Arbeitsplatzklima: Hilfe, meine Kollegin macht mich wahnsinnig

Kennen fast alle: Leute, die im Team durch Intrigen, ständiges Meckern, falsche Kumpelei nerven. Doch es gibt Tricks, die helfen, Ruhe zu bewahren.

Würdest du für mehr Gehalt in ein Team wechseln, in dem die Stimmung schlecht ist? Das fragte die Fern-Universität Hagen im vergangenen Jahr, und tatsächlich: Für ein Drittel der Befragten zählt der Seelenfrieden mehr als Geld. Für Frauen ist das Klima am Arbeitsplatz sogar das wichtigste Kriterium bei der Jobwahl.

Einen klaren Kopf bewahren

Nur gibt es immer wieder Kolleginnen und Kollegen, die anstrengend sind. Manche wissen alles besser, andere referieren ständig ihre Bedenken, wieder andere drängen sich kumpelig auf – und auf Dauer kann man solche Verhaltensweisen nicht einfach wegatmen. Sie wiederholen sich, nerven, belasten. Jede Woche ein bisschen mehr. Die Emotionen schaukeln sich hoch.

Was hilft? Mit klarem Kopf und erwachsen auf das Problem schauen. Denn Auslöser für solche Konflikte sind selten Sachthemen, sondern eher Unstimmigkeiten auf der Beziehungsebene. Eine funktionierende Arbeitsbeziehung könnte zum Beispiel damit beginnen, dass man seine eigene Haltung verändert. Stell dir eine Wippe vor: Du und die anstrengende Person sitzen sich darauf gegenüber. Im Konfliktfall betrachtet ihr einander als Gegenpole, einer oben, einer unten. Für eine Annäherung betrachtest du die andere Person nun neutral als Gegenüber, mit der du ein Gleichgewicht herstellst und sachlich mit ihr zusammenarbeiten möchtest.

So stoppst du die Eskalation

1. Die eigene Sichtweise hinterfragen

Die amerikanische Konflikt-Expertin Amy Gallo empfiehlt, sich erst einmal selbst zu fragen: «Woher weiß ich, dass wahr ist, wie ich die Sache sehe? Was, wenn ich falschliege?» Es komme gar nicht so sehr auf die Antworten an, sondern darauf, über den Tellerrand hinauszuschauen.

2. Sich ein Ziel setzen

Mache dir klar, was du in der Situation erreichen willst: recht haben? Oder lieber langfristig eine funktionierende Arbeitsbeziehung aufbauen? Ist Letzteres dein Ziel, dann probiere folgende Schritte:

1. Akzeptiere, dass dein Gegenüber nicht so werden wird, wie du dir es wünschst.

2. Ändere die Art und Weise, wie du dich verhältst. So steigt die Chance, dass in der Beziehung eine neue Dynamik entsteht.

3. Sei offen. Höre noch besser zu und kommuniziere noch besser als bisher. Das hilft dir schließlich nicht nur, den Konflikt zu lösen, sondern bringt dich auch insgesamt weiter.

3. Akzeptieren

Den anderen als Menschen zu sehen, trägt sehr dazu bei, Druck aus dem Kessel zu nehmen. Daher probiere, auch wenn’s schwerfällt, zu akzeptieren, dass der andere tickt, wie er tickt – und zu verzeihen. Du kannst auch versuchen, die Beziehung zu verbessern, indem du eine Brücke baust.

4. Entzerren

Wenn eine Situation emotional aufgeladen ist, neigen wir zu verzerrten Wahrnehmungen, stellt Amy Gallo fest. Beispiel: Wenn du eine Person als aggressiv betrachtest, siehst du deren Verhalten nicht mehr neutral. Stattdessen wertest du so ziemlich alles, was sie sagt oder tut, als Bestätigung für deine Annahme. Ein Verhalten, das eine neutrale Beobachterin vielleicht als «Selbstbehauptung» wahrnimmt, ist in deinen Augen dann ein «aggressives Durchsetzen» von Interessen. Frage dich: Bin ich noch offen oder schon voreingenommen?

Fünf nervige Typen, Fünf Strategien

1. Der Besserwisser

Erteilt ungefragt Ratschläge. Unterbricht andere. Lieblingssatz: «Also, ich würde das ja so machen …». Möchte Wertschätzung bekommen, weil er freigiebig vermeintlich wertvolles Wissen teilt. Wirkt herablassend, hat aber in Wahrheit oft ein geringes Selbstwertgefühl.

