Drei Frauen, drei Bäuche – und sehr unterschiedliche Arten, mit der Meno-Mitte umzugehen. Was sie eint: die Suche nach einem Umgang, der zu ihnen passt.
“Erzwingen lässt sich gar nichts”

Andrea Berning, 59, Ressortleiterin BRIGITTE-Lifestyle und Gesundheitsredakteurin, haderte lange mit ihrer neuen Silhouette
«Bevor ich ihn selbst bekam, hatte ich schon viel über ihn geschrieben (zum Beispiel das hier). Ich wusste also, warum sich das Fettverteilungsmuster nach der Menopause bei Frauen verändert und dass sie vom Birnen- zum Apfeltyp werden können.
Wie sehr mich mein Meno-Bauch stören und wie hartnäckig er sich an mich klammern würde, ahnte ich nicht. Aber nun ist er da und ich werde ihn einfach nicht los. Taille? Hatte ich mal. Mittlerweile trage ich eine Wölbung unterm Bauchnabel vor mir her, als hätte ich vor, ein enormes Geldbündel im Hosenbund am Zoll vorbeizuschmuggeln. Das gefällt mir nicht – Frauenpower hin, Body Positivity her.
Das Dumme dabei: Die Maßnahmen, die früher zu einer nennenswerten Gewichtsabnahme geführt hatten (maßvolle Kalorienreduktion in erster Linie), blieben, seit ich die 50 überschritten hatte, ohne jede Wirkung. Ich weiß, dass es nicht in erster Linie darauf ankommt, weniger zu essen, sondern den Grundumsatz zu erhöhen, was am besten durch einen Zuwachs an Muskulatur erreicht wird.
Also Sport. Nur: Bei mir klappt das nicht. Seit mittlerweile zwei Jahren gehe ich zwei- bis dreimal die Woche zum Krafttraining und fahre viel Fahrrad, auch im Winter. Die Muskeln brennen, ich komme richtig ins Schwitzen, übrigens auch bei der Gartenarbeit. Den Bauchumfang interessiert das alles so gar nicht.
Was mich sehr frustriert. Denn dabei schwingt immer mit, dass ich mich dann ja wohl nicht genug anstrenge. Doch daran liegt es gar nicht. Mein Aha-Erlebnis hatte ich, als ich die Ärztin Daniela Kielkowski interviewte. Sie erklärte mir, dass Stress, also ein permanent erhöhter Cortisolspiegel, die Fettverbrennung bremse. Solange ich nonstop angespannt in, weil ich meinen Bauch einfach nicht ignorieren oder gar akzeptieren kann, wird mein Stresslevel jedenfalls nicht sinken, das ist mal klar.
Ich habe damit angefangen, nicht mehr darauf zu hoffen, bald in meine zu engen Hosen wieder hineinzupassen, sondern mir neue gekauft, in denen ich mich wohlfühle. Ein Punkt auf der Stressabbau-Liste. Der nächste kommt durch regelmäßige Entspannungsübungen hinzu, am besten gefällt mir da die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Und jetzt übe ich mich in Geduld. Denn gut Ding will Weile haben. Om…»
«Runter mit dem Komfort-Zaun»

Daniela Stohn, 53, BRIGITTE-Gesundheitsredakteurin und Health Coachin, setzt auf Sport – aber den richtigen
Meine Freundinnen sagen gerne, wenn sie über ihre Meno-Mitte jammern: ‚Du kannst nicht mitreden, du bist ja schlank.‘ Stimmt, aber ich gehöre definitiv nicht zu den Frauen, die maßlos Franzbrötchen und Kuchen in sich reinschaufeln können, ohne ein Gramm zuzunehmen. Seit meinem 40. merke ich klar, welche Lebensmittel mir guttun (proteinreiche und Gemüse) und welche bei mir ansetzen, nämlich zuckerhaltige und Alkohol. Trotzdem – das gebe ich gerne zu – funktioniert mein Stoffwechsel ansonsten ganz prima.
Das liegt aber auch daran, dass ich ihm das gebe, was ihm in dieser Phase der Hormon-Achterbahn guttut: nämlich regelmäßiges Krafttraining mit Gewichten und ein- bis zweimal pro Woche ein intensives Training, bei dem man sich richtig anstrengen muss. Ich liebe zum Beispiel Hyrox-Training, wo wir Kraft und Ausdauer trainieren und den Puls in Intervallen richtig hochbringen.
Und ich merke, dass dabei in meinem Körper was passiert: Er passt sich an, wird stärker und verbrennt auch Stunden nach dem Training noch ordentlich. Die Folge: Ich kann deutlich mehr essen und habe (bislang) keinen Meno-Bauch (dafür andere Wechseljahresprobleme wie Herzrasen und Stress).
Bei vielen Frauen, die ich kenne und coache, beobachte ich allerdings, dass sie beim Sport gerne in ihrer Komfortzone verharren – ein bisschen Yoga und Pilates, locker laufen, aber bitte nicht schwitzen und zu sehr anstrengen. Das ist auch prima, aber es fehlen die Impulse, die der mittelalte Frauenkörper jetzt braucht: über Gewichte und hohe Pulsfrequenzen.
Was ich außerdem mache: Ich habe eine Eistonne im Garten, in die ich morgens gehe. Kälte, empfiehlt auch der Arzt Dr. Tim Hollstein, der zu verschiedenen Stoffwechseltypen forscht, um den Kalorienverbrauch anzukurbeln. Wenn ich aus der Tonne komme, merke ich noch Stunden später, wie mein Körper arbeitet – großartig.
Also, liebe Frauen, reißt den Komfortzaun runter! Vielleicht klappt es dann auch mit der Meno-Mitte.»
«Mein Bauch gehört (zu) mir»

