550 km zu Fuß – von München nach Venedig: Catherine (44) lief sich ihre Depression von der Seele

Catherine, 44, litt unter Depressionen, Burnout, Panikattacken und Ängsten. Dann setzte sie sich in Bewegung – und lief allein von München bis nach Venedig.

Wenn das Leben in sich zusammenfällt, gibt es nur zwei Wege: aufgeben oder weitermachen. Vor vielen Jahren war ich genau an diesem Punkt. Ich wollte nicht mehr. Depressionen, Burnout, Panikattacken, Angst und Mutlosigkeit hielten mich gefangen.

 Ich war alleinerziehende Mama, selbstständig als Designerin – eine ganz schön taffe Aufgabe. Vier Jahre hielten mich diese Zustände gefangen. Ich sah keine Auswege, verlor an Kraft und Halt. 

Wenn psychische Erkrankungen dich lahmlegen, siehst du kein Licht am Horizont. Es ist alles nur noch dunkel

Ich wollte wieder heil werden – für mein Kind

Als ich eines Tages in das Gesichtchen meines Sohnes blickte, der mich erwartungsvoll anschaute und zu dieser Zeit viel zu viel trug, wusste ich, ich muss da wieder raus. Ich muss mich auf den Weg nach einer Lösung machen. 

In eine Klinik wollte ich nicht. Nur ein natürlich heilsamer Weg kam für mich infrage, und so erreichte mich dieser zündende Gedanke: Geh. Geh laufen. Komm in Bewegung. Ich fing an zu trainieren, setzte meinen Körper jeden Tag ein bisschen mehr in Bewegung und beschloss, allein über die Alpen zu laufen. Nicht, um mir etwas zu beweisen, sondern um wieder heil zu werden. 

Auf 170 Kilometern, durch Tränen, Anstrengungen, Ängste und Zweifel laufend, kämpfte ich mich zurück ins Leben. Jeder Schritt stärkte mich, jeder Schritt nahm mehr Last von mir und ich fand in eine noch nie dagewesene Verbindung zu mir und meinem Körper. Ich fand zu mir selbst.

Ich setzte mich erneut in Bewegung 

Zehn Jahre später wollte mich erneut die Depression packen. Im Job blieben die Aufträge weg und ich fiel in ein tiefes Loch. Ich hatte Existenzängste, wusste nicht, wie ich in Zukunft weiterarbeiten und alles finanziell bewerkstelligen sollte. Und mir war klar: Wenn psychische Erkrankungen einmal dein Leben durchgeschüttelt haben, musst du dranbleiben, um nie wieder dort zu landen. 

Ich wusste bereits, wie es ist, am Boden anzukommen – aber auch, wie man wieder aufsteht. Und so setzte ich mich erneut in Bewegung. Lief jeden Tag auf unseren 325 Meter hohen Hausberg. 

Jeden Morgen quälte ich mich auf den Berg, ließ nie den Gedanken zu, aufzugeben. Aus der Bewegung heraus entstehen neue Perspektiven und ich kramte einen langjährigen Wunsch aus der Traumkiste: einmal von München nach Venedig zu laufen. Vor mehr als 20 Jahren hatte ich zu meiner Studienzeit diesen starken Wunsch entwickelt und ihn all die Jahre ganz weit nach hinten gestellt. Hätte mein Mann nicht Ja zu diesem Vorhaben gesagt, hätte ich ihn wohl noch weiter verschoben.  

Über ein Jahr war der Berg mein Trainingsgelände. Bei Wind und Wetter. Gerade die Tage, die taff sind, stärken den Geist. Die an dir zerren und dich in die Knie zwingen wollen. Sie lassen dich wachsen und widerstandsfähiger werden.

Ich möchte Kindern helfen, die psychisch erkranken

Bei diesem Training ist ein weiterer Wunsch entstanden: Ich möchte etwas zurückgeben und Kindern helfen, die dort stehen, wo ich einmal war. Die im Käfig ihrer eigenen Gedanken feststecken und keinen Ausweg mehr sehen. Und so ist mein Spendenlauf «You Walk for Health» entstanden. Ein Lauf, der sich für die psychische Gesundheit von Kindern einsetzt und das tolle Präventionsprojekt «Psychisch fit in der Grundschule – Unsere verrückte Familie» des Vereins «Irrsinnig Menschlich e.V.» unterstützt. 

Dann lief ich los, und vier Wochen und 550 Kilometer später bin ich in Venedig angekommen! Ich hatte den Mut gehabt, alleine zu laufen, neue Schritte zu gehen und nicht aufzugeben. Ich habe gelernt, Ziele in Etappen einzuteilen. Dass nicht das Ziel entscheidend ist, sondern die einzelnen Schritte auf dem Weg dorthin. Dass Ängste nur gehen, wenn du dich ihnen stellst.

Venedig habe ich erreicht, nun habe ich ein neues Ziel im Visier: 60.000 Euro für Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen zu sammeln. 

Ich wünsche mir, dass wir als Gesellschaft wieder in Bewegung kommen, der nächsten Generation Mut machen und ihr als Vorbild dienen. 

Quelle: .

📰 Quelle: .

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert