Mit 50+ fürs Alter vorsorgen: Wie du ab jetzt bis zur Rente Vermögen aufbaust

Im Alter jeden Cent umdrehen und in Armut leben? Das will natürlich keine von uns. Aber wir müssen aktiv werden. Ab 2027 bietet das Altersvorsorgedepot attraktive Zuschüsse fürs Alter. Wie viel wir mit 50+ bis zur Rente noch für uns rauhsholen können, rechnen wir vor. 

Endlich angehen statt Aufschieben: Wir wollen das Leben im Alter finanziell nicht dem Zufall überlassen. Marzena Hofrichter, Finanzexpertin beim Vermögensverwalter Franklin Templeton, erklärt, wie wir uns jetzt ohne Stress auf das neue Altersvorsorgedepot vorbereiten und zeigt, wie viel Geld wir on top in der Rente bekommen können.

BRIGITTE: Das Altersvorsorgedepot soll 2027 kommen: Wie kann ich mich jetzt als Frau darauf einstellen?

Marzena Hofrichter: Man muss nicht bis zum 1. Januar 2027 warten, um sich vorzubereiten. Das Altersvorsorgedepot wird vielen Menschen erstmals einen stärker kapitalmarktorientierten Zugang zu einer geförderten privaten Altersvorsorge eröffnen. Es lohnt sich, jetzt die Grundlagen zu schaffen: 

Der 1. Schritt ist ganz praktisch: einen Überblick über die eigenen Finanzen bekommen. Wie viel Geld kommt monatlich rein, wieviel geht raus, welcher Betrag bleibt regelmäßig übrig? Bevor man langfristig investiert, sollte außerdem eine Reserve, beispielsweise auf einem Tagesgeldkonto, vorhanden sein. Die ist für unerwartete Ausgaben, etwa für Reparaturen und andere unerwartete Ausgaben. 

Der 2. Schritt ist Wissen: Wer versteht, was ein ETF ist, warum Kurse schwanken und warum ein langer Anlagehorizont wichtig ist, kann souveräner entscheiden. 

Was sollte ich tun, wenn ich in Zukunft in das Depot einzahlen möchte?

Ein normaler ETF-Sparplan kann heute schon ein guter Weg sein, um erste Erfahrungen zu sammeln. Dabei geht es nicht darum, sofort hohe Beträge zu investieren, sondern ein Gefühl für regelmäßiges, langfristiges Anlegen zu entwickeln. Sobald das Altersvorsorgedepot — kurz AV-Depot— verfügbar ist, sollten Anlegerinnen dann genau vergleichen: 

  • Welche Kosten fallen an? Welche Anlageoptionen gibt es? Wie hoch ist die Förderung? Und passt die Risikostruktur zur eigenen Lebenssituation?
  • Das AV-Depot ist kein Tagesgeldkonto, sondern eine langfristige Vorsorgelösung mit langfristig attraktiven Renditechancen, die der Kapitalmarkt bietet.
  • Während der Ansparphase kann es selbstverständlich zu Wertschwankungen kommen. Anders als andere teure Vorsorgelösungen bietet es zwar keine Kapitalgarantie. Aber wer langfristig in den Kapitalmarkt investiert, kann viel dafür tun, seine Altersvorsorge zu verbessern. Die Anlage erfolgt ganz einfach über ETFs oder Fonds. Und das Ganze ist staatlich gefördert. 

Hat jede:r in Deutschland Zugang zum AV-Depot:?

  • Der Zugang soll deutlich breiter als bei der geförderten Riester-Rente sein. Förderberechtigt waren bisher vor allem Menschen, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind, etwa Arbeitnehmerinnen, Auszubildende oder bestimmte Eltern in Kindererziehungszeiten.
  • Künftig soll der Kreis erweitert werden, unter anderem auf bestimmte Selbstständige und Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungseinrichtungen.
  • Auch Ehe- oder Lebenspartner:innen können unter bestimmten Voraussetzungen zulageberechtigt sein.
  • Es gibt aber einige Gruppen, die nicht unmittelbar förderberechtigt sind. Deshalb sollte jede Person prüfen, ob sie persönlich die Voraussetzungen erfüllt. Kurzum: Das AV-Depot wird für sehr viele Menschen interessant.