Verena Carl, 56, BRIGITTE-Redakteurin für Psychologie- und Gesellschaftsthemen, nimmt ihre Meno-Mitte lässig
«Ich habe diesen Satz noch im Ohr, als wäre es erst gestern gewesen. Vor allem den Tonfall, amüsiert und verächtlich. ‚Was ist das denn?‘ fragte der Junge, mit dem ich eng umschlungen auf dem Sofa in meinem Teenagerzimmer saß, und dessen Hand gerade an meinen Bauch wanderte. Ich war 15, ich wog etwa 55 Kilo, kannte die Kalorientabelle auswendig, aber ein kleines Speckröllchen in der Mitte hatte ich schon damals. Ich murmelte etwas von ‚zu viel Pizza gegessen‘, er lachte auf: ‚Du meinst wohl, dauernd zu viel Pizza.‘ Dann kniff er zu.
Ich hätte ihm sagen können, dass ich verletzt war. Dass ich mir einen liebevollen Blick auf meinen Körper wünschte, statt dieses kalten Rankings. Stattdessen schämte ich mich in Grund und Boden. Ich war falsch, ich war bestenfalls B-Ware, ich würde niemals genügen.
Das ist vier Jahrzehnte her. Ich bin zwölf Kilo schwerer, und ich möchte nicht wissen, was der Junge von damals zu meinem heutigen After-Two-Babys-Body in Größe 42 sagen würde. Oder sonst irgendwer. Das Schöne ist: Es interessiert mich auch nicht die Bohne. Nicht nur, weil diese toxische Teenie-Beziehung schon lang in Vergessenheit geraten ist, sondern auch, weil ich mir meinen Körper von niemandem mehr madig machen lasse, nicht mal von mir selbst. Auch nicht meinen Bauch, der immer schon da war und mit der Menopause merkbar mitgewachsen ist. Nicht uferlos, aber nicht mehr wirklich einziehbar.
Ist okay, dann trage ich halt keine High-Waist-Hosen. Mit das Schönste am Älterwerden: Ich habe meinen inneren Kritiker gefesselt und geknebelt über Bord geworfen. Ich verschwende meine Energie nicht auf Kämpfe, die ich ohnehin nicht gewinnen kann: Gegen die Zeit, gegen die Schwerkraft, gegen den Stoffwechsel. Für mich ist das ein Riesengewinn an Lebensqualität.
So, das musste mal raus. Denn zur Wahrheit gehört auch: Natürlich habe sofort gelesen, was Kollegin Dani Stohn zum Thema ‚Meno-Bauch – geht der wieder weg?‘ geschrieben hat. Wer uns kennt (oder diesen Artikel gelesen hat), weiß, dass Sportskanone Dani und ich ziemlich unterschiedliche Einstellungen haben zum Thema Ernährung, Bewegung, Gesundheit – aber natürlich möchte ich meinen Prachtkörper nicht vernachlässigen, sondern ihn liebevoll beim Älterwerden begleiten.
Ich war dann ganz beruhigt, als ich las, dass ich schon das ein oder andere richtig mache: Kraft- und Ausdauertraining, gesunde Ernährung (jedenfalls halbwegs), vor allem aber einen ganz wichtigen Punkt: Stressmanagement. Klar, von allem ginge auch noch mehr. Aber ein bisschen runder und trotzdem gesund durchs Leben kommen und dabei entspannt bleiben, darauf können wir uns einigen. Mein Bauch gehört (zu) mir. Und am Wochenende gibt es Pizza.»
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