Wechseljahre: 7 Dinge, die jede Frau ab 40 über ihren Körper wissen sollte

Prof. Dr. Marion Kiechle, eine der bekanntesten Gynäkologinnen Deutschlands, leitet in Bayern ein Projekt, bei dem eine strukturierte Vorsorgeuntersuchung für Frauen in den Wechseljahren, genannt W1, getestet wird. Was Sie uns ab einem gewissen Alter rät. 

1. Früher als gedacht: Alles bleibt anders

Bis zur letzten Regelblutung mag es noch lange hin sein, Frauen haben sie bei uns im Durchschnitt mit 51 bis 52 Jahren. «Aber der Zyklus spielt schon vorher verrückt», sagt Gynäkologin Dr. Marion Kiechle, Professorin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der TU München und Direktorin der Frauenklinik des Klinikums rechts der Isar. Hormonelle Veränderungen beginnen wir meist ab Anfang 40 zu spüren: Blutungsstörungen, Hitzewallungen, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen – um nur einige zu nennen. Es gibt Listen mit bis zu 60 Symptomen. «Bei allem, was ab 40 an Beschwerden auftritt, ist ein Zusammenhang mit den Wechseljahren naheliegend.»

2. Der Wechsel ist nicht alles

Etwa 80 Prozent der Frauen in den Wechseljahren haben Hitzewallungen. Doch selbst für diese häufigste aller Beschwerden kann es auch in dieser Lebensphase andere Ursachen geben. «Schilddrüsenprobleme können ebenfalls Schwitzen verursachen», so die Expertin. Für andere Probleme, die mit der Hormonumstellung zusammenhängen können, gilt das genauso: «Wir können also auch nicht alles auf die Wechseljahre schieben, sondern sollten andere Hintergründe immer ausschließen.»

3. Die Regel wird (meist) stärker

Für viele eine unangenehme Überraschung: Bevor die Blutung irgendwann ganz aufhört, wird sie ab 40 häufig erstmal stärker und häufiger: «Das betrifft die meisten Frauen und kann ganz schön nerven», sagt Marion Kiechle. Still hinnehmen sollte man das nicht, sondern Ärztin oder Arzt darauf ansprechen. «Mit Hormonen kann man regulieren, dass die Periode wieder pünktlich und regelmäßig kommt und auch nicht so stark ist.»

4. Tempo, wer noch ein Kind möchte

Die Chance auf eine Schwangerschaft nimmt spätestens ab 35 ab. Natürlich ist es auch darüber hinaus noch möglich, ein Kind zu bekommen, aber das Alter unserer Eizellen bleibt der wichtigste Faktor, der irgendwann eine Grenze setzt. Der Rat der Expertin: «Wenn man ab 40 nochmal schwanger werden will und es klappt nicht, sollte man nach einem halben Jahr auf jeden Fall zum Reproduktionsmediziner bzw. zur Reproduktionsmedizinerin

5. Keine Angst vor Hormonen

Buchcover "Heiße Phase" von Marion Kiechle
Prof. Dr. Marion Kiechle ist Direktorin der Frauenklinik des Klinikums rechts der Isar der TU München und Autorin mehrerer Bücher. Ihr aktuellstes: «Heiße Phase. Was Frauen ab 40 über ihren Körper wissen sollten.» (Piper, 24 Euro).

«Die Hormontherapie ist dafür da, Frauen von ihren Beschwerden zu befreien», sagt Marion Kiechle. Welche die richtigen sind, muss individuell besprochen werden. Vaginales Östrogen bei Trockenheit und Schmerzen beim Sex können sogar Frauen, die bereits Brustkrebs hatten, ohne Risiko nehmen. Und für die systemische Therapie, bei der Präparate auf den ganzen Körper wirken, gilt: «Um das Risikoprofil möglichst niedrig zu halten, sollte man bioidentische Hormone verwenden, die baugleich zu den körpereigenen sind, und Östrogen möglichst transdermal, also über die Haut, geben. Als Tablette wird es über die Leber verstoffwechselt und kann das Thrombose-Risiko erhöhen.» Übrigens: Während über das minimal erhöhte Brustkrebsrisiko viel berichtet wird, wissen viele Frauen nicht, dass eine Hormontherapie auch das Krebsrisiko senkt: nämlich zum Beispiel das für Darmkrebs.

6. Keine Angst, keine Hormone zu nehmen

Allein aus Gründen der Prävention, Hormone zu nehmen, empfiehlt die Expertin eindeutig nicht: «Es macht wissenschaftlich gesehen keinen Sinn, sie über alle Frauen auszuschütten», so Marion Kiechle. Gradmesser für die Entscheidung sind die individuellen Beschwerden und wie sehr sie die Lebensqualität der Frau einschränken. «Aber um es mal auf den Punkt zu bringen: Man lebt nicht länger und ist auch nicht schöner, ob man nun Hormone nimmt oder nicht.»

7. Wissen ist gut, Resilienz auch 

«Für alles im Leben braucht man eine gute Resilienz, auch für die Wechseljahre», rät Marion Kiechle. «Das heißt auch, keine Kriege zu führen, die man nicht gewinnen kann. Natürlich können wir etwas dagegen tun, dass die Haut faltiger wird, aber die Möglichkeiten sind begrenzt und so wie mit Mitte 20 werden wir nun mal nie wieder aussehen.» Wer sich darauf konzentriert, welche Vorteile die Wechseljahre bringen, und versucht, das Beste daraus zu machen, gehe auch leichter durch diese Phase, so die Expertin. «Mehr Lebenserfahrung, mehr Gelassenheit und irgendwann auch endlich nicht mehr diese blöden Blutungen – das ist doch herrlich!»

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