Tijen Onaran im Interview: Über die Dankbarkeitsfalle im Job und wie Frauen daraus ausbrechen

Selbstbewusstsein, Karriere und die Dankbarkeitsfalle im Job: Tijen Onaran über die Mechanismen, die Frauen oft daran hindern, für sich selbst einzustehen.

Als Markengesicht von Phyto Paris und Lierac spricht Tijen Onaran, 41, mit BRIGITTE über Selbstbewusstsein und Sichtbarkeit – und darüber, warum so viele Frauen ihre eigene Leistung unterschätzen.

 

Tijen Onaran im großen BRIGITTE-Interview

BRIGITTE: Du bist das aktuelle Gesicht von Phyto Paris und Lierac. Zwei Marken, die für natürliche Schönheit und Selbstbewusstsein stehen. Was verstehst du persönlich unter Schönheit? 
Tijen Onaran: Schönheit hat für mich viel mit Selbstfürsorge zu tun, sich bewusst Zeit für sich zu nehmen und bei sich zu bleiben. Gerade im Alltag, wenn alles gleichzeitig passiert.

Du verbindest mit Phyto Paris auch eine sehr persönliche Geschichte.
Ich hatte vor einiger Zeit gesundheitlich bedingt mit Haarausfall zu kämpfen. Und das hat mehr mit mir gemacht, als ich erwartet hätte. Ich hatte immer sehr dickes Haar, und wenn das plötzlich weniger wird, merkt man, wie sehr man das mit dem eigenen Selbstbild verknüpft. Für mich war es wichtig, die Ursache zu verstehen und bewusst etwas dagegen zu tun. Die Supplements für Haare und Nägel haben mir sehr geholfen.

«Selbstbewusstsein kann man erlernen»

Du beschreibst dich als introvertierte Extrovertierte. Wie wirkt sich das im Berufsleben aus?
Auf der Bühne bin ich extrovertiert, weil es mein Job ist, Menschen zu erreichen. Gleichzeitig brauche ich Rückzug, um Energie zu tanken. 

Für deinen Job benötigt es viel Selbstbewusstsein. Kann man das erlernen?
Auf jeden Fall. Es gibt ein gewisses Fundament, das man mitbekommt, aber man kann sehr viel selbst trainieren. 

Ein wichtiger Schritt ist, den Fokus auf das zu legen, was man kann und erreicht hat, nicht auf das, was fehlt. Sich die eigenen Erfolge bewusst zu machen, stärkt enorm.

Der Schlüssel zum Glück heißt …

Welche Rolle spielt Sprache dabei?
Eine entscheidende. Sprache schafft Realität und Zugang. Oft sind es Nuancen, die darüber entscheiden, wie jemand wahrgenommen wird. Für mich war Sprache ein Schlüssel zum Aufstieg.

Warum machen sich viele Frauen sprachlich kleiner, als sie sind?
Weil sie oft stärker reflektieren und mehr für ihr Gegenüber mitdenken. Sie überlegen sehr genau, wie etwas ankommt, und relativieren sich dadurch schnell selbst. Männer machen das in der Regel deutlich weniger – sie formulieren direkter und ohne diese ständige innere Korrektur. Frauen dürfen hier mutiger und großzügiger mit sich selbst sein und klarer sagen, was sie denken und können.

Raus aus der strategischen Dankbarkeitsfalle: So geht’s!

In deinen Vorträgen sprichst du oft über die Dankbarkeitsfalle. Was ist darunter zu verstehen?
Damit meine ich Situationen, in denen einem subtil vermittelt wird, man solle vor allem dankbar sein – für den Job, die Chance oder die Position – und deshalb besser keine Forderungen stellen. 

Das führt oft dazu, dass weniger Gehalt verhandelt oder Kritik nicht geäußert wird. Dabei hat man diese Position nicht aus Glück bekommen, sondern weil man qualifiziert ist und Leistung bringt. 

Die Dankbarkeitsfalle ist also letztlich eine Strategie von Führungskräften, die einen davon abhält, selbstbewusst für sich einzustehen.

Wie kann man sich dagegen wehren?
Ich finde es hilfreich, ruhig zu bleiben und solche Situationen auch bewusst umzudrehen, statt in einer Rechtfertigung zu enden. Heißt: klar bleiben, ohne sich kleinmachen zu lassen. Es ist zudem immer gut, eine Alternative im Hinterkopf zu haben. Wer weiß, dass er andere Optionen hat, tritt automatisch selbstbewusster auf und verhandelt auch anders.

«Viele verlieren sich in Vergleichen»

Social Media ist voll mit erfolgreichen Menschen. Was hilft, bei sich zu bleiben?
Sich auf den eigenen Weg zu konzentrieren. Viele verlieren sich in Vergleichen, statt zu schauen: Was will ich eigentlich? Was bringt mich weiter? Es hilft, bewusst auszublenden, was andere machen, und sich auf die eigenen Ziele zu fokussieren.

Was würdest du Frauen mitgeben, die sich oft selbst im Weg stehen?
Sich klarzumachen, dass sie nichts zu verstecken haben. Viele Frauen leisten enorm viel und erkennen das selbst nicht an. 

Es geht darum, sich die eigene Leistung bewusst vor Augen zu führen – und dementsprechend aufzutreten.

Und was hilft dir persönlich in schwierigen Momenten?
Ich sehe Gegenwind als gutes Zeichen. Wenn Kritik oder Widerstand kommt, bedeutet das oft, dass man sichtbar ist und etwas bewegt. Ich stelle mir dann immer vor: Ein Flugzeug braucht Gegenwind, um zu starten. Und genau so ist es auch im Leben.

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