Während viele traurig sind, dass die Liebe der Carpendales scheinbar nicht mehr gereicht hat, sind die beiden längst an einem anderen Punkt: Sie haben sich als Paar getrennt – aber nicht voneinander. Und offenbar sind sie damit erstaunlich glücklich.
Gestern Abend verkündeten Annemarie und Wayne Carpendale, beide Ende 40 und Eltern eines achtjährigen Sohnes, völlig überraschend ihr Liebes-Aus – nach fast 20 gemeinsamen Jahren. Das Interessante daran: Sie sind zwar nicht mehr zusammen, aber auch nicht wirklich auseinander. Auf Instagram schrieben sie in einem gemeinsamen Posting:
Wir sind glücklich.
Wir leben unter einem Dach.
Wir sind eine Family.
Wir sind gerade nicht zusammen.
Rosenkrieg? Unüberbrückbare Differenzen? Nicht doch. Spätnachts teilte Annemarie weitere Fotos, die sie gemeinsam mit Wayne in einem Wiener Hotelzimmer zeigen. Dort bereiteten sich die beiden auf einen Moderationsjob vor. Der Vibe: gemütlich, entspannt, innig.
Warum auch nicht? Immerhin liegt die eigentliche Trennung bereits einige Monate zurück. «Dass das bisher kaum jemand gemerkt hat, liegt wahrscheinlich daran, dass wir uns nach wie vor sehr gut verstehen», schreibt Annemarie auf Instagram. «Wir leben weiterhin unter einem Dach, sind Familie, tragen unsere Ringe und sind ein ziemlich gutes Team.»
Dieser Weg «ohne Drama» fühle sich für sie gerade richtig an – ohne dass sie heute schon wissen müssten, wie das Morgen aussieht.
Die Carpendales sind schließlich nicht nur privat, sondern auch beruflich eng verbunden. Gemeinsam sind sie eine starke Marke, haben gemeinsame Jobs und Werbeverträge. Dass sie diese Partnerschaft nicht zusammen mit ihrer Liebesbeziehung abwickeln wollen, ist nachvollziehbar. Doch kann eine Trennung wirklich so harmonisch funktionieren?
«Wir tragen unsere Ringe»
Die Reaktionen der Fans reichen von «So erfrischend ehrlich und erwachsen» bis hin zu «Sowas gibt es nicht. Einer liebt immer mehr, auch wenn aus Liebe Freundschaft geworden ist» oder «Geht nur so lange gut, bis ein neuer Partner im Spiel ist».
Es gibt schon Gerüchte in diese Richtung, aber, hey: Wayne interessiert’s?
Was für die einen nach einer Trennung ohne klare Grenzen klingt, ist für die anderen ein erwachsener Umgang mit dem Ende einer Liebe. Manche brauchen einen harten Schnitt, andere tasten sich langsam vor und schauen, wohin der neue Weg führt.
Die Carpendales zeigen damit, wie Conscious Uncoupling aussehen kann: eine bewusste, respektvolle Trennung möglichst ohne Schuldzuweisungen und Rosenkrieg. Dieser Begriff wurde weltbekannt, als Gwyneth Paltrow 2014 ihre Trennung von Chris Martin als Conscious Uncoupling – wörtlich: bewusstes Entpaaren – bezeichnete. Das Beziehungskonzept hat die US-Therapeutin Katherine Woodward Thomas 2009 erstmals beschrieben.
Kuscheltrennung à la Gwyneth Paltrow
«Es ist nicht das Ziel, mit dem Ex-Partner noch befreundet sein zu müssen. Sondern die Beziehung so friedlich und wohlwollend wie möglich zu beenden und sich und dem anderen zu verzeihen», erklärt Paartherapeutin Dorothea Behrmann gegenüber BRIGITTE. «Damit man wieder wirklich frei wird und in die Zukunft blicken kann. Ich finde, jeder, der sich von einer wichtigen Beziehung trennt, ob mit Kindern oder ohne Kinder, sollte das machen.»
So einvernehmlich wie bei den Carpendales wirkt eine Trennung allerdings längst nicht immer. Meistens, sagt Behrmann, sind die Gefühle ungleich verteilt: «Es ist eher selten so, dass der eine sagt: ‚Weißt du, Schatz, ich denke, es ist besser, wenn wir uns trennen‘, und der andere dann antwortet: ‚Ja, Liebling, du hast so recht, das denke ich auch schon die ganze Zeit.‘ Meist ist es nur einer, der gehen möchte oder schon gegangen ist. Und dem geht es meist auch etwas besser als der Person, die verlassen wurde.»
Bewusstes Entkoppeln bedeutet also nicht, dass eine Trennung nicht wehtut. Es bedeutet vielmehr, mit diesem Schmerz so umzugehen, dass aus verletzten Gefühlen kein zerstörerischer Kampf entsteht.
Umgang mit Wut, Trauer Hilflosigkeit
Im ersten Schritt geht es beim Conscious Uncoupling deshalb um den Umgang mit negativen, oft überwältigenden Gefühlen wie Wut, Trauer und Hilflosigkeit. «Gibt es etwas, das ich mache, um diese Gefühle nicht so stark spüren zu müssen, wie zu viel trinken, zu viel essen? Wie kann ich mich stattdessen ohne selbstschädigendes Verhalten beruhigen, was brauche ich?», erklärt die Paartherapeutin. «Es geht nicht darum, diese Gefühle zu negieren. Sondern im Gegenteil darum, sie zu spüren: Was fühlst du, und was fühlst du noch? Wenn man Gefühle benennt, werden sie sofort als nicht mehr ganz so überwältigend empfunden.»
Doch selbst wenn die emotionale Trennung gelingt, müssen häufig noch sehr konkrete Fragen geklärt werden: Wer bleibt in der gemeinsamen Wohnung? Wie werden Vermögen, Unterhalt oder Sorgerecht geregelt? Spätestens hier trifft Gefühlsarbeit auf Papierkram. «Speziell ausgebildete Mediator:innen sind neutral und helfen, Entscheidungen über Unterhalt, Sorgerecht, Vermögen oder Wohnraum fair und praxisnah zu treffen, statt sie vom Gericht vorgeben zu lassen», sagt Scheidungsanwältin Saskia Schlemmer gegenüber BRIGITTE. Eine Mediation könne helfen, auch bei schwierigen Fragen miteinander im Gespräch zu bleiben. «Die Abschlussvereinbarung sollte immer anwaltlich überprüft und notariell beurkundet werden. Trotzdem spart eine Mediation, wenn sie funktioniert, oft Zeit und Geld, kann Streit reduzieren und vor emotionalen Eskalationen schützen.»
So bleibt es auch finanziell entspannt
Damit es finanziell möglichst entspannt bleibt, empfiehlt Schlemmer zunächst eine ehrliche Bestandsaufnahme: «Was verdiene ich? Was kostet mein Leben? Wie würde ich finanziell ohne den Partner dastehen? Wie viel Kindes- und Trennungsunterhalt würde mir zustehen?» Auf einem eigenen Konto sollten idealerweise Rücklagen für sechs Monate liegen, um die erste Zeit nach einer Trennung überbrücken zu können. «Der gesetzliche Anspruch auf Unterhalt bleibt dabei unberücksichtigt. Zahlt der andere nicht freiwillig, kann es Monate bis Jahre dauern, bis das rückständige Geld auf dem Konto landet», warnt Schlemmer.
Das klingt nicht mehr ganz so kuschelig. Doch gerade finanzielle Klarheit kann dafür sorgen, dass eine friedliche Trennung nicht nur auf Instagram funktioniert.
Fremde oder Freunde?
Paartherapeutin Behrmann ist überzeugt, dass eine gute Trennung sogar dann möglich ist, wenn Freundschaft keine Option ist: «Man kann sich immer gut trennen. Auch wenn man den anderen nie wieder sehen will. Auch wenn er einem übel mitgespielt hat. Dann kann man sagen: Du warst wichtig für mich. Danke, dass du mich aufgeweckt hast. Dass ich jetzt weiß, warum ich immer von Menschen angezogen werde, die mir gar nicht guttun.»
Gut trennen heißt also nicht zwangsläufig, weiterhin gemeinsam zu wohnen oder beruflich als Team aufzutreten. Es heißt vor allem, die gemeinsame Geschichte nicht nachträglich in einen Trümmerhaufen zu verwandeln.
Wie der Weg der Carpendales weitergeht, wissen derzeit offenbar nicht einmal die beiden selbst. Am Abend nach der Bekanntgabe ihres Beziehungs-Updates führen sie jedenfalls gemeinsam durch die Gala zugunsten der St. Anna Kinderkrebsforschung in der Wiener Hofburg. Damit wäre zumindest vorläufig jene Frage beantwortet, die einst Howard Carpendale (Waynes Papa) in einem seiner größten Hits stellte: «Fremde oder Freunde? Wie wird alles sein? Wieder unzertrennlich oder ganz allein. Du und ich zusammen, was auch kommen mag. Auf verschied’nen Wegen in den neuen Tag.»
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