Ab in die Küche!: Kann Kochen gegen Demenz helfen?

Weniger Fertigkost, mehr Sinneseindrücke und dazu ein kleiner Gehirnbooster für den Alltag? Aktuelle Ergebnisse deuten auf überraschende Effekte des Selberkochens hin, besonders bei Menschen mit wenig Praxis. 

Eine japanische Langzeitstudie liefert spannende Hinweise darauf, dass regelmäßiges Kochen im Alter das Risiko für Demenz senken könnte. Besonders überraschend dabei: Wer mindestens einmal pro Woche selbst kocht, scheint davon zu profitieren. 

Worum geht es in der Studie?

Forschende analysierten Daten von 10.978 Menschen ab 65 Jahren aus der «Japan Gerontological Evalution Study». Die Teilnehmenden wurden über einen Zeitraum von sechs Jahren beobachtet. Zu Beginn mussten sie angeben, wie häufig sie zu Hause selbst kochen, wie gut ihre Kochfähigkeiten sind und Informationen zu Einkommen, Bildung, Gesundheit und Lebensstil angeben. Während der Nachbeobachtung entwickelten 1.195 Personen eine Demenz. 

Das wichtigste Ergebnis

Menschen, die mindestens einmal pro Woche selbst kochten, hatten ein deutlich geringeres Demenzrisiko als Personen, die seltener kochten. Die Risikoreduktion lag bei: 

  • 23 Prozent bei Männern
  • 27 Prozent bei Frauen

Besonders stark fiel der Effekt bei Menschen aus, die nur geringe Kochkenntnisse hatten. In dieser Gruppe war das Demenzrisiko sogar um 67 Prozent niedriger

Warum könnte Kochen das Gehirn schützen?

Die Forschenden vermuten mehrere mögliche Gründe: 

1. Kochen trainiert das Gehirn

Beim Kochen müssen Menschen planen, organisieren und Entscheidungen treffen. Gleichzeitig werden Erinnerung, Aufmerksamkeit und Motorik beansprucht. 

2. Bewegung im Alltag

Kochen bedeutet oft einkaufen gehen, stehen, schneiden und Zutaten vorbereiten. Das bringt körperliche Aktivität in den Alltag, was als bekannter Schutzfaktor für das Gehirn gilt. 

3. Gesündere Ernährung

Wer selbst kocht, greift bestenfalls zu frischeren Zutaten und isst weniger stark verarbeitete Lebensmittel oder Fast Food. 

4. Selbstständigkeit erhalten

Kochen ist eine komplexe Alltagstätigkeit. Wer ihr regelmäßig nachgeht, trainiert Fähigkeiten, die für ein selbstbestimmtes Leben wichtig sind. 

Aber: Die Studie beweist keine Ursache

Die Wissenschaftler:innen betonen selbst, dass es sich nur um eine Beobachtungsstudie handelt. Das bedeutet: Die Studie zeigt einen Zusammenhang, aber keine Beweise dafür, dass Kochen vor Demenz schützt. Man könnte deshalb auch sagen, Menschen mit ersten unbemerkten Gedächtnisproblemen kochen möglicherweise seltener. 

Auch Expert:innen weisen darauf hin, dass Menschen, die regelmäßig kochen, oft insgesamt gesünder leben. Sie bewegen sich möglicherweise mehr, ernähren sich besser und sind sozial aktiver. 

Was man aus der Studie mitnehmen kann

Die Ergebnisse überraschen nicht völlig: Bereits frühere Studien und WHO-Leitlinien deuten darauf hin, dass Aktivitäten, die Körper und Geist gleichzeitig fordern, eine wichtige Rolle für die Hirngesundheit spielen könnten. Das liegt vor allem daran, dass Kochen Bewegung, Planung, Sinneseindrücke, Routine und manchmal sogar soziale Kontakte miteinander verbindet. Die Forschenden kommen deshalb zu dem Schluss, dass ältere Menschen möglichst dabei unterstützt werden sollten, weiterhin selbst zu kochen. 

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