Unterschätztes Hautkrebs-Risiko: Dr. Yael Adler: "Viele wiegen sich durch Sonnencreme in falscher Sicherheit"

Klar, guter Sonnenschutz ist wichtig, das wissen wir schlimmstenfalls aus schmerzhafter Erfahrung. Doch Studien zeigen, dass wir, selbst wenn wir uns pflichtbewusst eincremen, oft unbewusst trotzdem ein großes Risiko eingehen. Dr. Yael Adler erklärt im BRIGITTE-Interview, worauf wir beim Sonnenschutz unbedingt achten müssen.

BRIGITTE: Warum zeigen Studien nicht immer eindeutig, dass Sonnencreme das Hautkrebsrisiko senkt?
Dr. Yael Adler: Weil sich das tatsächliche Verhalten der Menschen nur schwer erfassen lässt. Eine Sonnencreme im Gepäck bedeutet noch lange nicht, dass sie ausreichend, gleichmäßig und regelmäßig verwendet wurde.

Was wird in Studien oft nicht genau genug abgebildet?
Zum Beispiel: Wie dick wurde gecremt? Wurde nach dem Schwimmen oder Schwitzen nachgecremt? Wie hoch war der UV-Index – war es Sonne an der Nordsee oder am Äquator? Wie lange blieb die Person in der Sonne? Welchen Hauttyp hat sie? Und wie viele Sonnenbrände hatte sie bereits in der Kindheit?

Kann dadurch ein falscher Eindruck entstehen?
Ja. Menschen mit sehr heller, empfindlicher Haut, vielen Muttermalen oder einem insgesamt intensiven Sonnenverhalten benutzen oft besonders häufig Sonnencreme. Sie haben aber von vornherein ein höheres Hautkrebsrisiko. Das ist keine Kausalität: Die Sonnencreme verursacht nicht das Risiko.

Wo liegt das größte Missverständnis?
Viele wiegen sich durch Sonnencreme in falscher Sicherheit und bleiben länger in der Sonne. Dann kann die insgesamt aufgenommene UV-Dosis trotz Eincremens sehr hoch sein.

Was machen viele bei der Anwendung falsch?
Meist wird zu wenig Produkt verwendet. Außerdem werden Ohren, Nacken, Haaransatz, Lippen, Hände und Fußrücken häufig vergessen. Nach Schwimmen, starkem Schwitzen oder Abtrocknen muss erneut aufgetragen werden.

Schützt Nachcremen länger?
Nachcremen verlängert die maximale Schutzzeit nicht beliebig. Es stellt vor allem den Schutz wieder her, der durch Wasser, Schweiß, Reibung oder zu sparsames Auftragen verloren gegangen ist.

Was ist die wichtigste Botschaft?
Sonnencreme ist wichtig, aber sie ist kein Freifahrtschein für unbegrenztes Sonnenbaden. Guter Sonnenschutz bedeutet: Mittagssonne meiden, Schatten suchen, Kleidung und Hut tragen und unbedeckte Haut großzügig eincremen.

Und was ist beim Hautkrebsrisiko entscheidend?
Nicht nur der heutige Urlaub zählt. Auch Hauttyp, genetische Veranlagung, frühere Sonnenbrände und die gesamte UV-Belastung seit der Kindheit spielen eine Rolle. Genau deshalb sind einfache Aussagen wie „Sonnencreme schützt nicht vor Hautkrebs“ wissenschaftlich irreführend, denn sie schützt bei richtiger Anwendung vor Sonnenbrand und übermäßiger Bräunung und hilft damit effektiv, Risiken zu senken.

 

Video: Dr. Yael Adler über gefährliches Extrem-Sonnenbad

 

Die 5 wichtigsten Tipps zur richtigen Anwendung von Sonnencreme

Möglichst einen hohen Lichtschutzfaktor wählen.
Für die meisten Menschen – insbesondere Kinder, hellhäutige Personen und im Urlaub – ist LSF 50 oder 50+ die beste Wahl. Da fast alle zu wenig Sonnencreme auftragen, bietet ein hoher Lichtschutzfaktor mehr Sicherheitsreserve.

Großzügig auftragen.
Die meisten Menschen verwenden nur ein Viertel bis die Hälfte der benötigten Menge. Dadurch sinkt der tatsächliche Schutz deutlich. 1,5-2 Schnaps Gläser für einen gesamtem Körper und davon 2 Fingerlängen fürs Gesicht.

Regelmäßig nachcremen.
Vor allem nach dem Schwimmen, starkem Schwitzen oder Abtrocknen. Nachcremen erhält den Schutz, verlängert aber nicht die maximale Zeit, die man sich in der Sonne aufhalten sollte.

Keine Stellen vergessen.
Besonders häufig werden Ohren, Nacken, Haaransatz, Lippen (mit UV-Schutz), Hände, Fußrücken und eine lichte Kopfhaut ausgelassen.

Sonnencreme ist kein Freifahrtschein.
Meiden, kleiden, Cremen. Der beste UV-Schutz ist die Kombination aus Schatten, Kleidung, Hut, Sonnenbrille und Sonnencreme. Die intensive Mittagssonne sollte möglichst gemieden werden.

 

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