Mette Frederiksen: Premierministerin wehrt sich gegen Kommentar zur Nase

Die Premierministerin von Dänemark bekommt eine Anfrage von einem Schönheitschirurgen – kein Scherz. Doch ihre Reaktion darauf sorgt für Zuspruch.

Stell dir vor, du bist die jüngste Premierministerin deines Landes, befindest dich bereits in der dritten Amtszeit und bist jeden Tag mit großen politischen Fragen, wie Krieg oder der Verbesserung im Bildungswesen, konfrontiert. Doch am Ende des Tages interessieren viele Menschen nur deine vermeintlichen äußeren Makel. Das ist Mette Frederiksen, der dänischen Premierministerin, passiert.

Schlechte Frage – gute Antwort

Sie sei in Kiew gewesen, habe noch den Luftalarm gehört, während sie das Land verließ. Wieder in Dänemark angekommen, erreichte sie auf Instagram diese Nachricht: «Hallo Mette, sollen wir diese kleine Stelle an deiner Nase korrigieren? Herzliche Grüße, […] Plastischer Chirurg» – ein Beauty-Doc auf der Suche nach Kundinnen. Ihre Antwort fiel daraufhin so aus: «Oh nein. Ich bin mit meinem Körper zufrieden und brauche wirklich keinen männlichen Schönheitschirurgen, der sich dazu äußert!» Den Screenshot vom Chatverlauf postet sie ebenfalls auf Instagram.

«Ich kann gar nicht zählen, wie viele Nachrichten ich im Laufe der Zeit zu meinem Aussehen erhalten habe. Vor allem, dass ich hässliche Zähne und dünnes Haar habe.», kommentiert Frederiksen ihren Beitrag. Sie habe auch schon mehrfach Botox-Behandlungen empfohlen bekommen. «Ich mische mich nicht ein, was andere mit ihrem Aussehen machen. Ich selbst komme gut mit meinem Körper zurecht. So wie er nun einmal ist, wenn man eine Frau ist und auf die 50 zugeht.» 

Warum kommentieren wir immer noch ungefragt die Körper anderer Menschen, insbesondere die von Frauen? Die Schönheitsideale, die an Frauen gestellt werden, sind absurd: Sei nicht zu dünn und nicht zu dick, die Haut sollte den perfekten Glow haben, das Outfit darf nicht zu freizügig sein, aber es wäre auch sehr konservativ, wenn es hochgeschlossen ist. 

Die Problematik von Schönheitsidealen

Umso wichtiger, dass die Premierministerin diese Nachricht öffentlich macht. Denn dadurch wird nicht nur wieder deutlich, dass Frauen immer noch zum Objekt gemacht und auf ihr Aussehen reduziert werden. Selbst als objektiv erfolgreiche Frau – Regierungschefin eines Landes – ist das «perfekte» und meist jugendliche Aussehen immer noch Pflicht. 

Die Journalistin und Buchautorin Rebekka Endler beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Feminismus. In einem Interview erklärt sie: «Je feministischer sich eine Gesellschaft entwickelt, desto mehr steigt das patriarchale Interesse, wieder Macht auf weiblich gelesene Körper auszuüben. Dies geschieht dadurch, dass die Richtlinien, wie sie auszusehen haben, strenger werden.» Denn würden Frauen einen Großteil ihrer Zeit darauf verwenden, das passende Gewicht zu erreichen und die richtigen Beautybehandlungen vorzunehmen, bliebe nur noch wenig Energie und Zeit für die Dinge, die dem Patriarchat gefährlich werden. 

Das öffentliche Statement von Mette Frederiksen ist umso wertvoller: eine 48-jährige Frau, die, wie sie es selbst nennt, zu ihren «perfekten Unvollkommenheiten» steht! In den Kommentaren zu Frederiksens Beitrag findet sich jedenfalls viel Zuspruch und dabei kommt mal wieder die Frage auf: «Würde einem Mann die gleiche Frage gestellt werden?»

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