Fürs Taschengeld genügt eine Spardose oder ein Junior-Girokonto. Doch für die großen Ziele im Leben wollen viele Eltern ihrem Kind ein ordentliches finanzielles Polster mitgeben. So gelingt das Sparen für Führerschein, Ausbildung, Auslandsjahr.
Als ich vor anderthalb Jahren schwanger wurde, war die Freude groß. Doch meinem Mann und mir war auch klar: Kinder sind teuer. Anfangs sind die Ausgaben noch überschaubar: Strampler, Windeln, Gläschen, Spielzeug, Kinderwagen, Beistellbett. Später kommen Taschengeld, Klassenfahrten, Musikunterricht, der erste Laptop. Irgendwann wird unsere Tochter den Führerschein machen, vielleicht studieren wollen.
Laut Statistischem Bundesamt geben Paare durchschnittlich 763 Euro im Monat für ihr Kind aus. Angenommen, wir bezahlen unserer Tochter bis zum Ende ihres Studiums mit voraussichtlich 25 Jahren den Lebensunterhalt, kommen wir hochgerechnet auf 230.000 Euro – Inflation nicht miteingerechnet. Ein ganz schöner Batzen. Deshalb nahmen wir uns vor, ein finanzielles Polster anzulegen und von Anfang an für unser Kind zu sparen. Der Plan: Das Kindergeld – 250 Euro monatlich – legen wir auf die Seite.
Wann mit dem Sparen anfangen?
Als unser Baby auf der Welt war, gerieten die guten Vorsätze schnell in den Hintergrund. Volle Windeln, schlaflose Nächte, die Panik um den ersten Schnupfen – die Prioritäten waren ständig woanders. Ein Jahr später hat sich das Familienleben eingependelt: Wir wollen jetzt keine Zeit mehr verlieren. Jedes Jahr, das wir warten, verpassen wir nämlich den sogenannten Zinseszins-Effekt. Das Vermögen wächst umso schneller, wenn man bereits erhaltene Erträge auf seine Kapitalanlage reinvestiert. Je früher wir also anfangen, desto besser. Doch wie?
Sparkonto oder Aktien?
Früher brachten unsere Eltern und Großeltern das Geld für den Nachwuchs aufs Sparkonto. Damals gab es auch ordentlich Zinsen. Diese Zeiten sind aber lange vorbei. Auch wenn die Zinsen seit einigen Monaten wieder hochgehen: Die sehr viel höhere Inflation frisst sie auf. Sparen wir das Vermögen für unsere Tochter also ausschließlich auf einem Festgeldkonto, wächst es kaum an, verliert aber an Kaufkraft. Also muss eine rentablere Alternative her.
Ich frage Mechthild Upgang um Rat. Sie leitet eine Finanzberatung und unabhängige Vermögensverwaltung in Bonn und berät immer wieder Mütter, die Geld für ihre Kinder anlegen wollen. Bei einem langen Anlagehorizont – alles über zehn Jahre – empfiehlt sie einen aktienbasierten Sparplan. «So kann das Vermögen dank der Kurssteigerungen auf dem Kapitalmarkt wachsen.» Die Vergangenheit hat nämlich gezeigt: Klug angelegt, steigen die Kurse langfristig immer. Zwischenzeitliche Einbrüche und Schwankungen können wir aussitzen. Von Einzelaktien rät Upgang wegen des hohen Risikos und der höheren Kosten ab – abgesehen davon, dass es den meisten für diese Strategie an Zeit und Expertise fehlen dürfte.
Bei einem Sparplan in Aktienfonds wird der festgelegte Betrag monatlich oder auch quartalsweise automatisch vom Konto abgebucht und investiert. Mein Gedanke: Passiert das gleich am Tag, an dem das Kindergeld reinkommt, komme ich gar nicht erst in Versuchung, es anderweitig auszugeben.
ETF oder aktiv gemanagter Fonds?
Beide Anlagevarianten investieren in Wertpapiere zahlreicher Unternehmen gleichzeitig. Diese breite Streuung reduziert das Anlagerisiko. ETFs bilden dabei die Wertentwicklung eines Index passiv ab, das heißt ohne Managerinnen und Manager. Das ist kostengünstiger, die Gebühren liegen durchschnittlich bei rund 0,4 Prozent pro Jahr. Sparpläne sind meist schon ab 25 Euro im Monat möglich, bei einigen Depotbanken sogar ab 1 Euro. Den ETF müssen wir uns selbst aussuchen.
Bei einem klassischen Investmentfonds dagegen investiert ein Fondsmanagement gezielt in bestimmte Aktien und versucht, die Börse zu schlagen. So können sich Eltern entspannt zurücklehnen. «Die einfachste Option für alle, die das Depot nicht regelmäßig überwachen und die Geldanlage lieber einem Profi überlassen möchten», sagt Upgang. Allerdings hat der Komfort auch seinen Preis: Die Gebühren liegen oft bei um die 1,5 bis 2,5 Prozent pro Jahr. Das schmälert den Gewinn. Statistisch gesehen ließen sich in den vergangenen Jahren mit ETFs bessere Renditen erzielen.
