Kelly Osbourne trauert: Kelly Osbourne zeigt, dass wir den Verlust der Eltern häufig unterschätzen

Die Trauer erwachsener Kinder um ihre Eltern wird häufig unterschätzt. «Das ist der Lauf der Dinge», heißt es dann gerne, wenn ein Elternteil jenseits der 70 stirbt. Oder auch: «Er hatte doch ein langes, erfülltes Leben». Aber ist unser Schmerz wirklich ein anderer, nur, weil wir viel Zeit mit unseren Eltern hatten? 

Für Kelly Osbourne stimmt diese Annahme nicht. Und sie sagt es so laut, dass man es nicht überhören kann. Ihr Vater, der legendäre Rockstar Ozzy Osbourne, †76, ist seit über einem Jahr tot. Im US-Podcast «We Need To Talk» beschrieb sie nun, wie gebrochen sie seither ist. Und wie allein. «Ich habe viele Freunde verloren, weil Menschen Traurigkeit nicht mögen», sagt die 41-Jährige. «Sie erwarteten, dass ich darüber hinwegkomme, aber ich werde niemals darüber hinwegkommen. Niemals werde ich darüber hinwegkommen.»

Dabei ist es in unserer Gesellschaft nicht unbedingt üblich, dass Erwachsene jenseits der 30 oder 40 außergewöhnlich stark oder lange um ihre Eltern trauern – weil diese meist ein respektables Alter erreicht haben. Kelly verlor jedoch nicht nur ihren Vater, sondern auch ihren «besten Freund», wie sie sagt. 

«Konnte nicht sprechen, nicht essen» 

Sein Tod im Juli 2025 stürzte sie in eine extreme psychische Krise. «Ich war nur noch ein Schatten meiner selbst, konnte nicht sprechen, nicht essen», beschreibt sie im Podcast. «Zu nichts war ich mehr fähig. Ich war einfach leer, auf jede erdenkliche Weise gebrochen und komplett unfähig, für mich selbst zu sorgen. Ich war am absoluten Tiefpunkt. Da fing ich wieder an zu trinken. Ich verlor den Verstand.» Seit acht Monaten sei die Mutter eines dreijährigen Sohnes aber wieder nüchtern. 

Kelly Osbourne mit traurigem Blick und sehr dünn bei Grammys
Wirkt immer noch sichtlich mitgenommen: Kelly 2026 bei den Grammys.
© Gilbert Flores/Billboard

Dass ein solcher Absturz kein Zeichen von Schwäche sein muss, weiß die zertifizierte Trauerbegleiterin und systemische Beraterin Kathrin Benkenstein aus eigener Erfahrung. Sie verlor 2020 ihren Vater und weiß, was daran besonders schmerzt: «Wenn man seine Eltern verliert, verliert man auch immer einen Teil seiner Vergangenheit. Ein Teil der eigenen Herkunft und der eigenen Wurzeln sind plötzlich weg.» Dabei spiele es keine Rolle, wann die Eltern sterben würden. «Auch, wenn du mit 65 deine 90-jährige Mutter verlierst, bleibst du immer Kind – die Eltern-Kind-Beziehung endet nie.»

Je labiler die Trauernde, desto tiefer das Loch 

Wie stark ein Verlust belastet, hängt von vielen Faktoren ab: «Der Beziehung zur verstorbenen Person, den Umständen und der Plötzlichkeit des Todes, früheren Verlusterfahrungen, der eigenen Lebenssituation, dem sozialen Umfeld und der vorhandenen Unterstützung», erklärt Kathrin Benkenstein gegenüber BRIGITTE. 

Bei Kelly Osbourne kam vieles zusammen, wie sie selbst berichtet. Sie lebte 2025 in einer kriselnden Beziehung, sprach immer wieder öffentlich über Depressionen, Angststörungen und ihre jahrelange Suchterkrankung. In so einer Verfassung kann einen der Tod eines geliebten Menschen regelrecht aus der Bahn werfen. Richtig sei aber auch: «Wenn man seine Eltern mit fünf verliert, hat das große Auswirkungen auf die Entwicklung. Mit 30 oder 40 ist das nicht mehr der Fall», stellt die Trauerbegleiterin klar. 

Kelly und Ozzy Osbourne lachend und innig bei Grammys
Waren ein Herz und eine Seele: Kelly mit Papa und «bestem Freund» Ozzy Osbourne 2020 bei den Grammys
© Newscom / AdMedia

Vielleicht meint Kelly genau das, wenn sie sagt, das Mädchen von früher sei tot. Benkenstein widerspricht nicht: «Tatsächlich werden viele Menschen schlagartig erwachsen, wenn ein Elternteil stirbt», sagt die Trauerbegleiterin. «Eine gewisse Albernheit oder Leichtigkeit geht häufig endgültig verloren.» Das merke man vor allem bei Jugendlichen, die ein Elternteil oder Geschwister verlieren: «Man muss Verantwortung übernehmen, sorgt sich um das andere Elternteil, oder um die Eltern, die eines ihrer Kinder verloren haben.» Aber auch mit 30 oder 40 sei dieser Effekt laut Benkenstein spürbar. 

Ozzy sorgte noch im Abschied für sein Kind 

Drei Tage vor seinem Tod sagte Ozzy Osbourne seiner Tochter einen Satz, der sie bis heute trägt – und zerreißt: «Egal, was passiert: Du kannst den Rest deines Lebens darauf setzen, dass es einen Mann auf diesem Planeten gab, der dich wirklich geliebt hat. Der dich für alles geliebt hat, was du bist. Und dieser Mann bin ich.»

Dieser Mann ist nicht mehr da. Aber der Satz bleibt. Und mit ihm eine Frau von 41 Jahren, die gerade lernt, dass man Kind bleibt – auch wenn niemand mehr da ist, der einen so nennt.

«Das ist der Lauf der Dinge», sagen wir und versuchen, uns damit am Ende wahrscheinlich am allermeisten selbst zu beruhigen. Kelly Osbourne erinnert uns daran, dass es kein Zeichen von Schwäche ist, wenn man nie darüber hinwegkommt – sondern von Liebe.

Trauer vor aller Augen

Kelly trauert nun, wie sie gelebt hat: vor aller Augen. Sie war 17, als die (welterste!) Reality-Doku «The Osbournes» 2002 auf MTV startete, seitdem ist ihr Leben öffentlich. Auf Instagram zeigte sie in den vergangenenen Monaten immer wieder, wie schlecht es ihr geht und verhandelte dort auch den Rosenkrieg mit ihrem Ex-Verlobten und Kindsvater Sid Wilson (Ex-«Slipknot»-DJ) dort aus. 

Übrigens kein reines Promi-Phänomen. Auch viele «normale» Menschen tendieren dazu, ihre Trauer öffentlich zu teilen. «Etwa auf Facebook», sagt Benkenstein. Wichtig: «Trauer braucht Ausdruck – etwa indem man am Grab ins Zwiegespräch mit dem Verstorbenen geht oder aus Erinnerungsstücken etwas bastelt.» Ablenkung durch Medikamente, Alkohol oder viel nächtliches Fernsehen, seien hingegen kontraproduktiv, weil es uns Raum zum Verarbeiten raubt. 

Lasst uns über den Tod reden!

Trauerbegleiterin Kathrin Benkenstein lächelnd auf grauem Sofa
Unsere Expertin Kathrin Benkenstein ist zertifizierte Trauerbegleiterin (BVT), systemische Beraterin und Trauerrednerin aus Keßberg.
© privat

Benkenstein selbst verspürte nach dem Tod ihres Vaters das Bedürfnis, einen Raum zu schaffen, um mehr öffentlich über den Tod zu sprechen, gründete zuerst eine eigene Trauergruppe und ließ sich später zur Trauerbegleiterin ausbilden.»

Kellys Ausdruck ist jetzt ein Podcast gewesen, in dem sie auch gleich eine dreiteilige Dokuserie über Trauer und psychische Gesundheit ankündigte. Vielleicht hilft es ihr, besser mit dem Schmerz umzugehen. Wenngleich klar sein dürfte: «Trauer hört nie ganz auf, sie verändert sich, bewegt sich in Wellen», sagt Kathrin Benkenstein. Es sei völlig normal, wenn einen nach zwei Jahren etwas triggere oder ein Jahrestag anstehe, dass es einen berühre und man sich vielleicht auch wieder etwas schlechter fühle, als man sich schon mal gefühlt habe. 

Und doch sieht Kelly in ihrem Schmerz auch etwas Positives: «Der Verlust meines Vaters hat mich gelehrt, dass in der Trauer eine große Ehre liegt. Weil ich jemanden geliebt habe beziehungsweise fähig war und bin, jemanden so sehr zu lieben, dass ich den Verstand verlor.»

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