Finanzieller Kater: Wenn du montags am liebsten gar nicht auf den Kontostand schaust

Ist der finanzielle Kater auch dein neues Montagsgefühl? Du hattest ein schönes Wochenende, du warst einkaufen, bist essen gegangen und plötzlich ist das Konto leerer als gedacht? Dazu wird alles teurer: vom Wocheneinkauf bis zum Kaffee unterwegs. Finanzexpertin Karoline Bliemegger erklärt, wie du finanziell besser planen kannst und wieder ein gutes Gefühl beim Geldausgeben bekommst – ohne Katerstimmung.

BRIGITTE: Was genau ist ein «Spending-Hangover»?

Karoline Bliemegger: Der Spending-Hangover beschreibt das ernüchternde Gefühl, wenn man am Montagmorgen zum ersten Mal aufs Konto schaut und merkt, wie viel am Wochenende zusammengekommen ist. Es sind selten die großen Anschaffungen – eher das Abendessen, das teurer wurde als geplant, der spontane Brunch am Samstag, die Kleinigkeiten beim Shoppingbummel mit der Freundin. Einzeln fühlt sich jede dieser Ausgaben vertretbar an, in Summe überraschen sie. Der Begriff kommt aus den USA, aber das Gefühl an sich kennen viele auch hier. Er lässt sich am direktesten mit «finanzieller Kater» übersetzen.

Und warum trifft er besonders Frauen?

Die Lebenshaltungskosten sind in den letzten Jahren spürbar gestiegen und damit auch das Bewusstsein dafür, was ein Wochenende eigentlich kostet. Ein reines Frauenthema ist der Spending-Hangover nicht. Aber je enger der finanzielle Spielraum ist, desto spürbarer ist der Effekt – und davon sind Frauen im Schnitt häufiger betroffen.

Warum geben wir am Wochenende oft mehr aus, als wir uns eigentlich leisten können?

Weil sich am Wochenende vieles verdichtet und jede einzelne Ausgabe für sich überschaubar wirkt. Man entscheidet spontan, im geselligen Moment – man achtet auf das Gespräch, auf die Stimmung, nicht auf den Kassenbon. Dazu kommt: Je reibungsloser das Bezahlen ist, desto weniger spürt man den einzelnen Betrag. Und niemand addiert fünf kleine Beträge im Kopf mit, während er einen schönen Nachmittag mit seinen Freundinnen hat.

Sollte man das denn?

Karoline Bliemegger ist Finanzexpertin bei der Digitalbank Klarna.
Karoline Bliemegger ist Finanzexpertin bei der Digitalbank Klarna.
© Klarna

Muss man auch nicht, wenn man sein Wochenend-Budget vorher auf ein eigenes Konto legt, getrennt von Miete, Abos und allem, was schon verplant ist. Dann reicht ein Blick auf den Restbetrag, statt selbst mitzurechnen.

Ist das Phänomen wirklich neu? Frauen 40+ kennen das doch längst.

Das Gefühl ist überhaupt nicht neu. Dieses Unbehagen am Montag, wenn man den Blick aufs Konto am liebsten meiden möchte, weil man unsicher ist, ob das Wochenende finanziell noch im Rahmen war – das kennt jede Generation. Neu ist, dass es endlich einen Namen bekommen hat und offen darüber gesprochen wird. Und genau darin liegt der Wert: Ein diffuses Gefühl, über das man früher eher geschwiegen hat, wird klar besprechbar. Und worüber man reden kann, daran lässt sich auch leichter etwas ändern.

Ab wann wird aus einem cleveren Wochenendbudget neuer Druck, sich nichts mehr gönnen zu dürfen?

Sich sein Geld bewusst einzuteilen, soll Klarheit schaffen, nicht einschränken. Es kippt genau in dem Moment, in dem jede kleine Freude ein schlechtes Gewissen auslöst – wenn aus «Ich behalte den Überblick» ein «Ich darf mir nichts mehr erlauben» wird. Ein gutes Wochenendbudget plant das Gönnen bewusst mit ein. Es ist eine Erlaubnis, kein Verbot. Wer sich vorher bewusst überlegt, was ein Abend oder ein Brunch wert sein darf, kann ihn danach entspannt genießen.

