Lange dachte man, Oxytocin spiele vor allem in unseren bestehenden Beziehungen eine zentrale Rolle. Forschende der UC Berkeley haben nun in einer aktuellen Arbeit herausgefunden, dass das «Kuschelhormon» für das Kennenlernen viel entscheidender ist als für das Bestehen von Nähe und Verbundenheit.
Vom «Kuschelhormon» Oxytocin haben die meisten von uns schon mal gehört: Es hängt mit unseren zwischenmenschlichen Beziehungen zusammen, wird etwa beim Sex, bei der Geburt oder auch bei angenehmen sozialen Interaktionen ausgeschüttet. Es hilft uns, Nähe und Verbundenheit zu anderen zu empfinden. Bislang dachte die Wissenschaft, dass das Hormon vor allem für langfristige, monogame Partnerschaften wichtig sei.
Studie über das «Kuschelhormon» Oxytocin
Ein Forschungsteam der University of California in Berkeley hat Oxytocin in einer Studie mit Präriewühlmäusen untersucht und konnte zeigen, dass das Hormon eher für das Eingehen neuer Freundschaften eine Rolle spielt und weniger für langfristige Beziehungen. Präriewühlmäuse führen wie Menschen grundsätzlich langfristige und exklusive Beziehungen, weshalb sie für die Forschenden gute Untersuchungsobjektive sind.
«Präriewühlmäuse sind besonders, weil sie uns ermöglichen, die Neurobiologie von Freundschaft zu erforschen und zu verstehen, wie sie anderen Arten von Beziehungen ähnlich ist und sich von ihnen unterscheidet», erklärt Annaliese Beery, Professorin für Integrative Biologie und Neurowissenschaften an der UC Berkeley und Hauptautorin der Studie, gegenüber «Science Daily».
Oxytocin ist besonders in der Anfangsphase von Beziehungen wichtig
Gemeinsam mit ihrer Doktorandin Alexis Black fand Beery heraus, dass Wühlmäuse ohne Oxytocin-Rezeptoren länger brauchen, um Freundschaften aufzubauen. Normalerweise kuscheln eng befreundete Wühlmäuse in der Anbahnungsphase Seite an Seite, putzen sich gegenseitig oder sitzen aufeinander.
«Oxytocin scheint besonders in der Anfangsphase von Beziehungen wichtig zu sein und vor allem bei der Selektion: ‚Ich bevorzuge dich gegenüber einem Fremden, zum Beispiel», erklärt Beery. «Die Tiere, die kein intaktes Oxytocin-Signal hatten, brauchten länger, um Beziehungen aufzubauen. Und als wir diese Beziehungen auf die Probe stellten, indem wir neue Gruppen bildeten, verloren sie ihre ursprünglichen Partner sofort aus den Augen.»
Die Wühlmäuse, die im Labor des Co-Studienautors Dr. Devanand Manoli an der UC San Francisco genetisch verändert wurden, zeigten außerdem keine sozialen Belohnungen, wie sie normalerweise aus selektiven Bindungen entstehen – sie bemühten sich kaum, mit ihren Freunden zu kuscheln, und waren gegenüber Fremden weniger zurückhaltend und weniger aggressiv.
Neue Sichtweise auf das bekannte Hormon
«Mit anderen Worten: Oxytocin spielt eine weniger große Rolle dabei, wie gesellig die Tiere sind, sondern vielmehr darin, mit wem sie gesellig sind – also in ihrer Auswahl», erklärt Annaliese Beery weiter. «Unser Fazit aus diesem Experiment ist, dass Oxytocin nicht notwendig ist, um eine Beziehung zu haben, aber in den frühen Phasen einer Beziehung eine sehr wichtige Rolle spielt, damit sie schnell und effizient entsteht.»
Sprich: Oxytocin ist möglicherweise gar nicht so entscheidend wie gedacht, um Beziehungen aufrechtzuerhalten und uns unserem:unserer Partner:in langfristig nah zu fühlen. Die viel größere Rolle scheint es beim Kennenlernen zu spielen und dabei, ob wir eine Person sofort sympathisch finden.
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