht das auch nicht einfach so.
Sie sprechen auch von einem Gefühl, dass der eigene Körper «versagt».
Ja, das trifft es total. Man wird älter, hat vielleicht Falten, ist müder, nicht mehr so leistungsfähig – das ist schon ein Päckchen, das man trägt. Und dann kommt noch dieses Thema dazu, das sich so unsexy anfühlt. Was ich sehr traurig finde: Wir Frauen tun oft so, als sei das einfach der natürliche Alterungsprozess, den man hinnehmen muss. Aber das stimmt nicht. Wir können wirklich etwas dagegen tun und uns wieder wohlfühlen.
Was würden Sie anderen Frauen raten, die Beschwerden haben, sich aber nicht trauen, darüber zu sprechen?
Mein Rat ist: Wenn das erste vom Arzt oder der Ärztin verschriebene Präparat nicht das Richtige ist, sollte man dies ansprechen und ein neues ausprobieren, damit sich die Beschwerden bessern. Es darf auf keinen Fall so weit kommen, dass man auf die Krebsvorsorge verzichtet, weil die Untersuchung so wehttut. Falls also beim PAP-Abstrich starke Schmerzen entstehen, sollte man dies ebenfalls der Ärztin mitteilen und fragen, ob es eine Lösung gibt, sodass die Untersuchung aushaltbar ist.
Was die Offenheit angeht, sind Sie ja das beste Vorbild …
Ich möchte andere Frauen ermutigen, offen damit umzugehen, deshalb gehe ich selbst aus der Anonymität heraus. Es ist wichtig zu wissen, was vaginale Atrophie und Scheidentrockenheit bedeuten und welche Symptome damit verbunden sind, sodass unter anderem Juckreiz und Schmerzen im Intimbereich kein unausgesprochenes Leiden bleiben. Ich wünsche mir, dass vaginale Routineuntersuchungen bei Frauenärztinnen und Frauenärzten nicht unnötig schmerzhaft sind und Frauen diese Beschwerden frühzeitig einordnen können.
Am Ende geht es mir darum, dass wir das nicht als Leiden erzählen, sondern lösungsorientiert: Da hat sich etwas verändert, was kann ich tun, damit es mir wieder besser geht? Frauen müssen solche Schmerzen nicht länger stillschweigend ertragen, es gibt Lösungen.
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