Wie spricht man übers Geld, ohne Freundschaften zu belasten?

Am besten direkt und transparent. Was Freundschaften belastet, sind nicht ehrliche Grenzen, sondern vorgeschobene Ausreden, um Verabredungen abzusagen. Offen zu sagen «Das sprengt gerade mein Budget» zeigt, dass man sich in der Freundschaft sicher genug fühlt, das auch zu kommunizieren. Und von da aus kann man gemeinsam nach Alternativen suchen: zusammen kochen statt ins teure Restaurant, ein Spaziergang durch den Park statt Shoppingbummel mit Kaffee und Kuchen. So bleibt die Verabredung, nur der Preis ändert sich.

Was sagt unser Ausgabeverhalten über das aus, was uns wirklich wichtig ist?

Ziemlich viel. Wohin unser Geld tatsächlich fließt, zeigt ungefiltert, wofür wir uns im Alltag entscheiden. Spannend sind dabei vor allem die vielen kleineren Beträge, die eher nebenbei anfallen – denn genau dort entstehen die Ausgaben, die am Montag für das Unbehagen sorgen. Wer sein Konto über ein paar Wochen aufmerksam beobachtet, erkennt schnell, was davon bewusste Entscheidungen waren und was einfach aus Gewohnheit passiert ist.

Wie schafft man den Spagat zwischen Sparen und sich trotzdem etwas gönnen?

Der beste Schutz beginnt, bevor man bezahlt – und er heißt nicht Verzicht, sondern Überblick. Das Wichtigste: das Wochenende als Ganzes betrachten. Nicht jede Ausgabe einzeln bewerten, sondern sich vorher eine Summe für Freitag bis Sonntag setzen und auf ein eigenes Konto legen. Genauso wichtig: wissen, wo das Geld eigentlich hingeht. Am besten macht man daraus ein Ritual – alle zwei Wochen eine Stunde, gemütlich auf dem Sofa mit einem Tee, und dann neugierig durchschauen, wohin das Geld geflossen ist. Wer das Thema so mit etwas Angenehmem verknüpft statt mit Stress, entdeckt schnell Posten, die einem eigentlich nichts bedeuten – und kann genau dieses Geld ins Wochenendbudget umleiten, für die Dinge, die einem wirklich wichtig sind.

5 Tipps gegen den finanziellen Kater

1. Das Wochenende als Ganzes sehen: Nicht jede Ausgabe einzeln bewerten, sondern sich vorher eine Summe für Freitag bis Sonntag setzen und auf ein eigenes Konto legen.

2. Ein eigenes Budget fürs Wochenende erstellen: Also eine Extra-Summe, die nur fürs Wochenende gedacht ist, einplanen, getrennt von Miete, Abos und allem, unabhängig von den Kosten, die sowieso schon kommen.

3. Das Gönnen einplanen: Ein gutes Wochenendbudget, auch wenn es noch so klein ist, plant das Gönnen bewusst mit ein, sodass wir nicht ständig ein schlechtes Gewissen beim Einkaufen, Brunchen und Co. haben müssen. 

4. Ein Gelddate als Ritual veranstalten: Alle vier Wochen eine Stunde, gemütlich einplanen und dann bewusst Belege durchschauen, wohin das Geld am Wochenende geflossen ist. Das hilft für eine gute Geldtransparenz und zeigt, wofür wir wirklich Geld ausgeben.

5. Mit Freund:innen ehrlich über das eigene Budget sprechen: Wenn gemeinsame Events wie Essengehen für das eigene Portemonnaie gerade zu teuer sind, hilft es, ehrlich in Freundschaften über Geld zu sprechen und kostengünstigere Alternativen zu finden, wie beispielsweise gemeinsames Kochen. So verschiebt man nicht das gemeinsame Treffen, aber das Preisschild für gemeinsame Zeit reduziert sich deutlich.

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