Hast du ältere Geschwister? Dann musst du jetzt ganz stark sein. Denn eine aktuelle Forschungsarbeit konnte (mal wieder) zeigen, dass Erstgeborene oft erfolgreicher sind als ihre jüngeren Schwestern und Brüder – und vor allem, welcher überraschende Grund offenbar dahintersteckt.
Zum Thema Geschwister gibt es zahlreiche Vorurteile – etwa, dass Einzelkinder egoistisch seien, ältere Geschwister immer verantwortungsbewusst und jüngere verwöhnt und unselbstständig. Das meiste davon sind Binsenweisheiten, die nicht auf einer wissenschaftlichen Grundlage basieren.
Es gibt aber einiges an Forschung zum Thema Geschwister und dazu, wie sich die Geburtsreihenfolge auf das spätere Leben der Kinder auswirkt. Dabei wurde immer wieder festgestellt, dass ältere Geschwister im Leben häufig mehr Erfolg haben als jüngere. Man ging lange davon aus, dass das vor allem damit zusammenhängt, dass Eltern ihren ersten Kindern mehr Aufmerksamkeit widmen können und weniger gemeinsame Zeit möglich ist, wenn erst mal Geschwister da sind.
Warum sind Erstgeborene erfolgreicher?
Eine aktuelle Studie findet aber noch andere Ursachen für die Dominanz der Erstgeborenen. Das Forschungsteam um Hannes Schwandt von der Northwestern University in Chicago kommt nämlich zu dem Ergebnis, dass Krankheitserreger dafür verantwortlich sind, dass Zweit-, Dritt- und Viertgeborene benachteiligt werden. Die schleppen die älteren Geschwister nämlich nach Hause, stecken die Kleinen an, denen die Erreger dann oft so heftig zusetzen, dass sie in ihrer Entwicklung beeinträchtigt werden.
«Solche Infektionen haben einen erheblichen Anteil daran, dass die jüngeren Geschwister im Durchschnitt im späteren Leben etwas weniger gut dastehen», erklärt Studienleiter Hannes Schwandt gegenüber der «Süddeutschen».
Für die Forschungsarbeit hat das Team Daten von 1,2 Millionen dänischen Kindern ausgewertet, die zwischen 1980 und 2015 geboren wurden. Dabei fanden die Wissenschaftler:innen heraus, dass jüngere Geschwister zwei- bis dreimal so oft wegen akuter Atemwegsinfekte im Krankenhaus landeten wie ihre älteren Geschwister. Dieser Unterschied erledigte sich von selbst, als die jüngeren Geschwisterkinder selbst in die Kita kamen.
Seltener auf der Hochschule, geringeres Einkommen
Die Studie kam außerdem zu dem Ergebnis, dass alle jüngeren Geschwister eine um 0,5 Prozentpunkte geringere Wahrscheinlichkeit hatten, eine höhere Schule oder Hochschule zu besuchen als ihre älteren Geschwister. Außerdem war ihr Einkommen im Erwachsenenalter durchschnittlich um etwa ein Prozent geringer als das ihrer älteren Schwestern und Brüder – im Durchschnitt machte das einen Unterschied von 400 bis 700 Euro pro Jahr.
Laut Hannes Schwandt sind die Infekte in der frühen Kindheit vermutlich nicht der einzige Grund für die lebenslangen Unterschiede zwischen älteren und jüngeren Geschwistern, er geht aber davon aus, dass 50 Prozent dieses Unterschieds durch die Ansteckungen durch Erstgeborene erklärt werden können.
Auch wenn diese Studienergebnisse für jüngere Geschwister demotivierend sein können, haben sie etwas Positives. Denn wenn man darum weiß, welchen großen Risiken die Kleinen ausgesetzt sind, kann man aktiv vorbeugen, etwa durch Impfungen gegen schwere Infektionskrankheiten. Studienleiter Schwandt empfiehlt außerdem, ältere Kinder, die gerade erkrankt sind, bewusst von ihren jüngeren Schwestern und Brüdern fernzuhalten – vor allem, wenn diese (noch) nicht geimpft sind.
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