Altersarmut bei Frauen bekämpfen

Altersarmut trifft Frauen oft hart. Wie viel kann das AV-Depot da bewegen? 

Die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern lag laut Statistischem Bundesamt 2023 bei rund 27 Prozent. Frauen ab 65 waren zudem häufiger armutsgefährdet als Männer, nämlich etwa 21 Prozent gegenüber rund 16 Prozent. Das AV-Depot kann helfen, weil es einen niedrigschwelligen Zugang zu kapitalmarktorientierter Vorsorge schafft. Es ist also eine Möglichkeit, langfristig stärker an den Renditechancen der Kapitalmärkte teilzuhaben. Und die Beiträge werden staatlich gefördert. Aber es ist kein Allheilmittel. Wenn Frauen das Thema Finanzen dauerhaft nicht angehen, passiert zwar nicht sofort etwas Dramatisches. Aber genau das ist das Problem. Die Konsequenzen zeigen sich meist erst später. Dann fehlt Geld für Spielräume: für eine Wohnung, Gesundheit, Reisen, Hilfe im Alltag. Nichtstun ist bei Geld leider auch eine Entscheidung. Und je länger man wartet, desto mehr muss man später aufholen.

So viel Geld kannst du mit 50 bis zur Rente rausholen

Stellen wir uns vor: Eine Frau, 50 Jahre alt, hat noch nie fürs Alter gespart. Sie denkt, es ist zu spät. Ist es das wirklich? 

Zunächst einmal: auch mit 50 ist es nicht zu spät. Es ist nur anders als mit 30. Wer mit 30 beginnt, hat mehr Zeit für den Zinseszinseffekt. Wer mit 50 beginnt, hat weniger Zeit, aber immer noch genug Jahre, um einen echten zusätzlichen Baustein aufzubauen. Wichtig ist dabei Ehrlichkeit: Ein Start mit 50 wird keine komplette Rentenlücke schließen. Aber er kann den Unterschied machen zwischen «ich habe gar nichts zusätzlich» und «ich habe einen Puffer, der mir im Alter monatlich mehr Freiheit gibt». 

Das Geld gibt es dann in der Rente on top

Was kann sie mit dem AV-Depot bis 67 erreichen, wenn sie jetzt startet?

Eine einfache Beispielrechnung könnte so aussehen: 
Du bist 50 Jahre alt, startest ab 2027 mit einem förderfähigen Altersvorsorgedepot und zahlst bis 67 ein. Das sind 17 Jahre. Um die maximale Grundzulage auszuschöpfen, zahlst du den maximal geförderten Eigenbeitrag von 1.800 Euro im Jahr ein, also 150 Euro im Monat. Voraussetzung ist, dass du zulageberechtigt bist und die weiteren Fördervoraussetzungen erfüllst. 

  • Dafür gibt es nach den vom Bundesfinanzministerium (BMF) beschriebenen Förderregeln bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr.
  • Diese Jahreszulage entspricht rechnerisch 45 Euro pro Monat; tatsächlich kann der Zahlungszeitpunkt der Zulage abweichen.
  • Der maximal geförderte Eigenbeitrag liegt bei 1.800 Euro pro Jahr, die maximale Grundzulage bei 540 Euro pro Jahr.
  • Die jährliche Einzahlung in einen Altersvorsorgevertrag kann höher sein; laut BMF ist sie auf 6.840 Euro begrenzt, gefördert werden davon bis zu 1.800 Euro Eigenbeitrag.
  • Zusammen ergibt das 39.780 Euro Einzahlungen inklusive Zulagen. Kinderzulagen, ein möglicher zusätzlicher Steuervorteil aus dem Sonderausgabenabzug und Kosten sind in dieser einfachen Rechnung nicht eingerechnet.
  • Wenn dieser rechnerische Gesamtbetrag von 195 Euro pro Monat über 17 Jahre investiert wird, kann daraus deutlich mehr werden.
  • Bei einer angenommenen durchschnittlichen Rendite von 3 Prozent pro Jahr wären es bei monatlicher Einzahlung am Monatsende rund 51.800 Euro. Bei 5 Prozent pro Jahr wären es rund 62.500 Euro. Bei 6 Prozent pro Jahr wären es rund 68.900 Euro. Das sind vereinfachte Beispielrechnungen vor Steuern, vor individuellen Kosten, ohne Garantie und ohne Berücksichtigung eines eventuell abweichenden Zahlungszeitpunkts der Zulagen.