Strategie: Probiere es mit Feedback nach dem Modell der drei Ws: «Wahrnehmung, Wirkung, Wunsch». Etwa so:

  • «Mir fällt auf, dass du mir oft Ratschläge erteilst, ohne dass ich dich darum gebeten habe» (Wahrnehmung)

  • «Ich empfinde das als Belehrung und Bevormundung» (Wirkung)

  • «Lass uns vereinbaren, dass ich dich direkt frage, wenn ich deine Meinung brauche» (Wunsch)

Nutzt das nichts, drehe den Spieß um und erkläre dem Besserwisser mal die Welt.

2. Die Intrigenschmiede

So freundlich und unscheinbar, dass man sie für harmlos hält. Gibt wenig von sich preis, hört dafür gut zu – und nutzt das Gesagte später, um einen Spalt ins Team zu treiben. Äußert sich etwa in großer Runde positiv über die Idee eines Kollegen, aber im Zweiergespräch unkt sie: «Ob der das hinkriegt? Die Arbeit bleibt doch wieder an dir hängen!»

Strategie: Halte Distanz, begrenze die Kommunikation auf die Sachebene. Verhalte dich freundlich und beende Spaltversuche sofort, sag etwa: «Das interessiert mich nicht» oder «Ich erlebe das ganz anders». Verbünde dich mit Kolleg:innen, denen du vertraust. Zeige, dass alle im Team das intrigante Verhalten durchschaut haben und nicht akzeptieren.

3. Die Chefkritikerin

Sie kennt auf Vorschläge nur eine Reaktion: Das geht nicht! Wirft in der ersten Planungsphase verbale Stinkbomben wie «Ist nicht durchdacht. Kann nicht funktionieren». Wälzt Bedenken, statt zu schauen, was möglich ist. Kritisiert selbst Nebensächliches. Bringt unermüdlich Gegenargumente.

Strategie: Sei neugierig und vorbereitet. Neugier macht dich offen für neue Sichtweisen, etwa für die Frage, ob hinter dem Verhalten eine ursprünglich positive Absicht steckt. Um die herauszufinden, hilft das Werte- und Entwicklungsquadrat von Friedemann Schulz von Thun. Das Modell geht, sehr verkürzt, davon aus, dass ein positiver Wert ins Negative umschlagen kann, wenn er übertrieben oder einseitig gelebt wird. Vielleicht steckt hinter der übertriebenen Kritik ja eine Vorsicht, die das Team vor teuren Fehlern bewahren will, indem sie Schwachstellen aufdeckt? Bei notorischer Schwarzseherei hilft etwas anderes: Widerspreche knapp mit sachlichen Argumenten. Bitte sie um Lösungsvorschläge. So lenkst du den Fokus vom Problem zur Umsetzbarkeit.

4. Der Kontrollfreak

Nimmt alles super genau. Schaut «lieber noch mal nach», ob eine Aufgabe «wirklich sauber» ausgeführt wurde. Denkt sich gern Checklisten aus, etwa eine Zehn-Punkte-Liste fürs korrekte Einreichen eines Urlaubstags. Merkt nicht, dass sein ständiges Fahnden nach Fehlern andere unter Druck setzt.

Strategie: Versuche, die Sache aus seiner Perspektive zu sehen. In den Augen des Kontrollfreaks kann sich das Team auf ihn verlassen, weil er genau hinsieht. Mache ihm klar, dass alle ihren Job ernst nehmen und die Verantwortung für das Ergebnis gemeinsam tragen – nicht er allein. Zeige ihm auf, welche Folgen es hat, wenn er sich in Details verliert und alle auf ihn warten müssen.

5. Die Kumpeline

Sie räumt öfter als alle anderen die Spülmaschine in der Kaffeeküche aus. Lässt großzügig an Kuchen etc. teilhaben – aber auch an Details ihres Privatlebens. Drückt anderen ein Gespräch auf. Kommt gar nicht auf die Idee, dass jemand lieber fokussiert weiterarbeiten möchte, statt zu quatschen. Ignoriert höfliche Versuche, das Gespräch zu beenden.

Strategie: Setze freundliche, klare Grenzen. Lass es gar nicht dazu kommen, dass die Kumpeline bei Ihnen eine Parkposition einnimmt. Signalisiere mit einer Handbewegung «Stopp», während du sagst «Tut mir leid, ich habe aktuell keine Zeit». Wenn du sich austauschen möchtest, vereinbare aktiv einen passenden Zeitpunkt dafür. Hilft alles nichts, verlässt du freundlich selbst den Raum.

Quelle: .

📰 Quelle: .

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert