Krebserregend? Entzündungsfördernd? Wir sollten nicht auf die Warnungen vor Rapsöl reinfallen, die Influencerinnen oder Influencer verbreiten. Denn es stimmt schlicht nicht, was da behauptet wird.
Das Prinzip ist leicht zu durchschauen: Weil dramatische Botschaften auf Social Media viel Aufmerksamkeit erhalten, kursiert derzeit wieder einmal das Gerücht, Rapsöl sei ungesund, ja sogar giftig. Dabei verhält es sich genau andersherum, wie Ernährungsmediziner bestätigen.
«Die wissenschaftlichen Empfehlungen fallen deutlich anders aus als viele Diskussionen in sozialen Netzwerken“, so Dr. Matthias Riedl, Ernährungsmediziner und ärztlicher Leiter des Medicum Hamburg, gegenüber der dpa.
Warum Rapsöl tatsächlich sogar sehr gesund ist
«Rapsöl ist eines der am besten untersuchten und ernährungsphysiologisch günstigsten Speiseöle überhaupt«, erklärt uns Prof. Dr. Martin Smollich vom Institut für Ernährungsmedizin am UKSH in Lübeck. «Dass es in sozialen Medien häufig als ‚ungesund‘, ‚industriell‘ oder sogar ‚giftig‘ dargestellt wird, beruht meist auf Missverständnissen, Halbwahrheiten oder der Vermischung verschiedener Sachverhalte.»
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) bezeichnet Rapsöl sogar als «Öl der Wahl», das Max-Rubner-Institut vergibt das Prädikat «ernährungsphysiologisch wertvoll». Und das aus gutem Grund: Rapsöl weist den geringsten Anteil an gesättigten Fettsäuren auf (etwa 7 Prozent), enthält aber einen hohen Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren (ca. 60 Prozent) und reichlich «Alpha-Linolensäure» (eine lebensnotwendige ungesättigte Omega-3-Fettsäure) sowie das Antioxidans Vitamin E. Bemerkenswert sei vor allem das günstige Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren in Rapsöl.
«Damit ähnelt es in seiner Fettsäurezusammensetzung teilweise sogar dem Olivenöl, liefert zusätzlich aber deutlich mehr Omega-3-Fettsäuren», so Prof. Smollich.
Ausdrücklich gut für Herz und Gefäße
Die Belege für die positiven Effekte von Rapsöl im Vergleich zu gesättigten Fetten, wie in Schmalz, Palmöl und Butter, stammen aus sehr großen Studien und Metaanalysen. «Das bedeutet, es wurden reale Effekte auf den Menschen untersucht», betont Prof. Smollich. Der Ersatz durch Rapsöl
- senkt den LDL-Cholesterinspiegel
- verbessert das Verhältnis von LDL zu HDL
- reduziert das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen
«Deshalb wird Rapsöl von zahlreichen Fachgesellschaften ausdrücklich empfohlen», so der Ernährungswissenschaftler.
Panikmache, getarnt als Warnung
Auf Social Media wird vor allem die giftige Erucasäure an den Pranger gestellt, die natürlicherweise in der Saat von Kreuzblütlern wie Raps vorkommt. «Frühere Rapssorten enthielten tatsächlich hohe Mengen Erucasäure», sagt Prof. Smollich. In den 1970er Jahren sei deshalb von dem Verzehr von Rapsöl ausdrücklich abgeraten worden. Doch seitdem sind 50 Jahre vergangen und dies gilt so schon längst nicht mehr. Man begann damals damit, spezielle Sorten zu züchten, die nahezu erucasäurefrei sind. «Das heute verkaufte Speiserapsöl enthält typischerweise weniger als zwei Prozent Erucasäure und erfüllt strenge gesetzliche Grenzwerte. Der Einwand bezieht sich also auf historische Rapssorten, nicht auf modernes Speiserapsöl», stellt der Experte klar.
Auch die entzündungsfördernde Wirkung von Rapsöl wegen des enthaltenen Omega-6 bezeichnet Prof. Smollich als «klassischen Social Media Mythos»: Rapsöl enthalte zwar Omega-6-Fettsäuren, aber deutlich weniger als beispielsweise Sonnenblumenöl. Gleichzeitig liefert es jedoch relevante Mengen Omega-3-Fettsäuren. Deshalb ist das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 bei Rapsöl sogar besonders günstig. «Entscheidend ist wieder einmal», so Prof. Smollich: «Große Humanstudien geben keine Hinweise darauf, dass übliche Mengen pflanzlicher Omega-6-Fettsäuren Entzündungen fördern.» Vielmehr sei das Gegenteil der Fall (siehe unten).
Und schließlich lässt sich auch der Vorwurf, Rapsöl könne Krebs begünstigen, wissenschaftlich nicht belegen. Die Deutsche Krebshilfe empfiehlt sogar Raps- und Olivenöl vorzugsweise als Bestandteil einer gesunden Ernährung.
Ein schon fast lustiges Argument gegen die Verwendung von Rapsöl hat Ernährungswissenschaftler Prof. Martin Smollich schon vor Monaten auf seinem Instagram-Account @ErnMedBlog entkräftet: «Rapsöl wurde früher als Schmierstoff verwendet, es kann also nicht gesund sein». Dazu erklärt der renommierte Wissenschaftler:
Ja, Rapsöl wurde früher tatsächlich als Schmierstoff verwendet – genauso wie Olivenöl, Butter und Tierfette. Über den gesundheitlichen Wert sagt das nur nichts aus. Die Aussage ist genauso sinnlos wie Wasser wird in Klospülungen und Atomkraftwerken verwendet, das kann nicht gesund sein.
Die guten und die ungünstigen Fette
Fette sind Grundnahrungsstoffe, das heißt, wir brauchen sie für unsere Gesundheit und sie sind nicht per se ungesund. Problematisch wird es jedoch, wenn wir zu große Mengen des kalorienreichsten Nährstoffs unserer Ernährung zu uns nehmen. Und wenn das Verhältnis von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren nicht stimmt. Es sollte bei etwa 1:5 liegen.
| Fettsäure | Ungesättigte Fettsäuren | Gesättigte Fettsäuren |
| Konsistenz | Flüssig bei Raumtemperatur | In der Regel fest bei Raumtemperatur |
| Lebensmittel | Pflanzliche Fette, fetter Fisch, Nüsse | Kokosöl, Butter |
| Auswirkung auf Blutfette | senken den Cholesterinspiegel | ungünstig für den Cholesterinspiegel |
| Auswirkung auf Entzündungsprozesse | entzündungssenkend | entzündungsfördernd |
Quelle: DGE
Das bedeutet: Wenn wir mehr ungesättigte Fettsäuren als gesättigte mit unserer Ernährung aufnehmen, senken wir damit das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen.
Quelle: .