     

Beispielrechnung

Annahme Betrag
Eigener Beitrag 150 Euro pro Monat
Staatliche Grundzulage (rechnerisch umgelegt) 540 Euro pro Jahr, rechnerisch 45 Euro pro Monat
Rechnerischer monatlicher Gesamtbetrag im Depot 195 Euro
Eigene Einzahlungen über 17 Jahre 30.600 Euro
Grundzulagen über 17 Jahre 9.180 Euro
Gesamte Einzahlungen inklusive Zulagen 39.780 Euro

Auf Basis der 5-Prozent-Variante: Wenn man zum Beispiel rund 62.500 Euro ab 67 bis 85 gleichmäßig entnimmt, also über 18 Jahre beziehungsweise 216 Monate, wären das überschlägig rund 290 Euro vor Steuern – ohne weitere Kapitalerträge in der Auszahlphase und ohne Kosten. Die tatsächliche Auszahlung hängt später vom Depotwert, von Steuern, Kosten, Auszahlmodell und Marktentwicklung ab. Nach den BMF-Angaben sieht das neue System in der Auszahlphase unter anderem die Wahl zwischen einer lebenslangen Leibrente und einem befristeten Auszahlungsplan vor, der mindestens bis zum vollendeten 85. Lebensjahr läuft. Für eine Frau, die bisher gar nichts gemacht hat, ist das nicht wenig. Rund 290 Euro brutto pro Monat können im Alter der Unterschied sein zwischen «das geht nicht» und «das geht». 

So verändert das AV-Depot dein Budget im Alter

Wie sollte das Leben einer Frau mit 70 aussehen, die ab 2027 mit dem AV-Depot anfängt? 

Meine Vision ist nicht, dass jede Frau mit 70 reich sein muss. Meine Vision ist, dass sie mit 70 freier ist. Freiheit heißt im Alter oft nicht Luxus. Freiheit heißt: Du kannst eine unerwartete Rechnung bezahlen, ohne Panik zu bekommen. Du kannst deine Wohnung warm halten. Du kannst dir eine gute Brille, Zahnersatz oder Physiotherapie leisten, ohne monatelang zu überlegen. Du kannst deine Freundin besuchen, deinem Enkelkind etwas schenken oder einmal im Jahr ein paar Tage wegfahren. Und du kannst Hilfe im Haushalt bezahlen, wenn du sie brauchst. Genau darum geht es bei Altersvorsorge: nicht um abstrakte Renditen, sondern um Würde und Selbstbestimmung. 

Was kann sie sich dann leisten, was sie sich ohne das AV nicht leisten könnte?

Ein AV-Depot wird aus niemandem automatisch eine wohlhabende Rentnerin machen. Aber es kann ein zusätzlicher Topf sein, der im Alter Spielräume schafft. Ich wünsche mir, dass Frauen beim Thema Geld nicht mehr denken: «Das ist nichts für mich.» Sondern: «Das ist ein Teil meiner Unabhängigkeit.» Wer heute anfängt, entscheidet nicht nur über eine Zahl auf einem Depotauszug. Sie entscheidet darüber, wie viel Wahlfreiheit sie später haben möchte.

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