Social-Media-Phänomen "realbirgit": Birgit Batinovic: "Macht euch nicht kleiner, nur weil ihr älter werdet"

Weniger als ein Jahr ist ihr Instagram-Debüt her, doch von Beginn an begeistert Birgit Batinovic, 64, auf ihrem Profil «realbirgit» mit Humor, Charme und Reflektiertheit zehntausende Menschen. Was ihre Kinder damit zu tun haben und warum alle Generationen auf Social Media stattfinden sollten, hat sie uns erzählt.

BRIGITTE: Was hast du gedacht, als dein Sohn meinte, du sollst mit Social Media anfangen?

Birgit Batinovic: Ich habe gelacht und gesagt: «Auf gar keinen Fall!» Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich weder einen Instagram-, Facebook- noch einen TikTok-Account. Ich habe zunächst überhaupt nicht verstanden, warum ich ausgerechnet Social Media machen sollte. Für mich war das etwas für die jüngere Generation und ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich irgendjemand dafür interessiert, was eine Frau in meinem Alter zu sagen hat. Dass ich heute einmal ganz anders darüber denken würde, hätte ich damals wirklich nicht geglaubt.

Was hat dich letztendlich überzeugt?

Letztendlich hat mich der Zuspruch meiner Tochter und meines Sohnes überzeugt. Beide meinten, dass ich wirklich viel Interessantes zu erzählen hätte. Auch mein Mann hat mich darin bestärkt. Dann hat mein Sohn Antonio auf seinem Account eine Abstimmung gemacht, bei der mehrere Tausend Menschen dafür gestimmt haben. Viele kannten mich bereits aus seinen Familienvideos und waren offenbar neugierig auf mich. Das alles hat mir den Mut gegeben, es tatsächlich zu versuchen. Und heute bin ich sehr glücklich, dass ich mich darauf eingelassen habe.

Was sind aus deiner Sicht die größten Unterschiede zwischen deiner Generation und der deiner Kinder?

Zum einen natürlich Social Media und Smartphones – für meine Kinder ganz selbstverständlich, während meine Generation damit erst im Erwachsenenalter in Berührung gekommen ist. Für mich sind sie Fluch und Segen zugleich. Und ganz ehrlich: Ich bin froh, dass es von meinen wilden Partyjahren keine Bilder gibt, die heute noch im Internet auftauchen könnten.

Ein weiterer Unterschied sind die Zukunftsängste. Meine Generation ist mit dem Gefühl aufgewachsen, dass es unseren Kindern einmal besser gehen wird. Heute erleben junge Menschen Krieg in Europa, den Klimawandel und eine große gesellschaftliche und wirtschaftliche Unsicherheit. Damit verbunden ist auch das veränderte wirtschaftliche Aufstiegsversprechen: Die Vorstellung, dass man sich durch Leistung und Fleiß Wohlstand aufbauen kann, gilt heute für viele nicht mehr in gleicher Weise. Trotz guter Ausbildung und harter Arbeit wird es beispielsweise immer schwieriger, sich Wohneigentum leisten zu können.

Keine schöne Aussicht …

Ja, aber was ich positiv finde, ist, dass sich der Umgang mit mentaler Gesundheit stark verändert hat. In meiner Generation wurde vieles eher ausgehalten und wenig darüber gesprochen. Meine Kinder gehen viel offener damit um und wissen eher, dass es keine Schwäche ist, sich Hilfe zu holen. Gleichzeitig erleben sie aber auch einen enormen Druck, ihren eigenen Lebensweg zu finden und dabei möglichst alles richtig zu machen.

Apropos: Was hast du denn falsch gemacht?

Mein größter Fehler war, dass ich lange dachte, ich müsste alles selbst schaffen, und am besten sollte es auch noch perfekt sein. Ich habe zu spät gelernt, Verantwortung abzugeben und Hilfe anzunehmen. Heute weiß ich: Nicht alles, was ich selbst mache, wird automatisch besser. Mein größtes Learning ist deshalb, dass ich nicht alles alleine machen muss und «gut» oft vollkommen ausreicht. Das hat mein Leben tatsächlich leichter und entspannter gemacht.

Das klingt, als hättest du dich viel mit dir beschäftigt. Was würdest du anderen Frauen in deinem Alter sagen?

Seid mutig und traut euch, noch einmal etwas ganz Neues anzufangen. Ihr seid nicht zu alt für irgendetwas. Wenn ihr etwas ausprobieren möchtet, dann macht es einfach – auch wenn andere vielleicht denken, dass man das in unserem Alter nicht mehr macht. Wir haben so viel Lebenserfahrung und sollten uns davon nicht bremsen lassen, sondern sie als Stärke sehen. Und bleibt im Dialog mit der jüngeren Generation. Wir können unglaublich viel voneinander lernen, wenn wir uns zuhören und nicht denken, dass wir es immer besser wissen. Und vor allem: Macht euch nicht kleiner, nur weil ihr älter werdet.

Wie gehst du mit Neid um?

Neid und Missgunst wird es immer geben. Ich glaube aber, dass Neid zunächst einmal ein menschliches Gefühl ist. Ich habe meinen Kindern deshalb immer versucht vorzuleben, dass man sich mit anderen freuen kann, auch wenn es einem selbst gerade nicht so gut geht. Das Leben wird nicht schlechter, nur weil jemand anderes etwas Schönes erlebt oder Erfolg hat. Im Gegenteil: Ich finde, es macht das eigene Leben reicher, wenn man anderen ihr Glück gönnen kann. Und wenn mir selbst einmal Neid begegnet, versuche ich, ihn nicht persönlich zu nehmen. Ich kann nicht beeinflussen, was andere über mich denken – aber ich kann entscheiden, wie ich damit umgehe.

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