Die Impfquote gegen Humane-Papillomviren (HPV) liegt bundesweit bei unter 50 Prozent, wie eine aktuelle Veröffentlichung zeigt. Dabei bietet sie den bislang einzig verfügbaren Schutz vor Krebs.
Früherkennung ist toll, keine Frage. Aber Früherkennung ist keine Vorsorge, keine echte Prävention. Denn die Screenings, die zum Beispiel für Darm-, Brust- oder Hautkrebs angeboten werden, verhelfen lediglich zu einer so rechtzeitigen Entdeckung von Krebs und Krebsvorstufen, dass eine Behandlung bestmögliche Heilungschancen bedeutet. Früherkennung eben.
Die einzige präventive Maßnahme, die eine Krebserkrankung wirklich verhindern kann, steht uns seit 2006 zur Verfügung: Eine Impfung gegen die Infektion mit Humanen-Papillomviren, idealerweise vor dem ersten sexuellen Kontakt, weil sie dann den effektivsten Schutz bietet. Deshalb empfiehlt das Robert Koch-Institut (RKI) die HPV-Impfung allen Mädchen und Jungen zwischen 9 und 14 Jahren. Eine verpasste Immunisierung sollte vor dem 18. Geburtstag erfolgen.
Hochrelevant und hocheffektiv
Das Thema geht uns alle an. Denn im Laufe des Lebens infizieren sich neun von zehn sexuell aktiven Menschen über Haut- oder Schleimhautkontakt mit HPV. Meist ohne es zu merken, wenn die Infektion im Laufe von ein bis zwei Jahren üblicherweise problemlos abheilt. Doch falls nicht, kann sich daraus eine Krebserkrankung entwickeln – die sich hätte verhindern lassen.
So werden nahezu alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs – weltweit immerhin die vierthäufigste Krebsart – durch eine HPV-Infektion verursacht. Bei Neuerkrankungen an Anus (90 Prozent) und Vagina (80 Prozent) liegen die Zahlen laut Nationaler Lenkunsgruppe Impfen (NaLI) ähnlich hoch, ist der Mund-Rachenraum betroffen, ist immerhin zu 40 Prozent HPV der Auslöser, bei Vulva- und Peniskrebs sind 30 Prozent der Karzinome HPV-verursacht.
Erst wenn 90 Prozent geimpft sind, können wir sicher sein
Erklärtes Ziel der WHO ist, dass bis zum Jahr 2030 90 Prozent der 15-jährigen Mädchen gegen HPV geimpft sein sollen. Davon ist Deutschland allerdings meilenweit entfernt, das zeigen auch die Quoten des RKI. Bei den 15-jährigen Mädchen sind 2024 55% vollständig geimpft, bei den Jungen sind es 36%. Zudem zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern: In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wird am meisten geimpft (70%), dahinter folgen Schleswig-Holstein-Thüringen und Brandenburg. Die niedrigste Impfquote teilt sich Bremen mit Baden-Württemberg.
Die Impfung schützt auch Ältere
Du denkst jetzt ‚Zu spät für mich‘? Stimmt nicht. Wer schon erwachsen war, als die Impfung vor fast 20 Jahren auf den Markt kam, kann sie jederzeit nachholen. Der Impfstoff ist ab 9 Jahren zugelassen, ohne Altersbeschränkung nach oben.
Im Interview mit BRIGITTE erklärt der Krebsforscher Dr. Nobila Ouédraogo vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, für wen sich die Impfung im Erwachsenenalter lohnt: «Beispielsweise vor neuen Sexualkontakten, also wenn eine Person selbst neue oder wechselnde Sexualpartner oder wenn der Partner wechselnde sexuelle Kontakte hat.» Sogar nach der Behandlung einer Krebsvorstufe oder Genitalwarzen schützt die Impfung vor einer erneuten Infektion.
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