Nicht drehen, nicht quetschen: So entfernst du Zecken richtig

Warme Temperaturen locken nicht nur uns Menschen heraus, sondern beflügeln auch Zecken zum Anbeißen. Die Leidtragenden dieser Beißlust sind Tiere und wir Menschen. Damit weder Viren noch Bakterien übertragen werden, ist schnelles, richtiges Handeln wichtig. 

Sommerzeit ist Zeckenzeit – nun, eigentlich ist ganzjährig Zeckenzeit, besonders in südlichen Bundesländern, doch gerade zur Sommerzeit scheinen sich die gemeinen Spinnentiere zu vervierfachen. Als Hundebesitzerin merke ich aber besonders jetzt, dass sich die krankheitsübertragenden Zecken im Fell meines Hundes sammeln, sobald er sich im Gras gewälzt hat. Eine schnelle Entfernung verhindert da das Anbeißen. Doch was ist, wenn sie sich schon festgebissen hat, bei einem selbst oder beim Haustier? Dann ist die richtige Entfernung das A und O!

Vermeide diese 3 Fehler beim Entfernen von Zecken

Social Media ist voll von vermeintlichen Tipps, wie man Zecken am besten entfernt, doch die stimmen oft nicht. Es gilt: 

  • Kein Quetschen!
  • Kein Drehen!
  • Keine Mittel aufträufeln, wie Öl, Alkohol, oder Wärme nutzen! 

Warum? Weil Öl das Erbrechen von Darminhalt oder Speichel der Zecke fördern kann und somit Erreger eher in die Wunde gelangen.

So geht’s richtig

Bei Zecken ist es wichtig, sie möglichst früh zu entfernen, denn je kürzer die Saugzeit ist, desto geringer ist das Risiko einer Erregerübertragung. Deutsche Fachstellen (RKI/BZgA) empfehlen, Zecken umgehend zu entfernen, ohne sie zu reizen oder zu quetschen und keine Hausmittel wie Öl, Klebstoff oder Hitze einzusetzen. 

Passende Werkzeuge für die Entfernung sind Zeckenhaken oder -karten sowie eine feine Pinzette. 

  1. Wasch zunächst deine Hände und lege die Pinzette oder die Zeckenhaken/-karten bereit.
  2. Setz das Werkzeug immer direkt über der Haut am Stechrüssel der Zecke an, der mit einem zahnartigen Widerhaken ausgestattet ist, nicht am (vollgesogenen) Körper der Zecke.
  3. Zieh sie langsam, kontrolliert und gerade nach oben und vermeide ruckartige Bewegungen. Dabei kann ein kleines Ploppen zu hören und zu spüren sein. Die Haut zieht sich leicht nach oben beim Herausziehen.
  4. Zur Nachsorge wird die Stelle desinfiziert und die Hände gewaschen. Notiere dir das Datum und beobachte die Einstichstelle für vier bis sechs Wochen.
  5. Entsorge die Zecke abschließend, beispielsweise in Klebeband gewickelt oder in einem verschlossenen Behälter. Zur späteren Bestimmung kann sie darin gut aufbewahrt werden. 

Zecke richtig entfernen: Am Kopf ansetzen, nicht am Körper
© Nadezhda Buravleva

Bei Hunden checkst du täglich kurz die Bissstelle auf Rötungen, Schwellungen, Fieber oder Lahmheit. Dann musst du mit deinem Hund zur tierärztlichen Behandlung. 

Wann muss ich mit einem Zeckenbiss zum Arzt?

Sobald sich eine ringförmige Rötung (Erythema migrans) um die Einstichstelle der Zecke entwickelt, grippeähnliche Symptome auftreten und sich eine starke Schwellung oder Eiter bilden. Außerdem bei Schwangerschaft und FSME-Risiko ohne Impfschutz, nach Erkrankungssymptomen und wenn die Zecke allgemein sehr lange auf der Haut saß. 

Mythen zum Zeckenbiss

Es gibt viele Mythen rund um Zecken und ihre Bisse, doch die meisten lassen sich entkräften: 

  • Drehen hilft – falsch, denn es erhöht das Risiko, Teile abzureißen oder sie zu quetschen.
  • Öl oder Hitze erstickt die Zecke – richtig, aber vorher «würgt» sie den Erreger in die Wunde, was das Krankheitsrisiko stark erhöht.
  • Kopf ist steckengeblieben: weiterhin gefährlich? – Stimmt nicht ganz, denn der Körper stößt den Kopf oft selbst ab und ist laut RKI/BZgA meist lokal reizend. Stattdessen desinfizieren und beobachten. Bei Entzündung ärztlich beraten lassen. 

Diese gesundheitsgefährdenden Krankheiten übertragen Zecken

Zecken übertragen die bakterielle Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis, kurz FSME. Der Name entspricht jedoch nicht mehr ganz den gegebenen Zuständen, da Zecken mittlerweile zu jeder Jahreszeit auftreten und aktiv sein können und daher auch die Krankheiten ganzjährig übertragen

Borreliose wird durch Bakterien (Borrelia burgdorferi s. l.) übertragen. Das Risiko einer Infektion steigt mit der Saugzeit, weshalb ein frühes Entfernen die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung reduziert. Ein typisches Frühzeichen ist eine sich ausbreitende, ringförmige Rötung. Dann ist schneller ärztlicher Rat wichtig und eine Therapie mit Antibiotika möglich. 

FSME wird durch Viren übertragen, vor allem in Risikogebieten in Süddeutschland. Gegen FSME kann eine präventive Impfung schützen, da die Virusübertragung bereits zu Beginn des Anbeißens der Zecke erfolgen kann. 

Beide Krankheiten haben teilweise starke Auswirkungen auf die Gesundheit. FSME beginnt mit grippeähnlichen Symptomen und kann unter anderem zu Hirnhautentzündungen, Gehirnentzündungen und Rückenmarksentzündungen führen. Borreliose beeinträchtigt Wochen oder Monate später teilweise die Nerven, Gelenke, das Herz und die Haut. Aufmerksamkeit und Prävention sind daher essenziell, um eine Bakterien- und Virusübertragung zu vermeiden. Zum Schutz kann auch ein Zeckenspray verwendet werden. 

Quellen: 

  • www.mayoclinichealthsystem.org
  • www.mayoclinic.org
  • www.rki.de
  • www.infektionsschutz.de

 

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