Rüschenschürze an, Sauerteig im Ofen, Ehemann auf der Arbeit? Oder bekommst du schon beim Gedanken daran Schnappatmung? Mach den Test und finde heraus, wie viel Tradwife wirklich in dir steckt.
Die Küche als Wohlfühlort, viele glückliche Kinder und ein Ehemann, der die Familie versorgt: Auf Social Media wirkt das Leben von Tradwives wie eine romantische Zeitreise in die 1950er-Jahre. Die «traditional wives» promoten ein Leben, in dem Frauen sich um Haushalt und Familie kümmern und Männer Geld verdienen und die Familie führen.
Dass hinter dieser Ästhetik mehr stecken kann als die reine Lust am Backen und Kochen, weiß die kanadische Journalistin Brianna Bell aus eigener Erfahrung. Sie war selbst viele Jahre lang tief in einem konservativ-religiösen Weltbild gefangen, bevor sie begann, die darin festgeschriebenen Rollen infragezustellen. Heute ist sie finanziell unabhängig und lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern ein progressives Familienmodell, in dem sie Hauptverdienerin der Familie ist.

© privat
«Hausfrau sein zu wollen, ist nicht der Fehler. Seine Meinung nicht mehr ändern zu dürfen schon»
Bell betont: Hausfrau zu sein oder sich ein traditionelles Familienleben zu wünschen, ist für sie nicht automatisch problematisch. Entscheidend sei vielmehr, ob eine Frau diese Entscheidung wirklich frei trifft – und ob sie ihre Meinung auch wieder ändern darf. Denn das wird besonders schwer, wenn man seine finanzielle Unabhängigkeit aufgegeben hat.
Dieser Punkt fällt bei der Hausfrauen-Bewegung auf Social Media meist hintenüber. Aber: Die Rückkehr zu konservativen Rollenbildern kann finanziellen Folgen haben. Wer das Geld hat, hat im Ernstfall die Macht, so entsteht ein Machtgefälle in der Partnerschaft oder Ehe, das leicht ausgenutzt werden kann. Im schlimmsten Fall kann es sogar dazu führen, dass sich die Frau nicht trennen kann, einfach weil ihr die finanziellen Mittel dafür fehlen.
Jetzt bist du dran: Hier kannst du (mit einen kleinen Augenzwinkern) herausfinden, wie sehr du ein Super-Tradwife, das glatte Gegenteil oder ein kleinen bisschen Tradwife bist.
Im Gespräch mit BRIGITTE nennt Brianna Bell fünf Warnzeichen dafür, dass aus einer persönlichen Entscheidung eine Ideologie geworden sein könnte.
5 Warnzeichen, dass du zu tief im Tradwife-Universum steckst
1. Du glaubst, dass es nur einen «richtigen» Weg gibt
Als Jugendliche hörte Bell immer wieder, dass Frauen einen Ehemann finden, sich ihm unterordnen und Kinder bekommen sollten. Je tiefer sie in eine konservative religiöse Welt eintauchte, desto weniger schien es unterschiedliche Möglichkeiten für ein gutes Leben zu geben.
Genau darin sieht sie rückblickend ein Warnzeichen: wenn aus einem Lebensentwurf eine allgemeingültige Wahrheit wird. Eine Frau kann sich bewusst dafür entscheiden, zu Hause zu bleiben. Problematisch wird es, wenn daraus die Überzeugung entsteht, alle Frauen sollten so leben – und Frauen, die anders leben, machten etwas falsch.
2. Du fühlst dich stark zu einer abgeschotteten Gemeinschaft hingezogen
Bell begann bereits mit etwa elf Jahren, eine sehr konservative Baptistenkirche zu besuchen. Allein. Mit der Zeit wurde sie immer stärker Teil dieser Gemeinschaft. Später kamen Predigten und Inhalte aus dem Internet hinzu.
Das Entscheidende daran: Der Prozess passierte schleichend. «Du wirst immer tiefer hineingezogen», beschreibt Bell. Irgendwann habe sie nicht mehr kritisch gedacht.
Das kann auch online passieren. Wer immer wieder dieselben Tradwife-Videos, Podcasts oder Accounts konsumiert, bekommt möglicherweise irgendwann den Eindruck, die dort vertretenen Vorstellungen seien selbstverständlich. Andere Lebensentwürfe erscheinen dann nicht mehr als gleichwertige Alternativen, sondern als Irrweg.
3. Du erklärst Probleme in deinem Leben mit dem Fehlen eines Mannes
Für Bell war die Vorstellung eines starken Mannes als Familienoberhaupt besonders attraktiv, weil sie selbst ohne Vater aufgewachsen war. Ihre Eltern trennten sich, bevor sie geboren wurde. Immer wieder bekam sie zu hören, ihr Leben wäre besser, wenn sie einen Vater hätte.
Sie begann deshalb zu glauben, ein Mann im Haus könne ihre Kindheitserfahrungen «reparieren»: Er wäre Anführer, Versorger und Beschützer. Ihre eigenen Kinder würden dadurch vor den Problemen bewahrt, mit denen sie selbst zu kämpfen hatte.
Rückblickend erkennt sie darin eine gefährliche Verkürzung: Wenn eine Ideologie verspricht, mit einem einzigen traditionellen Rollenmodell persönliche Unsicherheiten, familiäre Probleme oder gesellschaftlichen Druck lösen zu können, lohnt sich ein genauer Blick.
4. Du kannst deine Entscheidung nicht mehr infragestellen
Für Bell war die Mutterschaft ein Wendepunkt. Mit 22 bekam sie ihr erstes Kind und wollte unbedingt eine «gute» Mutter nach den Vorstellungen ihrer Kirche sein. Doch sie scheiterte immer wieder an den Erwartungen.
Besonders deutlich wurde das bei der Erziehung ihrer Tochter. In ihrer damaligen Kirche wurde vermittelt, man müsse den Willen eines Kindes brechen – unter anderem durch körperliche Bestrafung. Bell konnte das nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren. Sie begann deshalb, ihr gesamtes Weltbild zu hinterfragen.
Genau das unterscheidet für Bell eine freie Entscheidung von einer starren Ideologie: Kannst du deine Meinung ändern? Wenn du dich dafür entscheidest, Hausfrau zu sein, aber jederzeit sagen kannst: «Das passt nicht mehr zu mir», ist das etwas anderes, als wenn du glaubst, diese Rolle unter keinen Umständen verlassen zu dürfen.
5. Du hältst andere Lebensmodelle automatisch für falsch oder minderwertig
Eine Ideologie wird besonders mächtig, wenn sie nicht nur das eigene Leben bestimmt, sondern auch den Blick auf andere Menschen verändert. Bell sagt, dass sie selbst verurteilend wurde. Einige dieser Denkmuster erkennt sie noch heute in sich. Sie müsse dann bewusst gegensteuern.
Ein traditionelles Familienmodell kann eine freie Entscheidung sein. Aber Freiheit bedeutet auch, dass andere Menschen anders für ihr Leben entscheiden dürfen – ohne dafür verurteilt zu werden.
Quelle: .