Verbraucherschützer raten aufgrund der günstigeren Kosten zu einem ETF auf den weltweiten Aktienmarkt. Etwa den MSCI World Index, der in 1650 Unternehmen aus 23 Industrieländern anlegt. Die Rendite lag in den vergangenen 20 Jahren bei durchschnittlich rund 5,4 Prozent im Jahr. Alternativen sind der FTSE All World Index oder der MSCI All Country World Index, beide investieren in noch mehr Unternehmen aus Industrie- sowie Schwellenländern.
Und wenn die Kurse schwanken?
Gerade am Anfang dürfte es manchen Eltern angesichts roter Zahlen im Depot schwerfallen, die Nerven zu behalten. Die ständigen Kursschwankungen auf dem Aktienmarkt muss man aushalten können. Wer sich damit wohler fühlt, kann die Hälfte der Ersparnisse fürs Kind in den ETF investieren und den Rest erst mal auf einem Tagesgeldkonto anlegen – das sogenannte «Pantoffelportfolio». Bei einem kürzeren Anlagehorizont, etwa wenn das Studium in drei bis fünf Jahren beginnt, ist es ohnehin ratsam, den Großteil risikolos zu parken. «Den Teil des Geldes, den das Kind bald ausgeben soll, legen Eltern am besten zum Beispiel auf ein Tagesgeldkonto», empfiehlt Upgang. Da wird das Vermögen zwar nicht nennenswert wachsen. Doch es ist für die Zeit, in der es benötigt wird, vor den Schwankungen auf dem Kapitalmarkt sicher.
Auf wessen Namen lege ich an?
Ist doch logisch, denke ich: Das Geld soll später meiner Tochter gehören, also lege ich es auf ihren Namen an. Viele Banken bieten Junior-Depots ohne Depotführungsgebühren an. Außerdem gibt es einen Steuervorteil: «Wie auch Erwachsene hat jedes Kind einen eigenen Sparerpauschbetrag. Gewinne von bis zu 1000 Euro im Jahr sind steuerfrei», erklärt mir Janine Rößiger, Steuerberaterin aus Konstanz und Autorin mehrerer Ratgeber («Finanzplan für Familien»). Liegen die Erträge oberhalb des Sparerpauschbetrags, können Eltern eine Nichtveranlagungsbescheinigung beim Finanzamt beantragen. Der zusätzliche Grundfreibetrag für das Kind beträgt dann 10.908 Euro im Jahr. «Allerdings legen die wenigsten Eltern so viel Geld für ihre Kinder an, dass sie diesen Sparerpauschbetrag tatsächlich ausschöpfen», sagt Rößiger. «Die steuerlichen Vorteile sind somit für viele in der Praxis gar nicht relevant.»
Rößiger selbst spart 90 Prozent der Rücklagen für ihre beiden Töchter in einem ETF auf dem MSCI All Country World, den Rest auf einem Tagesgeldkonto. Depot und Konto laufen auf ihren eigenen Namen. Dafür hat sie gute Gründe: «Sobald das Kind 18 Jahre alt wird, kann es allein über das Vermögen verfügen.» Ob es das Geld für den vorgesehenen Zweck verwendet oder anderweitig verjubelt, ist dann ihm überlassen.
Das gibt mir zu denken: Sollte unsere Tochter beschließen, von den Ersparnissen einen Porsche zu kaufen oder eine Weltreise zu machen, kann ich sie rechtlich nicht davon abhalten. Gleichzeitig bin ich als Erziehungsberechtigte für ihr Studium oder ihre Ausbildung aber weiterhin unterhaltspflichtig. Das könnte zum finanziellen Fiasko werden.
Auch beim Bafög könnte ein Depot auf den Namen des Kindes zum Nachteil werden. Beim Anspruch auf die Ausbildungsförderung gibt es nämlich Vermögensobergrenzen. Dabei wird nicht das Vermögen der Eltern berücksichtigt, sondern nur das des Kindes. Aktuell liegt die Obergrenze bei 15.000 Euro – die kommen in 18 Jahren konsequentem Sparen schnell zusammen. Lege ich das Geld auf meinen eigenen Namen an, kann ich es meiner Tochter eines Tages immer noch als Schenkung übertragen. Der Freibetrag beläuft sich dabei – alle zehn Jahre – auf 400.000 Euro.
Am Ende ist es also eine Frage des Vertrauens, aber auch eine Rechenfrage. Wer auf Nummer sicher gehen will, legt größere Summen vielleicht doch besser auf den eigenen Namen an. Ein zusätzliches Depot auf den Namen des Kindes ist trotzdem sinnvoll: So können Eltern den Nachwuchs früh ans Investieren heranführen und Finanzwissen vermitteln.
Können Oma und Opa mitsparen?
Die zehnte Barbie, das fünfte Lego-Set? Sinnvoller ist ein Geldgeschenk zu Weihnachten und Geburtstag, darauf dürfen Eltern die Verwandten ruhig hinweisen. Wollen Großeltern oder Pateneltern dauerhaft mitsparen, können sie ein Junior-Depot einrichten. Dafür benötigt die Bank die Zustimmung der Eltern und die Geburtsurkunde des Enkels. Oder sie sparen auf einem eigenen Depot, sollten dann aber im Testament festlegen, für wen das Geld gedacht ist. Es gibt auch spezielle Angebote, bei denen Verwandte im Depot direkt mitsparen können, zum Beispiel die ETF-Sparpläne der Robo-Advisor-Plattform Oskar.
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