Klartext mit Rosie O'Donnell: Kann ein Facelift feministisch sein?

Viele tun es, aber die wenigsten stehen dazu. Denn eine Frage steht bei jedem Facelift im Raum: Unterwerfen wir uns damit unwiderruflich dem männlichen Blick? Die queere US-Komikerin Rosie O’Donnell, 64, hat ihre eigenen Erfahrungen mit dem Thema gemacht –  und spricht ganz offen darüber.

Je älter ich werde, desto mehr hadere ich beim Blick in den Spiegel: Die Linien im Gesicht werden tiefer und länger, Haut und Haare grauer und dünner. Und das ist bekanntlich nichts, was in unserer Welt positiv bewertet wird. Gerade bei Frauen lautet die Gleichung nicht Alter gleich Lebenserfahrung, sondern Alter gleich fehlende Attraktivität. 

Auch Freundinnen habe ich schon dabei beobachtet, wie sie sich vorm Spiegel die Wangen straffziehen. Für einen Moment fantasieren wir uns ein Facelift herbei, um den Gedanken sofort wieder zu verwerfen. Schließlich ist es keine gute Idee, sich per Skalpell verjüngen und aufhübschen zu lassen: Einiges kann dabei schiefgehen und vor allem gleicht es einer Kapitulation vor dem Patriarchat, für einen schmerzhaften, blutigen Eingriff viel Geld hinzublättern, nur um ansprechender auszusehen. 

Rosie O’Donnell war stolz darauf, Schönheits-OPs abzulehnen

So ähnlich dachte auch die queere US-Komikerin Rosie O’Donnell viele Jahre lang. Sie ist 64, erklärte Feministin, und stellte nach einer Gewichtsabnahme fest, dass sie starke Mundwinkelfalten entwickelt hatte.

«Ich hatte zwei sehr große Marionettenfalten und sah dadurch wirklich traurig aus», erzählte sie dem Magazin «People». Immer wieder sei sie gefragt worden, «Rosie, bist du okay? Du siehst aus, als ginge es dir nicht gut!», worauf sie geantwortet habe: «Ich bin glücklich. Es ist mein Gesicht». Ihre Freunde in L.A., die alle «was haben machen lassen», hätten ihr daraufhin vorgeschwärmt, wieviel besser es ihnen seit ihrem Eingriff ginge, und sagten ihr: «Du wirst dich frei und besser fühlen und nicht mehr so oft mit deinem Spiegelbild kämpfen.»

Sie sei jedoch immer stolz darauf gewesen, eine Frau zu sein, für die ein Facelift niemals infrage kommt, so O’Donnell in einem Beitrag bei «Substack». Als Feministin habe sie gedacht: Der Wunsch nach Schönheitseingriffen sei «das Patriarchat, das ist der männliche Blick, und das ist nichts, woran ich glaube.»

«Ich dachte, das sei Betrug. Am Feminismus. Am Altern. An unserem Frauen-Team auf der ganzen Welt.» 

Und dann wollte sie den Eingriff doch

Dann nahm sie 25 Kilo ab und die Linien um ihren Mund wurden länger und tiefer. Irgendwann sei sie an den Punkt gelangt, wo sich die Akzeptanz ihrer Falten «wie eine Lüge» angefühlt habe. Sie spürte, dass sie den Eingriff wollte. 

Allerdings hatte sie die Rechnung ohne ihre Tochter gemacht. Die 13-jährige Clay hielt wenig von der Idee und warnte: «Weißt du, Mama, junge Mädchen schauen zu dir auf. Wofür steht denn dein Vermächtnis, wenn du das machst?»

Trotz der Einwände ihrer Tochter entschied sich O’Donnell einige Monate später für den Eingriff. Ihre Erklärung: «Ich muss tun, was für mich richtig ist. Denn das ist die wahre Macht des Feminismus: Dass Frauen entscheiden dürfen, was sie mit ihrem Körper machen – und wann.»

Und ja, Feminismus ist die Freiheit, zu entscheiden, was wir mit uns, unserem Körper und unserem Leben anfangen. Und doch bewegen wir uns nie im luftleeren Raum, sind geprägt von patriarchalen Diskursen, die junge, normschöne Frauen feiern und alle anderen abwerten. Die innere Freiheit, den männlichen Blick aus unserem Kopf zu verbannen, haben bislang die wenigsten von uns. Aber so lange wir uns dessen bewusst sind, wir sind auf einem guten Weg.

Quelle: .

📰 Quelle: .

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert